SIMONE MOLITOR

Wird über Kultur geredet, landet man schnell beim Thema Geld. Auch wir Journalisten neigen dazu, bei der Vorstellung eines Projekts immer gleich nach dem Kostenpunkt zu fragen. Im Gebäude der Nationalbibliothek wird nach deren Umzug eine nationale Kunstgalerie eingerichtet. Was kostet das? Luxemburg bezieht einen neuen Biennale-Pavillon in Venedig. Wie hoch ist der Mietvertrag? Natürlich interessieren sich die Leser dafür, nicht selten allerdings nur, um sich über das ihrer Ansicht nach unnötige Verprassen von Steuergeldern aufzuregen.

Theater, Tanzperformances, Kunstaustellungen, Konzerte… Wer braucht das schon? Warum all die prunkvollen Kulturbauten? Gewiss, wenn man weder Interesse an Kunst, noch an Musik oder Theater hat, fällt es schwer nachzuvollziehen, warum dieses Geld nicht „sinnvoller“ investiert wird. Vielleicht in einen Vergnügungspark? Oder in ein Fußballstadion. Es gibt bei allem immer Gegner und Befürworter. Fragen und Gegenfragen. Argumente und Gegenargumente.

Über Sinn und Zweck der Kultur sollte wirklich nicht diskutiert werden. Genauso wenig wie in erster Linie in diesem Kontext ständig die Kostenfrage in den Vordergrund gerückt werden sollte. Bevor das rein Finanzielle debattiert wird, sollte das Interesse anderen Kernfragen gelten. Warum macht eine Nationalgalerie Sinn? Weil sie eine Wertschätzung der luxemburgischen Kunst und Künstler ermöglicht. Wieso ist die „Sale d’Armi“ als Ausstellungsort in Venedig besser geeignet als die vorherige „Ca’del Duca“? Weil sie nicht abseits, sondern mitten auf dem Biennale-Hauptgelände liegt. Das sind gute Argumente, die Investitionen letztlich rechtfertigen.

„Es wäre wichtig, die Diskussionen eben nicht nur ums Geld kreisen zu lassen“, hatte auch Carole Lorang, die Präsidentin der „Theater Federatioun“, am Mittwoch gesagt, als während einer Pressekonferenz die Frage nach dem Kostenpunkt mancher der vorgebrachten Forderungen gestellt wurde. Ein nicht unwesentlicher Teil davon lässt sich aber nur schwer von der Geldfrage trennen. In den kleinen Theaterstrukturen wird etwa die Finanzierung einer Vollzeitstelle im administrativen Bereich gefordert. Bislang muss diese zeitaufwendige Arbeit auf ehrenamtlicher Basis erledigt werden. Besonders schwer haben es derweil die freischaffenden Künstler und Theaterschaffenden, denen neben den Sozialversicherungs- auch noch die Arbeitnehmerbeiträge direkt vom Lohn abgezogen werden.

Also ja, es geht doch ums Geld. Es geht aber auch um Menschen und ihre Lebensbedingungen. Wenn man sich eine professionelle, aktive und kreative Künstlerszene wünscht, muss man die nötigen Grundlagen schaffen. Das dürfte einleuchten, und genau das war die Kernbotschaft. Rein rhetorisch wurde die Frage aufgeworfen, ob Luxemburg eine solche Künstlerszene und ein richtiges kulturelles Leben brauche. Natürlich reicht es nicht, mit Ja zu antworten, wenn die Bereitwilligkeit fehlt, die Sache mit dem nötigen Engagement anzugehen. Und Engagement beschränkt sich nun einmal nicht auf schöne Worte. Mittel müssen zur Verfügung gestellt werden. Dieser Ball liegt ganz klar bei der Politik und letzten Endes ihrem Willen, eine Kulturpolitik zu betreiben, die diesen Namen verdient.