LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

Samstag ist Internationaler Männertag: infoMann stellte seine Aktivitäten vor

Sie kommen meist im Alter von 40 bis 45 Jahren und stecken in einer Beziehungskrise. Meist haben sie ein der Norm und den Traditionen entsprechendes mittelständisches Leben geführt - gearbeitet und die Familie ernährt. Dann fangen Paarprobleme an und Mann weiß keinen Rat mehr: Was habe ich falsch gemacht, wo habe ich versagt? Denn über Probleme zu reden und die eigenen Befindlichkeit auszudrücken, hat er nie gelernt. Gut die Hälfte der Kunden, die sich an die Beratungsstelle infoMann wendet, hat Beziehungsprobleme in allen möglichen Stadien. Die anderen kommen mit Arbeits- oder Finanzsorgen oder sind sozial isoliert.

Samstag ist internationaler Männertag, gestern stellten die Verantwortlichen von infoMann ihre Aktivitäten vor. „Wir machen eine emanzipatorische Arbeit, bieten Perspektiven an, mobilisieren Ressourcen und weisen auf Rechte, aber auch auf Verantwortungen hin“, umschrieb Francis Spautz, verantwortlicher Psychologe die dort geleistete Männerarbeit. Diese setzt da an, wo Clichés und Stereotype hinführen: Ein Mann muss funktionieren, dem Männerbild entsprechen und dabei geht der Kontakt zu sich selber verloren. „Wir leisten Hilfestellung, um aus der Hilflosigkeit im Umgang mit sich selber herauszukommen und Formen zu finden, sich auszudrücken“, sagte Spautz.

Neues Angebot: „Let‘s talk about sex“

Um die geschlechtsspezifische Arbeit mit den Jungen kümmert sich der Erzieher Alex Kries. Sie sollen im Prozess des „Junge sein - Mann werden“ unterstützt werden und losgelöst von Stereotypen die eigene Männlichkeit entwickeln. Sein Programm „Ech Kämpfe Fair“ zur Gewaltprävention hat großen Erfolg bei Schulen, Lyzeen und Internaten. Hier dürfen Jungen toben, kämpfen und rempeln und lernen so Grenzen entwickeln, erkennen und akzeptieren.

„Bei Metafragen rund um Geschlechtlichkeit sind reine Jungengruppen hilfreich - das Verhalten und die Reflexionen ändern sich, wenn Jungen unter sich sind“, sagt Kries. Und weil das Programm so gut läuft, wird es nun um das sexualpädagogische Angebot „Let’s talk about sex“ erweitert. „Jungen finden das interessant und Sexualität und Pornografie sind ja auch omnipräsent. Bei der Auseinandersetzung damit werden sie aber meist alleine gelassen - es fehlen Ansprechpartner.“

Mit dem Wohnangebot, das sich an Männer, teils auch mit Kindern, in akuten Krisen richtet, möchte infoMann den Gewaltkreis durchbrechen und häuslicher Gewalt vorbeugen. Die fünf Betten sind quasi permanent belegt - wer dort aufgenommen werden will, muss volljährig sein, einen Mietbeitrag leisten und einen obligatorischen Vertrag unterschreiben. „Darin sind die gemeinsam erarbeiteten Ziele und die Schritte festgelegt, die der Kunde unternehmen muss“, erklärte die Sozialarbeiterin Gwen Tanson. Zusammen mit dem Kunden werden seine Probleme aufgearbeitet und Zukunftsperspektiven entwickelt.