LUXEMBURG
RADU STATE, DR. HABIL. PROF. DER UNIVERSITÄT LUXEMBURG, SNT

Südkorea hat sie verboten, Frankreich will sie regulieren, die deutsche Bundesbank hält eine Regulierung nur für eine Frage der Zeit: Bitcoins, die Kryptowährung schlechthin, hat nach ihrem rasanten Aufstieg und Wertgewinn in den vergangenen Wochen fast die Hälfte ihres Werts eingebüßt. In den vergangenen Tagen befindet sie sich im freien Fall. Was lange Zeit als mögliche erste digitale Währung galt, scheint zunehmend in Probleme zu geraten. Warum Kryptowährungen nicht unbedingt ein Zukunftsmodell sind und welche besseren Alternativen bestehen, weiß Dr. habil Radu State, Abteilungsleiter des SEDAN Research Team an der Universität Luxemburg, SNT.

„Es ist nicht davon auszugehen, dass aus Kryptowährungen wie dem Bitcoin in naher Zukunft eine alltagstaugliche, digitale Währung werden kann. Sie haben zwar einen großen positiven Aspekt - durch die dahinter liegende Struktur der Blockchain und dem System des gegenseitigen Vertrauens werden die sonst üblichen Drittparteien zur Transaktion überflüssig gemacht. Sie haben auch einige der drei notwendigen Kriterien einer Währung: Sie repräsentieren und behalten einen Wert, sind liquid und können eine Investitionsmöglichkeit sein.

Es gibt aber auch weiterhin keine wirkliche Kontrolle der Identität des Handelspartners (‚Know your customer‘, KYC) und damit einher gehend auch keine wirkliche Lösung gegen Geldwäsche (‚Anti Money Laundering‘, AML). Beides müsste jedoch vorhanden sein, um die Kriterien einer echten Fiat-Währung zu erfüllen. Hinzu kommen viele weitere Probleme, etwa die Möglichkeit zum Umtausch in eine andere Währung: Menschen konnten theoretisch Bitcoinmillionär sein, konnten das Geld aber kaum real umsetzen. Immer höhere Transaktionskosten sind da auch nicht gerade ein Anreiz.

Daneben gibt es ein großes Manipulationsrisiko, da einige wenige große Mining-Pools den Großteil der verfügbaren ‚Coins‘ besitzen und generieren. Das hat also zumindest theoretisch das Potenzial zur Marktabsprache, in jedem Fall ist zumindest das Risiko für kleine Anleger unwesentlich größer als für große Händler, die auf Marktfluktuation schneller reagieren können.

Kleine Anleger könnten deshalb zwar durchaus Bitcoins als Anlage betrachten und nutzen, müssen dabei aber viel beachten: Der Exchange, bei dem die Kryptowährung gekauft wird, spielt eine große Rolle. Billige, wenig vertrauenswürdige Exchanges bieten zwar bessere Raten, haben aber ein größeres Risiko – unter anderem im Fall eines Cyberangriffs. Auch die Diversität des Portfolios ist wichtig; nur einen ‚Coin‘ zu kaufen, wäre töricht. Besonders Kryptowährungen mit speziellen Geschäftsmodellen wie ‚Ripple‘ (XRP) oder ‚Ethereum‘ wären einen Blick wert, da sie neben ihrem normalen Modell als Krypto-Coin zusätzlich eine Lösung für ein Problem bieten, das sich beispielsweise vielen Banken in den USA stellt, die ohne Zahlungsanweisungen nach dem SEPA-Prinzip auskommen müssen.

Ein wesentlich interessanteres Modell – auch für Anleger – sind die sogenannten ‚Initial Coin Offerings‘ (ICO), die ähnlich wie Wertpapiere funktionieren. Bei seiner Gründung kann ein Unternehmen Anteile als ‚Coin Offering‘ emittieren, die dann zum einen den realen Gegenwert zur Firma haben, andererseits aber eine Rendite oder ein Mitspracherecht als Teilhaber der Firma erlauben. Ein solches Modell könnte, die nötigen Regulationen und Gesetzgebungen (etwa zur Kontrolle der korrekten Gründung der Firma) vorausgesetzt, zu einem echten Zukunftsmodell werden, auch in Luxemburg. Denn an ICOs besteht großer Bedarf, und der Markt hat gewaltiges Potenzial, wie Firmenmodelle aus der Schweiz oder Singapur zeigen. Ein weiteres Beispiel für den erfolgsversprechenden Einsatz der hinter Kryptowährungen liegenden Blockchain-Technologie wäre das luxemburgische ‚Infrachain‘-Projekt, das auch eine Lösung für ein Problem vieler Firmen bietet und damit ein echtes Geschäftsmodell bietet. Hier sehe ich große Chancen für eine echte Investition – Cryptowährungen sind im Vergleich dazu pures Roulette.“