LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Rund drei Monate nach der Amtsübernahme berichtet Michèle Detaille, was ihr Mandat beim Industrieverband FEDIL ausmacht

Ende April übernahm Michèle Detaille die Präsidentschaft des Industrieverbandes FEDIL. Zeit, nach drei Monaten zu fragen, was die Unternehmerin und Chefin der Alipa-Gruppe vorhat mit dem über 100jährigen Verband.

Frau Detaille, Sie sind seit 2005 Mitglied des Verwaltungsrates und kennen die Arbeit der FEDIL. Gibt es etwas, was Sie in Ihrem Job überrascht hat?

Michèle Detaille Mich hat die Präsentation meiner Person verwundert. Es wurde immer wieder wiederholt, dass ich die erste Frau und noch dazu als Belgierin die erste Ausländerin auf diesem Posten bin. Ich habe diesen Posten nicht deswegen akzeptiert, sondern, weil ich die Tätigkeit interessant finde. Vielleicht ist es aber auch eine Möglichkeit, den Leuten Mut zu machen, die glauben, man muss Luxemburger sein, wenn man sich auf einer solchen Stelle einbringen will.

Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass so viele Leute mich sehen, mit mir sprechen oder mich in ihr Unternehmen einladen wollen. Manche verfolgen ein klares Ziel, andere nicht. Der Job als Präsidentin ist interessant, aber auch zeitintensiv. Die Bandbreite reicht von Empfängen über Firmenbesuche bis zu Arbeitsgruppen. Ich gebe den Mitarbeitern die Priorität, wenn es zeitlich eng wird.

Sie sind auch noch Chefin der Alipa-Gruppe. Wie viel Zeit brauchen Sie für das unbezahlte Ehrenamt als FEDIL-Präsidentin?

Detaille Im Schnitt einen Tag in der Woche. Im Moment ist es etwas mehr, weil ich am Beginn des Amtes stehe. Viele Sachen wurden nun bereits festgelegt.

Sie haben sich gerade mit Wirtschaftsminister Etienne Schneider getroffen. Worum ging es?

Detaille Bei der FEDIL gab es immer die Kultur des Resultats und dran wollen wir auch festhalten. Es geht also nicht nur um ein schönes Foto mit dem Minister, sondern um Ergebnisse. Ohne Details nennen zu wollen: Wir haben ihn gebeten, ob er bestimmte Mitgliedsunternehmen oder Mitglieder des Verwaltungsrates sehen kann. Da er immer sehr offen dafür ist, hat er zugesagt. Wir haben ihn auch damit konfrontiert, dass einige unserer Mitarbeiter gern Leute aus seinem Stab kennenlernen wollen. Auch da war er offen.

In Ihrem Verwaltungsrat sitzt jetzt auch Jean-Louis Schiltz als zweiter FEDIL-Vizepräsident, der Jurist und ehemaliger Minister ist. Warum haben Sie ihn ausgewählt?

Detaille Wir hatten seit meiner Amtsübernahme einige Wechsel, so sitzt jetzt auch Jean Muller, CEO von Moulins de Kleinbettingen, im Verwaltungsrat. Die Wahl von Schiltz erklärt sich einfach. Wir haben bei der FEDIL viele Mitglieder, die im Service-Bereich arbeiten wie die Big 4, große Kanzleien, oder Berater. Ein Kriterium, um Mitglied im Verwaltungsrat zu sein, ist, entweder in der Produktion oder im Dienstleistungsbereich aktiv zu sein. Bei der FEDIL ist Digitalisierung ein großes Thema. Wir wollten jemanden, der sich in diesem Gebiet gut auskennt. Herr Schiltz war Kommunikationsminister und für Digitales zuständig. Er kennt die ICT und hat juristische Kompetenzen. Die Tradition bei der FEDIL war immer, dass der Vizepräsident zum Präsidenten aufrückt. Doch Charles-Louis Ackermann, CEO von Accumalux und Vizepräsident der FEDIL, will das nicht. Daher wird es hier Änderungen geben. Das bedeutet nicht, dass Schiltz es wird. Aber wir wollten jemanden, der im Thema Digitalisierung fit ist und der die entsprechende Arbeitsgruppe leiten kann. Darüber hinaus ist es eine Besetzung, die Interessenkonflikte vermeidet.

Sie sind auf drei Jahre gewählt. Das ist nicht lang. Wollen Sie ein zweites Mandat?

Detaille Nein! Wir rekrutieren im Moment viele junge, gute Leute.

Ein großes Problem der Mitgliedsunternehmen sind Mitarbeiter. Tut sich da was - beispielsweise durch die HelloFuture-Initiative?

Detaille Das Problem der Mitarbeiter ist vielschichtig und hat auch mit dem Wunsch nach sinkender Arbeitszeit und mehr Freizeit zu tun. Die Gesetzgebung geht ja auch dahin. Das ist keine gute
Richtung. Was die HelloFuture-Roadshow angeht, so haben wir keine Messungen durchgeführt. Aber die jungen Leute schicken uns Anfragen für ein Praktikum oder wollen mit jemandem reden, der in der Schule war, um sich zu bewerben. Das bestätigen uns auch die Mitgliedsunternehmen. Die Initiative trägt also Früchte.

Bei der Handwerkskammer überlegt man sich, eigene Wohnungen für Mitarbeiter zu bauen. Wäre das eine Option für die FEDIL?

Detaille Viele Mitarbeiter bei den Big4 leben in einer Wohngemeinschaft - nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil ihnen das besser gefällt. Die Mentalitäten ändern sich. Wir haben Mitglieder, die über solche Probleme nachdenken. Doch dahinter stecken auch steuerliche Fragen. Diese Seite muss man auch berücksichtigen.

Sie sind jetzt drei Monate im Amt. Welche Akzente wollen Sie setzen?

Detaille Wir wollen die Mitgliedsunternehmen im Bereich Außenhandel unterstützen, weil der Export vor allem für kleine und mittlere Unternehmen sehr schwierig ist. Ich denke, mit einer effizienten Hilfe können wir hier die Lage verbessern. Die Handelskammer will ihr Angebot in dieser Hinsicht ebenfalls ausbauen. Wir wollen uns auf die Bereiche konzentrieren, in denen wir den Mitgliedern Mehrwert bringen können wie Arbeitsrecht, Umweltfragen, Commodo oder ICT. Und wir haben auch eine Arbeitsgruppe für 5G gegründet.