BANDUNG
SIMONE MOLITOR

Als westlicher Tourist unter einheimischen Ausflüglern im indonesischen Bandung

Bandung auf der Insel Java ist mit fast drei Millionen Einwohnern Indonesiens viertgrößte Stadt nach Jakarta, Surabaya und Medan. Die Reiseführer listen in der näheren Umgebung derart viele interessante Ausflugsziele auf - grandiose Wasserfälle, heiße Quellen, mächtige Vulkane - dass man als Tourist auf Indonesien-Rundreise meinen könnte, dieser Gegend unbedingt einen mehrtägigen Aufenthalt widmen zu müssen. Muss man aber nicht unbedingt, es sei denn, man will diese einmalige Erfahrung machen: Sich als Tourist aus dem Westen inmitten einer Schar einheimischer Touristen wiederfinden. Die Anforderungen, die indonesische Ausflügler an ein typisches Tourismus-Programm stellen, weichen doch sehr von unseren Erwartungen ab. Wir wollen das Authentische entdecken, sie hingegen möchten für ein paar Stunden in eine künstliche, vermeintlich heile Welt entfliehen, weg vom Lärm, weg von den Auspuffabgasen, weg vom Schmutz und der Armut.

„Floating Market“ oder indonesischer Märchenpark

Ein Besuch des stadtnahen „Floating Market“ verdeutlicht dies. Nachdem wir eine Schranke passieren und Eintritt zahlen müssen, dünkt uns so langsam, dass es sich kaum um einen traditionellen schwimmenden Markt handeln kann, sondern um eine reine Touristenattraktion. Sämtliche Befürchtungen werden im Innern - der „Floating Market“ ist eingebettet in eine Art asiatische Version des Bettemburger „Parc Merveilleux“ - aber noch einmal übertroffen. Authentisch ist hier gar nichts. Wir lachen viel, sie - die einheimischen Touristen - kommen voll auf ihre Kosten, fahren Tretboot, schauen sich Kaninchen an, steigen mit ihren Kindern auf Klettergerüste und haben bei allem sichtlich Spaß. Unser eigentliches Objekt der Begierde, nämlich der schwimmende Markt, entpuppt sich schließlich als Aneinanderreihung von Imbissbuden in Form von bunten Holzbooten. Nach einem raschen Rundgang und vielen neugierigen Blicken - auch wir sind eine Attraktion und werden pausenlos fotografiert - verlassen wir diese künstliche Welt wieder.

Touristenschar am Kraterrand

Unser nächstes Ziel heißt Tangkuban Perahu, der bekannteste Vulkan der Umgebung, aus dem immer noch schwefelhaltige Dämpfe und Rauschschwaden emporsteigen. Vorbei an Teeplantagen und Reisfeldern führt eine Straße bis zum Hauptkrater Kawah Ratu, der zu einem beliebten Touristenziel geworden ist. „Zu beliebt“, wie uns schnell klar wird. Wer am Kraterrand Ruhe erwartet, wird bitter enttäuscht. Ein Souvenirladen reiht sich an den nächsten. Der Duft einheimischer Kochkunst vermischt sich mit Schwefeldämpfen. Unzählige Souvenirverkäufer und Touristenführer warten bereits gierig auf die Ankömmlinge, die sofort belagert werden. Sie abzuwimmeln ist alles andere als leicht, dabei kann man die Umgebung auch gefahrlos auf eigene Faust erkunden. Wie uns scheint, ist dies aber nicht unbedingt im Sinne der lokalen Touristen, die sich stattdessen Rücken an Rücken am Geländer vor ihrer Nase drängen, um einen Blick in den Krater zu werfen. Ein Highlight - für sie, nicht für uns - ist auch ein kurzer Ritt auf einem der Pferde, deren Mähnen alle bunt gefärbt sind. Wir entfernen uns raschen Schrittes von der Touristenschar und finden schließlich etwas Ruhe inmitten der vulkanischen Einöde. Als wirkliches Erlebnis geht aber auch diese Stippvisite nicht in die Annalen der Geschichte unserer Indonesien-Rundreise ein.

Im Kaufrausch in den großen Shopping Malls

Nach diesem Tagesausflug, der übrigens eine kostspielige Angelegenheit und zudem nicht leicht zu organisieren war, beschließen wir keine weitere Tour für den nächsten Tag zu buchen, stattdessen verfallen wir in einen Kaufrausch. Bandung ist nämlich noch aus einem anderen Grund inzwischen zu einem beliebten Wochenendziel für die Bürger Jakartas geworden: Wegen seiner großen Shopping-Malls. Authentisch ist natürlich auch da nichts. Letzten Endes verlassen wir Bandung aber um einige skurrile Eindrücke reicher.