LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Minister Lydia Mutsch und Romain Schneider: Notaufnahmen kurz- und langfristig verbessern

Auch wenn die Wartezeiten in den Notaufnahmen im Vergleich zum Ausland „nicht katastrophal“ sind, will die Regierung die Notfallaufnahmen schon ab dem kommenden Jahr verbessern. Gesundheitsministerin Lydia Mutsch und Sozialversicherungsminister Romain Schneider (beide LSAP) haben gestern zentrale Schlussfolgerungen aus einer umfangreichen, rund 200.000 Euro teuren Doppelstudie vorgestellt, für die unter anderem 230 Personen interviewt wurden und die nicht weniger als 150 Empfehlungen enthält. Sie bildet die Datengrundlage, an der es bislang mangelte, um die Notaufnahmen der vier Krankenhäuser zu verbessern. Ministerin Mutsch betonte, dass „die Qualität der Behandlung nicht infrage gestellt wird“. Die Verbesserungen beinhalten unter anderem Triagestandards und Aufklärungskampagnen.

Aus der Studie geht hervor, dass die durchschnittliche Wartezeit von der Aufnahme des Patienten bis zu seiner Entlassung grob zwischen einer und vier Stunden liegt und damit weniger als im (nicht weiter spezifizierten) Ausland, wo der Durchschnitt bei vier Stunden liege. Ermittelt wurde dieser Durchschnittswert auf der Grundlage von 279.000 Patienten im vergangenen Jahr. 75 Prozent der Patienten werden zudem innerhalb von drei Stunden behandelt, die europäischen Referenzwerte liegen bei 80 Prozent. Doch die Wartezeiten sollen sich noch verbessern. „Ich will mich zusammen mit Minister Schneider dafür einsetzen, dass binnen der nächsten 24 Monate niemand mehr als zweieinhalb Stunden Wartezeit in Anspruch nehmen muss“. Damit sei die Dauer von der Aufnahme bis zur Entlassung des Patienten gemeint mit Ausnahmen von schweren Notfällen oder anschließenden Krankenhausaufenthalten.

312.000 Passagen in 2016

Insbesondere hoch ist indes der Rückgriff auf die „Urgences“ in Luxemburg. 312.000 Mal wurden die Notaufnahmen der vier Krankenhäuser des Landes im vergangenen Jahr in Anspruch genommen. Ein Zeichen des hohen Vertrauens einerseits, andererseits gehen Schätzungen davon aus, dass es sich bei 18,5 Prozent um Fälle handelt, „bei denen kein schwerwiegendes gesundheitliches Problem vorliegt“ - und die folgerichtig besser beim Hausarzt oder in der „Maison médicale“ aufgehoben wären. In diesem Sinne ist neben weiterer Aufklärung Anfang des kommenden Jahres eine App in Planung. Sie soll Aufschluss darüber geben, welche Hausärzte in der Umgebung auch noch nach 17.00 oder 18.00 Patienten annehmen. Die „Maisons médicales“ sollen aus diesem Grund auch nicht vor 20.00 öffnen, weil die Allgemeinmediziner, die dort antreten, häufig noch am frühen Abend Patienten in ihrer Praxis sitzen haben. Die „Maisons médicales“ hätten indes eine sehr große Akzeptanz gefunden, sagte Mutsch auf „Journal“-Nachfrage, was sich auch in der Nachfrage wiederspiegelt. Für sich genommen sind die „Maisons médicales“ allerdings kein probates Mittel, um die Notaufnahmen zu entlasten.

Den größten Andrang verzeichnen diese nämlich tagsüber. Auch die Förderung von Gemeinschaftspraxen nannte Mutsch als einen Lösungsansatz.

Ersteinschätzung nach zehn Minuten

In Zukunft sollen in den Notaufnahmen des Landes ebenfalls einheitliche Standards herrschen, so etwa beim „Triage“. Auch hier formulierte die Gesundheitsministerin ein Ziel. Schon 2018 sollen alle Patienten innerhalb von zehn Minuten nach der Aufnahme die Ersteinschätzung durchlaufen. Bisher sind es 62 Prozent. Auch Familien und Angehörige sollen vor Ort besser auf dem Laufenden gehalten werden. Die Digitalisierung soll in Zukunft mehr Gewicht bekommen, die Patienten außerdem eine Dokumentation über ihren Aufenthalt bekommen. Für ältere Patienten und Patienten mit psychischen Problemen soll es spezifische Behandlungsstationen geben. Auch die Einrichtung von so genannten „fast tracks“ für die Behandlung von minderschweren Fällen, was beim Bau des „Südspidols“ berücksichtigt wird, ist ein Element der Studie.

Romain Schneider erinnerte seinerseits daran, dass Regierung und CNS nicht auf diese Analyse gewartet hätten, um zu reagieren, insofern für die Jahre 2017 und 2018 zwei Millionen Euro mehr für die Einstellung von zusätzlichem Personal in den Notaufnahmen eingeplant wurden.

Anfang des kommenden Jahres sollen die Arbeiten mit allen betroffenen Akteuren anlaufen. „Unser Ziel ist es, schon 2018 zwei Drittel der Maßnahmen umzusetzen oder in Angriff zu nehmen“, sagte Mutsch. Voraussetzung dafür ist, dass „wir alle Partner im Boot behalten“.

Was 2018 alles kommen soll

- Das „Spidolsgesetz“ wird einen gesetzlichen Rahmen für die Notaufnahme schaffen und Verbesserungen mit sich bringen.

- Reduzierung der Wartezeiten binnen zwei Jahren auf maximal zweieinhalb Stunden

- Durch eine einheitliche „grille de triage“ sollen alle Patienten innerhalb von zehn Minuten die Ersteinschätzung durchlaufen.

- Eine Analyse mit der CNS, ob eine Steigerung der so genannten „lits-portes“ (eine Art Wartebett) die Situation verbessern kann

- Einführung von Instrumenten, damit Familie und Umfeld auf dem Laufenden gehalten und betreut werden

- Rolle des Hausarztes durch Förderung von Gruppenpraxen und eine App stärken

- Spezielle Behandlungswege für bestimmte Patientengruppen (u.a. „fast tracks“)

- Informationskampagne mit dem Ziel, Patienten dazu zu ermutigen, sich direkt an die richtige Instanz zu wenden