LUXEMBURG
DANI JUNG

Mit dem Ziel, kulturelle Projekte für Menschen mit Demenz ins Leben zu rufen und zu organisieren, hat die „MIL asbl“ vor kurzem ihre Tätigkeit aufgenommen. „MIL“ steht für „Momenter intensiv liewen“. Genau dazu will der gemeinnützige Verein innerhalb und außerhalb der Pflegestrukturen beitragen. Die Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben sollte Betroffenen nicht verwehrt sein, findet Präsidentin Dani Jung

„In Artikel 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen steht: ,Jeder Mensch hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben‘. Menschen mit Demenz sollten nicht ausgeschlossen werden, nur weil sie nicht mehr immer der Norm entsprechend ,funktionieren‘. Zu oft ist aber genau dies die Realität, deshalb sehen wir Handlungsbedarf.

Wir setzen uns einerseits dafür ein, dass mehr Projekte in den Pflegestrukturen angeboten werden. Musik kann beispielsweise einen positiven Einfluss auf die Stimmung sowie das Verhalten von Menschen mit Demenz haben und eine Abwechslung vom oft stressigen Pflegealltag für das ganze System bieten. Andererseits ist es uns ein großes Anliegen - außerhalb des ‚Mikrokosmos Pflegeheim‘ -, in Kulturhäusern sogenannte ‚relaxed performances‘ zu organisieren. Dies sind Vorstellungen, die an die Bedürfnisse der Betroffenen angepasst sind: Zum Beispiel werden die Darbietungen nachmittags statt abends stattfinden, Lautstärke und Licht werden angepasst, aber vor allem dürfen sie so sein, wie sie sind.

Menschen mit Demenz ,funktionieren‘ nämlich oft nicht mehr nach unseren gesellschaftlichen Regeln und Vorstellungen. Durch die Krankheit sind sie ,anders‘ geworden, leben in ihrer Welt, verlieren für uns selbstverständliche Fähigkeiten. Dadurch verschwinden sie oftmals hinter den Mauern ihrer Häuser beziehungsweise Pflegestrukturen und werden unsichtbar für Nicht-Betroffene. Der Besuch solcher ,relaxed performances‘ würde es ihnen zumindest für kurze Momente erlauben, weiterhin am gemeinschaftlichen Leben teilzunehmen und mit ihren Angehörigen einen Raum der Akzeptanz vorzufinden.

Ein solcher Raum ist darüber hinaus für uns alle wichtig, denn Demenz kann jeden treffen. Niemand weiß, ob er oder sie das Glück hat, mit 80 noch körperlich und geistig fit durch die Gegend zu laufen. Jeder kann irgendwann zu denjenigen gehören, die die Verbindung zu sich selbst, ihrer Lebensgeschichte und ihren Liebsten progressiv verlieren und teilweise oder gar komplett abhängig werden: abhängig von der Zeit ihrer Angehörigen und dem Pflegepersonal; abhängig davon, ob ihr Umfeld dieser Krankheit in die Augen sehen kann oder sich abwendet; abhängig von politischen Prioritäten.

Um die Würde und Freiheit von Menschen mit Demenz bestmöglich zu erhalten, braucht es viele menschliche Ressourcen: Familienangehörige und Pflegepersonal, die Zeit und Geduld haben, auf die spezifischen Bedürfnisse und die Biografien jedes einzelnen einzugehen und sich mit Geduld, Liebe und Empathie auf ihre Welt einzulassen. Es braucht vor allem auch politischen Willen, um einen Rahmen zu schaffen, damit eben diese Ressourcen vorhanden sind. Und es braucht uns alle, die willens sind, im täglichen Leben aktiv zur Inklusion all jener beizutragen, die ,anders‘ sind: durch eine offene und wertfreie Begegnung, die durch eine gemeinsame Teilhabe an kulturellen Projekten auf jeden Fall gefördert werden kann.“

Wer die „MIL asbl“ unterstützen will, findet hier alle Informationen: www.milasbl.lu