LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Aus Werteunterricht wird „Vie et Société“ - Vorstellung des Rahmendokuments am Montag

Die Gerüchte um das neue einheitliche Fach, das den Religions- sowie den Moral- und Sozialunterricht ersetzen soll, reißen nicht ab. Mittlerweile ist eine regelrechte Polemik um das Thema entbrannt. Noch bevor das Programm überhaupt ausgearbeitet ist, wird bereits ordentlich dagegen gewettert. Rita Jeanty, ehemalige Philosophielehrerin und unter Mady Delvaux an der Ausarbeitung des aktuellen Moralunterrichts beteiligt, hatte sich in einem Leserbrief über die Ausrichtung des neuen Fachs („ein subtil ausgebauter Religionsunterricht mit Akzent auf dem Christentum“) beklagt. Bereits damals sei an einem einheitlichen Ethikkurs gearbeitet worden, stellte sie fest, der Vorarbeit werde nun aber keine Beachtung geschenkt.

Externer Experte als Leiterder Arbeitsgruppe

Als nun bekannt wurde, dass mit Jürgen Oelkes ein externer Bildungsexperte, der maßgeblich an der Ausarbeitung des Schweizer Fachs „Religion und Kultur“ beteiligt war, als Leiter der Arbeitsgruppe mit an Bord genommen wird, wurde noch wilder spekuliert. Ruhe wird voraussichtlich am Montag einkehren, dann wird nämlich das Rahmendokument des neuen Fachs, das nicht länger Werteunterricht heißt, sondern unter dem Namen „Vie et Société“ laufen wird, vorgestellt.

Bildungsminister Claude Meisch kam gestern in einem Interview auf RTL Radio nicht umhin, seinem Erstaunen über die momentanen Gerüchte Ausdruck zu verleihen. „Weder Rita Jeanty noch sonstige Kritiker kennen das Programm. Davon abgesehen wird es ja erst in den kommenden Monaten ausgearbeitet. Nächste Woche wird der Rahmentext, in dem die Ansprüche an das Fach und seine Richtung definiert werden, vorgestellt“, bemerkte Meisch und stellte klar, dass man sich weder für ein Modell aus dem Quebec noch für eines aus der Schweiz entschieden habe.

Entwicklung eines Luxemburger Modells

„Wir wollen ein Luxemburger Modell, das den Bedürfnissen unserer Kinder in einer multireligiösen und multikulturellen Situation Rechnung trägt. Wir müssen uns auch Gedanken darüber machen, was die Schule tun kann, um Kulturen zusammenzuführen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Wenn man sich gegenseitig verstehen will, muss man sich auch kennen, deshalb müssen auch die Religionen eine Rolle spielen“, erklärte Meisch.

„Es mag sein, dass Frau Jeanty vor ein paar Jahren im Auftrag meiner Vorgängerin ein ähnliches Programm ausgearbeitet hat. Wir haben aber eine andere Vorgehensweise gewählt, die der Mitbestimmung. Deshalb können wir kein Programm nehmen, das vor einer Reihe von Jahren unter anderen politischen Ansprüchen und hinter verschlossenen Türen erstellt wurde“, bemerkte der zuständige Minister. „Dass Jürgen Oelkes die Leitung der Arbeitsgruppe übernimmt, bedeutet nicht, dass wir das Schweizer Modell gekauft haben, nein, wir haben das Know-how gekauft. Angesichts der momentanen Polemik, wird deutlich, dass es notwendig ist, Experten von außerhalb herzuholen, die mit einer gewissen Ruhe und aus einer gewissen Distanz, jedoch auf Basis von Argumenten, an das Ganze herangehen“, sagte Meisch.

Sachverstand nutzen

Oelkers seinerseits präzisierte auf Radio 100,7, dass er den Prozess begleiten werde, es jedoch keinesfalls darauf hinauslaufe, „das Gleiche zu machen, wie wir es in der Schweiz gemacht haben“. „Es geht im Wesentlichen darum, die Expertise zu nutzen, wie man ein neues Schulfach ausarbeitet und wie man es zum Erfolg führt. Da haben wir einige Erfahrungen“, bemerkte Oelkers, „Ich habe von der Befürchtung gehört, dass die Gewichtung zu sehr in Richtung Religionen gehen soll. Das finde ich unbegründet. Wir haben nicht den Auftrag, das Fach ,Religion und Kultur‘ nach Luxemburg zu verpflanzen. Religion ist wohl Teil des neuen Fachs, wie gewichtet das sein wird, muss die Kommission festlegen“, sagte er. „Verhärtete Fronten sind dazu da, dass man sie auflöst und versucht, neue Lösungen zu finden. Ich bin zuversichtlich“, betonte der Bildungsexperte.