DIFFERDINGEN
SIMONE MOLITOR

Ein Blick hinter die Kulissen des „Aalt Stadhaus“ in Differdingen

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das alte Rathaus der Stadt Differdingen mehrfach um- und ausgebaut, bevor im Jahr 2008 schließlich beschlossen wurde, es komplett zu renovieren und zu erweitern, um es im Jahr 2014 seiner neuen Bestimmung als regionales Kulturzentrum zuzuführen. Seit wenigen Wochen ist das „Aalt Stadhaus“ nun auch Mitglied im „Réseau Luxembourgeois des Centres Culturels Régionaux“, dies nachdem es seine Konvention vom Kulturministerium erhalten hatte. „Am besten fangen wir in der Musikschule an, danach gehen wir in die Bibliothek, und dann schauen wir uns das an, was an sich das ,Stadhaus‘ ist, also das Auditorium mit Bühne, die Künstlergarderobe, Bar und so weiter“, schlägt Réjane Nenning, Direktionsbeauftragte des „Aalt Stadhaus“, vor. In Differdingen befindet sich dies alles unter einem Dach, und da wir um eine kleine Tour durch das Gebäude gebeten hatten, wird uns auch wirklich alles gezeigt.

Nur acht von 15 Sälen können aktuell in der Musikschule genutzt werden, sagt Direktor Rudi De Bouw - Lëtzebuerger Journal
Nur acht von 15 Sälen können aktuell in der Musikschule genutzt werden, sagt Direktor Rudi De Bouw

900 Schüler in der Musikschule

An der Rezeption und dem Eingang zum Bistro vorbei geht es die Treppe hoch in die Musikschule, die sich über zwei Stockwerke erstreckt. „Bevor wir in dieses Gebäude gezogen sind, war die Musikschule in etlichen kleinen Gebäuden quer durch die Gemeinde verteilt. Für die Kinder war das nicht so toll, weil sie dadurch nie das Gefühl hatten, in einer richtigen Musikschule zu sein. Sie haben immer nur einen Saal und stets die gleichen Leute gesehen. Das sollte deshalb unbedingt alles zusammengelegt werden“, erklärt Réjane Nenning. Das neue Konzept ging auf: Waren anfangs, also vor sechseinhalb Jahren, 300 Schüler in der Musikschule eingeschrieben, so sind es mittlerweile 900. „Das Ganze platzt fast schon wieder aus allen Nähten“, lacht sie. Daran erkenne man auch, wie Differdingen in der Zwischenzeit schon wieder gewachsen sei.

In den Gängen treffen wir zufällig auf den Direktor, Rudi De Bouw, der kurz auf die aktuelle Situation eingeht, die doch einiges an Umorganisation erfordert hätte. „Im Moment arbeiten wir nur in acht von 15 Sälen mit den Musikschülern. Die anderen sind nicht groß genug, da könnte der Abstand nicht eingehalten werden“, gibt er zu bedenken. „Es ist nicht so einfach, den Vorgaben gerecht zu werden“, fügt Réjane Nennig hinzu, bevor wir die Musikschule wieder verlassen, die übrigens integral im modernen Anbau untergebracht ist.

Die Stadtbibliothek ist das Reich von Jil Weiler - Lëtzebuerger Journal
Die Stadtbibliothek ist das Reich von Jil Weiler

Stadtbibliothek zog wieder ein

Im vollkommen renovierten Altbau befindet sich die Gemeindebibliothek, für die Jil Weiler verantwortlich ist. „Die Bibliothek befand sich schon immer in diesem Gebäude. Nach der Renovierung wurde sie wieder integriert. Rund 40.000 Objekte findet man hier, neben Büchern auch CDs und DVDs“, erfahren wir. „Normalerweise wird viel Kinderanimation geboten. Im Moment ist das natürlich alles etwas schwieriger“, bedauert Réjane Nennig. Wie in den anderen Räumen sind auch die Wände in diesem Gebäudeteil in Betonoptik gehalten, mit Ausnahme der Außenwände des Fahrstuhls, die von der holländischen Künstlerin Claudy Jongstra mit gelbem Filzstoff kunstvoll verkleidet wurden. „Darauf bin ich sehr stolz. Eines ihrer Werke hängt auch im MoMa in San Francisco“, strahlt sie.

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24 statt 200 Zuschauer

Nach einem Abstecher in die „Buvette“ und den angrenzenden Hochzeitssaal, in dem die zivilen Zeremonien abgehalten werden, betreten wir das Herzstück des Kulturzentrums: das große Auditorium mit seiner elf mal 6,5 Meter großen Bühne. Im Normalfall finden hier 200 Besucher im Sitzen Platz beziehungsweise 240 stehend. Momentan stehen ein paar Stühle weit auseinander im Zuschauerraum, so wie es die Abstandsregel in Covid-19-Zeiten verlangt. „Das sieht im Moment etwas trostlos aus“, formuliert es die Direktionsbeauftragte treffend. „Wenn wir uns streng an die Vorgaben halten, können wir aktuell nur 24 Zuschauer hier empfangen, oder wenn mehrere Personen aus dem gleichen Haushalt kommen, schon mal bis zu 40“, informiert sie.

„Zwei Tontechniker und ein Beleuchtungstechniker gehören zum technischen Team. Insgesamt sind neun Personen allein für das Kulturhaus tätig“, erzählt Réjane Nennig, während wir die Bühne betreten, um auch noch einen Blick in den Backstage-Bereich zu werfen. „Hinter der Bühne ist es relativ eng, hier fehlt es etwas an Lagerplatz. Wir mussten uns eben den Gegebenheiten des alten Gebäudes anpassen, ansonsten fehlt es uns aber an nichts. Technisch sind wir ganz gut ausgestattet“, unterstreicht sie. Über ein Stufen gelangt man schließlich nach oben in die gemütlich eingerichtete Künstlerloge, die über eine Tür auch mit der Musikschule verbunden ist.

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Wieder am Werk

Weiter geht es auf unserer Tour durch das lichtdurchflutete Foyer direkt neben der großen „Salle de spectacle“, das während Festivals auch schon mal zur Lounge umfunktioniert wird, beziehungsweise wo regelmäßig Ausstellungen stattfinden. Zum Schluss schauen wir noch kurz in den Büros vorbei, in dem das ganze Team des Kulturdienstes am Werk ist. „Wir sind relativ früh aus dem Homeoffice zurückgekehrt“, sagt Réjane Nennig. Da alle relativ nah beieinander sitzen, wurden zwischen den Schreibtischen Plexiglasscheiben angebracht. Vor einem der Computer sitzt Lynn Bintener, die sich unter anderem um das Programm für die Europäische Kulturhauptstadt Esch2022 kümmert. „Wir haben viel vor, allerdings steht vieles davon noch in den Sternen, weil einzelne Projektträger, mit denen wir zusammenarbeiten wollen, noch keine definitive Antwort von Esch2022 bekommen haben. Die Zeit drängt, auch wir müssen ja bald unser Budget aufstellen“, bemerkt die Direktionsbeauftragte am Ende unserer Besichtigungsrunde.