HOLLYWOOD
AP

Bei der Oscar-Gala wurde der falsche Gewinner verkündet

Es war wohl einer der peinlichsten Momente in der Oscar-Historie, im Fernsehen, in der Unterhaltungsbrache - wenn nicht gar in der amerikanischen Geschichte. Und irgendwie geriet Warren Beatty, eigentlich einer der coolsten Männer in Hollywood, ins Zentrum des Durcheinanders.

Die Produzenten von „La La Land“ waren fast mit ihren Dankesreden für den Oscar für den besten Film am Ende, jeden Moment würde der Abspann der Ausstrahlung kommen, als auf einmal Gemurmel auf der Bühne ausbricht. Augenblicke später kehrt „La La Land“-Produzent Jordan Horowitz ans Mikrofon zurück und erklärt: „Moonlight hat den besten Film gewonnen.“ Er beharrt darauf: „Das ist kein Witz.“

Die kollektive Kinnlade des Publikums im Dolby Theatre - und die von ganz Amerika und dem Rest der Welt - bleibt auch heruntergeklappt, als klar ist, dass es tatsächlich kein Witz war. Vielmehr sprechen Kenner der Geschichte der Filmakademie von einer wohl beispiellosen Oscar-Panne.

Am Morgen darauf meldet sich zerknirscht die Rechnungsprüfungsfirma Price Waterhouse Coopers zu Wort, die beim Oscar-Votum die Stimmen zählt und die Umschläge mit den Gewinnernamen bereitstellt. Beatty und seine Bühnenbegleitung Faye Dunaway hätten das falsche Kouvert zugesteckt bekommen.

„Wir entschuldigen uns vielmals bei „Moonlight“, „La La Land“, Warren Beatty, Faye Dunaway und den Oscar-Zuschauern für den Fehler, der während der Preisverkündung für den besten Film gemacht wurde“, teilte der Konzern mit. Als die Panne bemerkt worden sei, habe man das sofort richtiggestellt. „Derzeit untersuchen wir, wie das passiert sein könnte, und bedauern zutiefst, dass es dazu kam.“

Doch zurück zum chaotischen Galaende mit Beatty in der Hauptrolle. Nach seinem Malheur ging er nochmals ans Mikrofon, um sich zu erklären. Er habe den falschen Umschlag geöffnet und dann gestutzt, weil da „Emma Stone, La La Land“ gestanden habe, berichtete der Schauspieler. Er zeigte den Umschlag dann kurz Dunaway und wirkte dabei so, als ob er sie dazu bringen wollte, den Inhalt zu verlesen. Das tat sie dann auch - offenbar in der Annahme, dass Emma Stone falsch und der „La La“-Teil richtig sei.

Der Sender ABC News meldete später in einem Tweet über seine Ausstrahlung der Gala, dass auf dem von Beatty gehaltenen Umschlag „Schauspielerin in einer Hauptrolle“ zu lesen gewesen sei. Eine Nahaufnahme bestätigte das.

„Das ist eines der merkwürdigsten Dinge, die mir je passiert sind“, sagte Beatty danach im Backstage-Bereich. „Gott sei Dank waren wir zu zweit da draußen“, antwortete Dunaway. Die Schauspielerin fragte Beatty dann: „Wem soll ich sonst davon erzählen?“ „Jedem“, entgegnete er.

Als Vertreter von Price Waterhouse Coopers den Fehler bemerkten, seien sie zur Bühne gerannt, um das Ganze noch zu retten, sagten die Verantwortlichen der Nachrichtenagentur AP. Doch war es da schon zu spät.

Das Ergebnis war eine bizarre Szene: Die gesamten Filmcrews von „La La Land“ und „Moonlight“ standen gemeinsam auf der Bühne, tauschten mitleidige oder peinlich berührte Blicke aus und herzten einander.

Das benommene Publikum muss sich einen Ruck geben, um „Moonlight“ den dem Königspreis angemessenen Respekt zu zollen. Und als der Abspann läuft, der nach einem langen Abend normalerweise mit Erleichterung aufgenommen wird, scheint es, als ob die Leute nicht gehen wollen.

„Das Ganze machte ein ganz besonderees Gefühl noch viel besonderer, aber nicht auf die Weise, in der ich es erwartet hatte“, sagte der mitgenommene „Moonlight“-Regisseur und Co-Drehbuchautor Barry Jenkins hinter den Kulissen. „Die Leute von ’La La Land‘ waren so nett“, fügte er hinzu. „Ich kann mir nicht vorstellen, in ihrer Lage zu sein und das tun zu müssen.“

Filmemacher Kenneth Lonergan, der für „Manchester by the Sea“ den Regie-Oscar bekam, war im Backstage-Bereich zu Scherzen aufgelegt. „Es hat sich herausgestellt, dass tatsächlich wir den besten Film gewonnen haben, worüber wir sehr glücklich sind.“

89. Oscar-Verleihung

Die Gewinner

- Bester Film: „Moonlight“ (Regie: Barry Jenkins)
- Regie: Damien Chazelle für „La La Land“
- Hauptdarsteller: Casey Affleck für „Manchester by the Sea“
- Hauptdarstellerin: Emma Stone für „La La Land“
- Nebendarstellerin: Viola Davis für „Fences“
- Nebendarsteller: Mahershala Ali für „Moonlight“
- Nicht-englischsprachiger Film: „The Salesman“ (Regie: Asghar Farhadi, Iran)
- Kamera: Linus Sandgren für „La La Land“
- Original-Drehbuch: Kenneth Lonergan für „Manchester by the Sea“
- Adaptiertes Drehbuch: Barry Jenkins für „Moonlight“ nach einer Geschichte von Tarell Alvin McCraney
- Schnitt: John Gilbert für „Hacksaw Ridge“
- Filmmusik: „La La Land“ von Justin Hurwitz
- Filmsong: „City of Stars“ aus dem Film „La La Land“ von Justin Hurwitz, Benj Pasek und Justin Paul
- Produktionsdesign: David Wasco und Sandy Reynolds-Wasco für „La La Land“
- Tonschnitt: Sylvain Bellemare für „Arrival“
- Tonmischung: Kevin O’Connell, Andy Wright, Robert Mackenzie und Peter Grace für „Hacksaw Ridge“
- Spezialeffekte: Robert Legato, Adam Valdez, Andrew R. Jones und Dan Lemmon für „The Jungle Book“
- Animationsfilm: „Zoomania“ von Byron Howard, Rich Moore und Clark Spencer
- Animations-Kurzfilm: „Piper“ von Alan Barillaro und Marc Sondheimer
- Dokumentarfilm: „O.J.: Made in America“ von Ezra Edelman und Caroline Waterlow
- Dokumentar-Kurzfilm: „The White Helmets“ von Orlando von Einsiedel und Joanna Natasegara
- Make-up/Frisur: Alessandro Bertolazzi, Giorgio Gregorini und Christopher Nelson für „Suicide Squad“
- Kostümdesign: Colleen Atwood für „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“
- Kurzfilm: „Sing“ von Kristof Deák und Anna Udvardy
(AP)