LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Radsportlerin Christine Majerus über ihren Titel „Sportlerin des Jahres“

Als erste Radsportlerin überhaupt wurde Christine Majerus vergangene Woche mit dem begehrten Titel „Sportlerin des Jahres“ ausgezeichnet. Nominiert war die 26-Jährige bereits in den Jahren 2011 und 2012. In diesem Jahr verwies sie Tennisspielerin Mandy Minella klar auf Platz zwei.

Waren Sie überrascht, als Ihr Name am Donnerstagabend fiel oder eher erleichtert?

Christine Majerus Ich war tatsächlich erleichtert. In den vergangenen Jahren war es mir nicht möglich, auch nur annähernd an die Mitnominierten ranzukommen. Diesmal waren meine Resultate entsprechend gut, so dass es schließlich geklappt hat. Natürlich war die Entscheidung trotzdem schwer vorhersehbar.

Was bedeutet Ihnen dieser Titel?

Majerus Ich sehe den Titel als Anerkennung meiner Leistungen. Seit Jahren kämpfe ich dafür, dass der Damenradsport mehr Anerkennung bekommt, besonders auch in den Medien. Die Entscheidung, die am Donnerstag gefallen ist, zeigt mir nun, dass meine Resultate gewürdigt werden.

Es hat Sie also schon etwas geärgert, dass fast nur von den Männern im Radrennsport geredet wird?

Majerus Geärgert nicht unbedingt, aber es ist schon etwas frustrierend, wenn man als Sportler gute Leistungen bringt und dann doch immer etwas im Schatten anderer steht. Trotzdem darf man nicht zu sehr darauf achten, schließlich übt man den Sport ja des Sportes wegen aus und nicht, weil nachher etwas darüber in den Zeitungen steht. Natürlich ist das immer eine zusätzliche Motivation.

Was waren ansonsten Ihre sportlichen Höhepunkte?

Majerus Da gibt es mehrere, zum Beispiel mein Sieg beim Sparkassen-Giro in Bochum. Juli war überhaupt ein guter Monat , weil ich auch noch das Bergtrikot bei der Internationalen Thüringen-Rundfahrt holen konnte. Über meine drei Goldmedaillen bei den Spielen der Kleinen Staaten (Einzelzeitfahren, Straßenrennen und Mountainbike, Anm. der Red.) habe ich mich natürlich auch sehr gefreut. Bei der Militär-WM und bei der „Tour des Flandres“ habe ich mich ebenfalls gut geschlagen. Ich bin durchweg zufrieden. Eigentlich war die ganze Saison ein Highlight.

Blicken wir etwas weiter zurück: Wie sind Sie überhaupt zu dem Radsport gekommen?

Majerus Es war eigentlich nicht meine erste Wahl. Ich habe mit Tennis und Leichtathletik angefangen, hatte aber leider großes Verletzungspech. Da mein Bruder damals Radrennen fuhr, bin ich zwischendurch dann auch immer mal wieder aufs Rad gestiegen, um trotzdem in Form zu bleiben. Irgendwann habe ich an einer Meisterschaft teilgenommen, bei der dann verschiedene Leute auf mich aufmerksam wurden. So war der Grundstein gelegt.

Wann wurde das Ganze professioneller?

Majerus Das hat etwas gedauert. Zuerst habe ich mein Studium beendet. Während der Studienzeit war es auch kein Problem, beides zu kombinieren. Nach den Olympischen Spielen hatte ich auch meinen Master in der Tasche und stand vor der Entscheidung: Entweder einen Arbeitsplatz suchen, dafür aber dann nicht mehr auf dem gewohnten Niveau Radrennen fahren, oder die Möglichkeit nutzen, Sportsoldatin zu werden und damit gleichzeitig Profisportlerin. Ab diesem Zeitpunkt drehte sich dann alles ums Rad. Ich versuche natürlich ein Gleichgewicht reinzubringen. Den ganzen Tag nur ans Radfahren zu denken, ist auch kontraproduktiv. Ich kann mich nun aber vollkommen auf den Sport konzentrieren, muss keine Kurse mehr besuchen und habe nicht mehr rechts und links noch andere Verpflichtungen. Bei der Armee habe ich zugleich auch eine finanzielle Sicherheit, muss mir also in dieser Hinsicht keine Gedanken machen.

Was bedeutet der Sport an Zeitaufwand?

Majerus Im Winter habe ich pro Woche einen Ruhetag. 15 bis 22 Stunden verbringe ich dennoch wöchentlich auf dem Rad, hinzukommen Physio und Dehnungsübungen. In diesem Jahr bin ich auf 52 Renntage gekommen. Natürlich reist man immer schon einen Tag vorher an, was also bedeutet, dass ich oft von zuhause weg bin. Das Reisen gehört dazu und das gefällt mir auch besonders.

Kommende Saison steht der Wechsel zum niederländischen Rennstall Boels-Dolmans an, wie kam es dazu?

Majerus Bereits vor einiger Zeit wurde ich von den Verantwortlichen angesprochen, was sehr positiv ist, weil es eher umgekehrt ist, dass also der Radrennfahrer bei der Mannschaft anfragt. Wenn man von den Teams ein seriöses Angebot bekommt, bedeutet das natürlich eine besondere Würdigung der Leistungen. Der niederländische Rennstall hat ein ehrgeiziges Ziel und hat es geschafft, ein gutes Team zusammenzustellen. Zudem bietet er eine gut strukturierte Betreuung und Top-Material. Der Wille ist da, in den Frauenradsport zu investieren.

Was steht als nächstes an?

Majerus Jetzt geht’s erst Mal mit der neuen Mannschaft ins Trainingslager. Das ist wichtig, um die anderen besser kennen zu lernen. Dann habe ich noch vier Weltpokale im
Cyclocross auf dem Programm, bevor dann Weltmeisterschaft in Hoogerheide in den Niederlanden ansteht. Da mache ich mir aber nicht zu viel Stress, entweder ich fahre gut oder nicht. An Cyclocross-Rennen nehme ich teil, um im Rhythmus zu bleiben und etwas Abwechslung zu haben. Es ist ein sehr gutes alternatives Training. Die Straßensaison beginnt dann im Februar. Natürlich muss ich versuchen, meine Zielsetzungen mit denen der Mannschaft in Einklang zu bringen.