Nachdem die Sauregurkenzeit im vergangenen Jahr wegen den vorgezogenen Legislativwahlen eher süßlich ausgefallen war, ist sie in diesem Sommer wieder richtig sauer, dürften sich im Moment doch nur noch einige wenige Unentwegte im Großherzogtum aufhalten. Das gilt besonders für die Politik, die im August mehr oder weniger inexistent ist, lassen sich die Politiker doch gemeinhin erst zur Eröffnung der Schobermesse wieder im Ländchen blicken, um sich hier beim Bändchendurchschneiden kurz auf das Foto zu drängeln, dann aber schnell wieder bis zur zweiten Septemberwoche von der Bildfläche zu verschwinden - natürlich nicht ohne hin und wieder das ein oder andere lustige Selfie in den sozialen Netzwerken zu posten.
Für Journalisten gehören die August-Wochen denn auch - zumindest beruflich gesehen - zu den verhasstesten Wochen überhaupt, müssen sich die Medien, ob Funk, Fernsehen oder Zeitungen, doch auch im tiefsten Sommerloch tagtäglich irgendwelche Themen aus den Fingern saugen, da die in diesen Tagen so beliebten Pfadfindercamp-, Mettwurstgrillwettbewerbs- oder Kronkorkensammlerreportagen, für die normalerweise die Praktikanten eingespannt werden, doch leider nicht die ganze Sendezeit oder Seiten füllen.
Die geschriebenen Medien greifen in dieser ereignisarmen Zeit dann auch gerne auf Hintergrundberichte, für die im normalen Betrieb kein Platz ist, zurück, wie auch auf allerlei Fortsetzungsserien. So gibt das „Wort“ seiner Leserschaft auch in diesem Sommer wieder Einblick in die Schaltzentralen der politischen Macht, will heißen auf die Schreibtische der Regierungsmitglieder. Hinweise auf die jeweiligen Charakter finden sich auch diesmal zuhauf, sehen die (bis jetzt gezeigten) gambischen Pulte doch alle wie geleckt aus, was darauf schließen lässt, dass der Großteil der Arbeit entweder schon erledigt ist, oder aber die Minister und Ministerinnen und ihre Staatssekretäre sogar im Urlaub Dokumente wälzen.
Manchmal tauchen im Sommerloch aber auch altgediente Politiker oder sonstige Persönlichkeiten aus der Versenkung auf , wo sie dann unter der Rubrik „Was macht eigentlich?“ für einige Stunden ihre Auferstehung feiern dürfen. So geschehen am Donnerstag in der Erzbistumszeitung, wo der langjährige LCGB-Chef und kurzzeitige CSV-Politiker Robert Weber aufzeigt, dass die Zeit doch nicht alle Wunden heilt. Weber ist nämlich immer noch auf Arbeitsminister Nicolas Schmit (LSAP) wütend, der ihn 2012 im Zusammenhang mit der Beschäftigungsinitiative ProActif angeblich erpresst hatte, indem er Weber gesagt habe, „wenn du nicht zurücktrittst, dann streiche ich den Kredit von ProActif“. Weber schließt nicht aus, nun sogar Klage gegen Schmit einzureichen.
Der Arbeitsminister soll seinerseits (schon seit längerem) keine allzu große Lust mehr haben, seinen Job in Luxemburg zu Ende zu führen, und am Luxemburger Botschafterposten bei den Vereinten Nationen interessiert sein, wenn Luxemburgs nicht-ständige Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat zum Jahresende vorbei ist. In diesem Fall würde Romain Schneider das Arbeitsministerium übernehmen, derweil Marc Angel als Kooperationsminister in die Regierung nachrücken würde...


