LUXEMBURG
LIZ MIKOS

„display.ed“ ließ Schüler in die Berufswelt der Kunst eintauchen

Gestern fand erstmalig die „display.ed“ Messe im „Casino Luxembourg - Forum d’Art Contemporain“ statt, die Schüler und angehende Kunststudenten zusammenbrachte, um ihnen die Diversität der künstlerischen Berufe vorzuführen. Die Wahl des Namens wurde von den Veranstaltern genauestens durchdacht. Das „ed“, das hinter dem Punkt steht, steht für „education“, und „display“ deutet auf die frühere „Galerie Beim Engel“ hin, die nun zum Bestand des Casino gehört und den Namen „display“ trägt. Ein Ort, an dem vor allem junge Künstler gefördert werden, unter denen vielleicht irgendwann einer der gestrigen Besucher sein wird. Die drei Organisatoren, die selbst ein Kunststudium absolviert haben, wollten Teenagern mit dieser Veranstaltung eine Möglichkeit bieten, die sie zur Zeit ihres Studienweges nicht in der Art hatten. „Für uns war es wichtig zu zeigen, dass Kunst mehr ist als nur Malen. Man kann es als ’Foire des métiers créatifs‘ bezeichnen, bei der es zwar auch um das klassische Kunststudium geht, aber vor allem die Diversität innerhalb des künstlerischen Bereichs hervorhebt“, erklärte Roland Herrmann.

Künstlerische Berufe zum Ausprobieren

Neben zahlreichen Informationsquellen, wie Ständen von Hochschulen, konnten die Besucher der Messe auch davon profitieren, selbst aktiv zu werden. Die verschiedenen Workshops, an denen die Schüler mit Begeisterung teilgenommen haben, wurden teils von den Hochschulen angeboten, andere wiederum wurden von Künstlern organisiert, die zu diesem Anlass eingeladen wurden. Wer von digitaler Fotografie fasziniert ist, konnte sich am späteren Nachmittag ab 16.00 von Boris Loder in diese Kunst einführen lassen und Tipps vom Profi erhalten. Für mehr Informationen zum Thema freiberufliches Arbeiten sorgte Julie Wagener, die speziell für „display.ed“ ein Design für einen hippen Jutebeutel entworfen hat. Ziel der Veranstaltung war es, das Thema Kunst sowie auch die Angebote so breit gefächert wie möglich zu halten, damit die Schüler einen realistischeren Einblick in die tatsächliche Vielfalt der kreativen Branche bekommen. Dennoch sorgte vor allem ein Workshop im ersten Stockwerk für besonders viel Begeisterung. Unter der Leitung von Olivier Pestiaux konnten jeweils acht Teilnehmer mit verbundenen Augen ihre Kreativität entfalten. „C’est la main qui réfléchit, on s’en fout du dessin“, heißt es während der Aktivität, bei der die Schüler blind Punkte auf einem Blatt verteilten - kreativer Ausdruck rein durch die Handbewegung.. Die, die nicht teilnehmen konnten beobachteten gebannt ihre Mitschüler beim kreativen Experiment. Doch die Messe richtete sich nicht nur an die Experimentierfreudigen, sondern auch an die, die schon konkrete Fragen oder Ziele haben. „Einige Hochschulen haben sich bereit erklärt schon einen Blick in die Portfolios der Schüler zu werfen, um ihnen hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben zu können“, verriet Claire Buchler. Außerdem ging es darum, einen ersten Kontakt mit den Hochschulen herzustellen und mehr über die Anforderungen bestimmter Studiengänge zu erfahren. So unterhielten sich beispielsweise Studenten der Hochschule Trier angeregt mit Jugendlichen, die sich für kreative Bildungswege interessierten. Was bei den Ständen auffiel, war die Kooperation zwischen all den Anwesenden. „Wir wollen mit dieser Veranstaltung auch zeigen, dass man alleine nicht mehr ganz weit kommt. Nimmt man beispielsweise einen Architekten, wird schnell klar, dass er wahrscheinlich einen Ingenieur, einen Grafiker und einen Designer hinzuziehen wird. All diese Berufe bilden am Ende eine Einheit, die man schaffen muss, um weiterzukommen“, erzählte Roland Herrmann.

Abstraktion sorgt für Begeisterung

Im ersten Stockwerk ging es etwas abstrakter zu. Vor allem die Soundanalage im großen Raum fand Anklang bei den Jugendlichen. Sie tobten sich aus, hielten ihre Handys vor die Mikrofone, sodass Lieder in Dauerschleife durch den Raum erklangen. Eigentlich sollte in Patrick Mullers Installation ein Interview mit Alvin Lucier zu hören sein. Das Prinzip der Anlage war es, langsam aber sicher nur noch die Akustik des Raums zu hören. „Das Werk wird abgespielt und aufgenommen, sodass die Akustik des Raums hinzukommt. Durch die stetige Wiederholung dieses Prozesses wird die Stimme Alvin Luciers immer verzerrter, bis sie gegen Ende hin ganz verschwindet und nur noch die Akustik des Raums übrig bleibt“, erzählte Christine Walentiny über eine der Hauptattraktionen des gestrigen Tages. Gestern Nachmittag wurden somit die hunderten Schüler, die sich im Raum zusammengefunden haben zur Akustik des Saals. Dazu gehörte auch die 16-jährige Linda, die sich besonders viel Zeit genommen hat, um die Installation auf sich
wirken zu lassen: „Ich finde vor allem das Abstrakte richtig cool, aber tatsächlich fragen sich viele meiner Mitschüler eher, was das hier eigentlich ist. Hier
wird ja quasi die ganze Geschichte eines Performers erzählt, deshalb nehme ich
mir auch die Zeit die ganzen Zettel an der Wand durchzulesen.“

Keine einmalige Sache

Nach dem großen Erfolg der ersten Auflage, wird auch schon von einer weiteren Edition von „display.ed“ gesprochen. Nicht nur die Begeisterung der jungen Teilnehmer, sondern auch der Andrang - gegen 14.00 zählten die Veranstalter bereits über 400 Besucher - zeigte, dass in diesem Bereich Informationsbedarf herrscht. Weitere Hochschulen haben wohl schon ihr Interesse mitgeteilt, bei einer nächsten Auflage dabei zu sein. In einem nächsten Schritt soll das Event anders und größer aufgezogen werden und höchstwahrscheinlich in Zusammenarbeit mit dem CEDIES und der Stadt Luxemburg stattfinden.