LUXEMBURG
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Coronavirus: Nun 22 Todesfälle und 1.988 Infizierte - Gesundheitssystem wird umgekrempelt

Am Montagnachmittag war leider ein weiterer Todesfall durch den Coronavirus zu beklagen. 22 Menschen sind ihm bislang erlegen, wie Gesundheitsministerin Paulette Lenert bei einer Pressekonferenz ankündigen musste. Übers Wochenende war die traurige Statistik um weitere sechs Fälle angewachsen. Die Zahl der Infizierten ist im Vergleich zum Sonntag um 38 auf 1.988 gestiegen. Weit weniger als unter der Woche, das hat aber auch damit zu tun, dass weniger Tests übers Wochenende durchgeführt werden. Bis Montagnachmittag wurden übrigens insgesamt 16.199 Covid-19-Tests durchgeführt.

202 Personen wurden mittlerweile wegen Beschwerden durch das Virus ins Krankenhaus eingeliefert. 31 müssen intensiv betreut werden. Die gute Nachricht: bislang konnten 80 Patienten die Kliniken verlassen.

Von den 22 Verstorbenen durch Covid-19 sind elf in Krankenhäusern und zehn in Alters- und Pflegeheimen verschieden. Wie Paulette Lenert erklärte, sind die Sicherheits - und Hygienemaßnahmen im Pflegesektor verschärft worden.

Schärfere Regeln im Pflegesektor

Mitarbeitern, die Covid-19- Symptome haben ist es fortan verboten, zur Arbeit zu gehen. Auch Mitarbeiter, die keine Symptome haben, aber positiv getestet wurden, müssen ihrem Arbeitgeber das melden. Der muss das dann wiederum der „Direction de la Santé“ mitteilen.

Die gleichen Pflichten gelten für die Pflege zu Hause, bestätigte Lenert auf „Journal“-Nachfrage. Auch meinte sie, dass die Angestellten in diesen Diensten mittlerweile medizinisches Material zur Verfügung gestellt bekommen haben müssten, um ihre Kunden und sich selbst vor dem Virus zu schützen.

Stimmen aus dem Sektor hatten in letzter Zeit über mangelnde Ausrüstung geklagt. Es sei jedenfalls „massiv“ entsprechendes Material verteilt worden, so die Gesundheitsministerin, die Betroffene aufforderte, sich im Ministerium zu melden, wenn das nicht der Fall sei. In den Alters- und Pflegeheimen wird fortan die Anwesenheit von Ärzten rund um die Uhr gewährleistet. Sie kümmern sich um die Covid-19-Patienten, aber auch um die anderen Bewohner dieser Strukturen, die Erfahrung damit hätten, mit Infektionen umzugehen, unterstrich Paulette Lenert.

Dass der Kampf gegen Covid-19 eine tiefgreifende Reorganisation des Gesundheitssystems erfordert, ist spätestens seit Beginn der Krise klar. Es gilt dafür zu sorgen, dass Patienten möglichst direkt dorthin kommen, wo sie Hilfe bekommen und so auch die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten. Schnell war man deshalb etwa von den „Maisons Médicales“ auf die sogenannten „Centres de Soins Avancés“ an vier zentralen Stellen (LuxExpo, Belval, Ettelbrück und Grevenmacher, jeden Tag zwischen 8.00 und 20.00 geöffnet) umgestiegen. „Collège médical“ und Ärzte- und Zahnärztevereinigung AMMD hatten eine Reorganisation der ärztlichen Dienste durchgeführt und etwa drei Anlaufstellen für zahnmedizinische Notfälle (8002-8080). Letzte Woche startete die Gesundheitskasse die Telemedizin-Plattform eConsult, um die physischen Kontakte zwischen Ärzten und Patienten noch weiter zu verringern. Allerdings werden auch weiterhin Hausbesuche durchgeführt werden können, wobei sich separate Teams um Covid-19-Patienten kümmern und Patienten mit anderen Gesundheitsproblemen.

„Lignes de garde“

Auf Nachfrage bei der Gesundheitskasse haben sich bislang 333 Ärzte und 2.179 Patienten auf der Plattform eingeschrieben. 926 Termine seien so organisiert worden. Dass das eilig aufgestellt System noch einige „Kinderkrankheiten“ habe, kommt für AMMD-Präsident Dr. Alain Schmit nicht überraschend. Er leitet fortan die nationale Koordinationsstelle für die medizinische Versorgung im Land. „Wir übernehmen unsere Verantwortung“, sagte Schmit, der den Bedarf für eine „Krisenmedizin“ sieht. Für den optimalen Einsatz der medizinischen Ressourcen in diesem Szenario werden die Ärzte gebeten, sich bis Dienstag 12.00 in verschiedene sogenannte „lignes de garde“ einzutragen.

Es sind fünf verschiedene Gruppen: die erste ist zuständig für die „Centres de soins avancés“ und Hausbesuche bei Covid-19-Patienten. Eine weitere gewährleistet die Telekonsultationen und Hausbesuche bei Nicht-Covid-19-Patienten. Dann gibt es eine „ligne de garde“ für Alters- und Pflegeheime, eine für Fachärzte zur Telekonsultation und eine für Zahnärzte.

Diese Umorganisation bringt mit sich, dass fortan nicht immer gewährleistet sei, dass Patienten von ihrem Hausarzt betreut werden, wie Paulette Lenert warnte, die noch einmal eindringlich an die Bürger appellierte, sich an die Weisungen zu halten, um die Verbreitung des Covid-19-Virus so gering wie möglich zu halten.

Von Dr. Alain Schmit kam der Appell an die Bürger, sich unbedingt zu melden, wenn sie ein gesundheitliches Problem haben. „Es darf nicht sein, dass Patienten eine wichtige Konsultation nicht machen und dadurch Schaden davon tragen“, sagte der AMMD-Präsident und versicherte, dass die Ärzteschaft ihre Mission „mit kaltem Kopf, ruhiger Hand aber mit warmem Herzen“ erfüllen werde.