LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Römervilla von Vichten: Kulturministerin dementiert Radiobericht über angeblichen Druck auf den Denkmalschutzrat

Kultur und Wirtschaft stehen allzu oft im krassen Gegensatz zueinander. So scheinbar auch aktuell in Sachen Römervilla von Vichten. Oder ist es viel Lärm um nichts?

In Vichten war vor einigen Jahren beim Ausbau eines Bauernhofs eines der größten römischen Bodenmosaike in einem bemerkenswerten Erhaltungszustand gefunden worden.

In der Folge waren weite Teile des Areals unter Bodendenkmalschutz gestellt worden. Was für den Landwirt bedeutet, jeden Ausbauplan seines Betriebes durch die Denkmalschutzkommission und das Kulturministerium genehmigen zu lassen.

Mal geht es - im wirtschaftlichen Sinne - gut, mal sagt die Kulturkommission wegen der Gefährdung des Bodendenkmals, also der unterirdischen Reste der Römervilla, nein.

Ein Radiosender hatte verbreitet, dass sich die Denkmalschutzkommission, besser gesagt einzelne Mitglieder, durch die Ministerin unter Druck gesetzt fühlt, weil sie eine nochmalige Überprüfung eines negativen Bescheids der Kommission aus dem Jahr 2014 angeordnet habe.

Gestern Abend verbreitete das Kulturministerium eine Pressemitteilung, laut der einige Klarstellungen aufgrund des RTL-Radioberichtes notwendig seien.

Ein rein oberirdischer Ausbau

Laut Ministerin Nagel möchte der Landwirt seine Anlagen erweitern, unter anderem weil neue EU-Richtlinien neue Gülle-Tanks verlangen. Er habe dem Ministerium einen Plan vorgelegt der einen rein oberirdischen Bau vorsieht. Bei der Besprechung seien auch die staatlichen Archäologen und das Denkmalamt dabei gewesen. Der Landwirt habe zugesagt Rücksicht auf die archäologischen Spuren im Boden zu nehmen und nur oberirdisch zu bauen, um die Auswirkungen auf den geschützten Untergrund so gering wie möglich zu halten. Daraufhin habe die Ministerin die Kommission damit beauftragt, die Machbarkeit des Ausbaus zu prüfen. Genauso wie die frühere Regierung 2012, beim Antrag auf Bau eines Zufahrtsweges, eines neuen Stalls von 1.250 Quadratmetern und einer Reihe von Silos, vorgegangen sei. Die ersten beiden Baumaßnahmen seien unter Auflagen genehmigt worden.

Für den Ausbau des Stalles, der über dem östlichen Flügel der Römervilla steht, habe der archäologische Dienst in der Kommission vorgeschlagen, dass bei einer alternativen Planung die Störung des Bodendenkmals genauer analysiert werde.

Keinen Druck ausgeübt

Kulturministerin Nagel betont in der Pressemitteilung, dass sie - im Gegensatz zur Meldung von RTL - die Kommission nicht gebeten habe, ihr Gutachten von 2014 zu überprüfen. Man sei im Kulturministerium bemüht eine Lösung zu finden, die das Bodendenkmal von hohem Wert weitestgehend respektiert.