LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

„Stage“ in der Grundschule: auf ein Jahr verkürzt und weniger Evaluierung - Oppositionsparteien prangern den Umgang der Regierung mit dem Parlament an

Die vom Bildungsministerium in Übereinkunft mit den Lehrergewerkschaften in Aussicht gestellten Anpassungen am Referendariat für angehende Lehrer stößt bei den im Parlament vertretenen Parteien größtenteils auf Zustimmung. Demnach soll der „Stage“ in der Grundschule auf ein Jahr und in der Sekundarschule auf zwei Jahre reduziert werden, an das sich dann jeweils ein „Vertiefungsjahr“ mit individuell angepassten Weiterbildungen anschließen soll. Im „Fondamental“ sollen ebenfalls das „Mémoire“ und - mit Ausnahme der Prüfung der Kenntnisse über die Gesetzgebung - die bewertenden Examen abgeschafft werden. Auch im „Secondaire“ soll das Gleichgewicht von „formativen“ und „zertifikativen“ - also Bewertungen mit Benotungen - neu in noch ausstehenden Gesprächen mit Gewerkschaften und Referendaren ausgehandelt werden.

Von der Form her wurde gestern aus den Reihen der Opposition allerdings harsche Kritik an der Vorgehensweise von Bildungsminister Claude Meisch (DP) laut. Vor mehr als einem Monat hatten „déi Lénk“ eine Aktualitätsstunde zum „Stage“ in der Grundschule beantragt. Dass Meisch am späten Mittwochabend über den Kurznachrichtendienst Twitter den Durchbruch verkündete und die Anpassungen im Vorfeld der Debatte von den Medien aufgegriffen wurden, sorgte beim „déi Lénk“-Abgeordneten David Wagner für Entrüstung. „Das ist keine Art und Weise, mit dem Parlament umzugehen“. Die CSV-Fraktionschefin Martine Hansen äußerte sich ähnlich: „Man hat mir beigebracht, sich nicht über die Deputierten lustig zu machen“. Die Öffentlichkeit vor dem Parlament zu informieren rief ebenfalls die Kritik der Abgeordneten von adr und Piraten, Fernand Kartheiser und Sven Clement hervor. Der DP-Abgeordnete Gilles Baum hielt dem entgegen, dass man dem Minister doch nicht vorwerfen könne, in der Zwischenzeit in Konzertierung mit den betroffenen Akteuren nicht weiter nach einer Lösung gesucht zu haben.

Das angesprochene Regierungsmitglied selbst zeigte sich im Anschluss an die Debatte versöhnlich und bezeichnete die - so die Bezeichnung Wagner zuvor - „Aktualitätsstunde, die keine ist“ als gewinnbringend, könne er doch so weitere Antworten liefern. Die Einigung trage der Sonderstellung des Schulwesens beim Staat Rechnung. Grundschullehrer werden dazu ausgebildet, um Unterricht halten zu können. Ein einjähriges Referendariat sei deshalb ausreichend. Anders verhalte es sich im Sekundarschulwesen, wo didaktische Elemente nicht unbedingt Teil eines fachspezifischen Masterstudiengangs sind. Deshalb soll der „Stage“ hier zwei Jahre betragen. Angesichts der Tatsache, dass es im „Secondaire“ heute mehr Lehrbeauftragte als Beamte gebe, soll das Praktikum zudem für beide „identisch“ werden.