KÖLN
SVEN WOHL

Kölns Museen wissen mit einem reichen Angebot zu locken

Ein Besuch in Köln lohnt sich immer. Wer sich für Museen interessiert, wird an der Rheinstadt vom Angebot geradezu überwältigt. Während das dortige Schokoladenmuseum in jeder Broschüre einen dominanten Platz einnimmt, gibt es abseits dessen jedoch zahlreiche bemerkenswerte Institutionen mit abwechslungsreichen Angeboten.

Frei zugängliches Angebot

Wer am Rhein entlang an der Altstadt vorbei seinen Weg hin zum allseits bekannten und beliebten Zoo bahnt, stößt wiederholt auf Schilder, welche auf den Skulpturpark hinweisen. Tatsächlich ist ein Abstecher in den besagten Skulpturpark empfehlenswert. Der Park feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen und zeigt unter anderem Skulpturen von Tom Burr, Barry Flanagan und James Lee Byars. Wer also einen sonnigen Tag nicht nur im bekannten Zoo oder in der Flora verbringen möchte, sollte sich ruhig die Zeit nehmen, den 35.000 Quadratmeter großen Park zu erkunden. Selbst jene, die sich nicht für Kunst begeistern könnten, sollten durch diesen Park schlendern und die Ruhe genießen. Eintritt ist frei, jedoch können Führungen organisiert werden.

Alte Bekannte

Zentraler gelegen sind die anderen beiden kulturellen Höhepunkte, die hier vorgestellt werden. Unweit des Doms befindet sich das „Museum für Angewandte Kunst“ (MAKK), das mit einer etwas anderen Sammlung aufwartet. Das Museum ist aus dem vorigen Kunstgewerbemuseum hervorgegangen und ist seit 1989 im Schwarz-Bernard-Bau zu finden.

Die aktuelle Dauerausstellung „Kunst + Design im Dialog“ zeigt eindeutig die Stärken des Museums: Anhand von Alltagsgegenständen wird die Entwicklung von Design durch die unterschiedlichen Dekaden ab der Industrialisierung nachverfolgt. An gewöhnlichen Gegenständen wie Stühlen, Besteck, Schränken, Radios, Fernsehern und Computern lassen sich die ästhetischen Entwicklungen und Anforderungen der jeweiligen Zeit ablesen. Dank zahlreicher Hintergrundinformationen entwickeln die Besucher hier ein besseres Verständnis dafür, wie viel Wert auch in diesen unterschiedlichen Design-Epochen auf Funktionalität und Ästhetik gelegt wurde. In ihnen spiegeln sich die Bedürfnisse der jeweiligen Gesellschaft oder sogar der unterschiedlichen Schichten wieder.

Bis zum 3. März können Besucher des MAKK außerdem eine Fotoausstellung von Norman Seeff sehen. Der Titel „The Look of Sound“ ist ein Hinweis auf das liebste Motiv des Fotografen: Musiker und Stars, in diesem Fall aus den 60er bis 80er Jahren. Tina Turner, die Rolling Stones, die Jackson Five, Johnny Cash und Frank Zappa lockte er genau so vor die Kamera wie die Ikonen Andy Warhol oder den jungen Steve Jobs. Die 170 ausgestellten Porträts für sich genommen sind bereits bemerkenswert. Doch eine gelungene Ergänzung stellen die Videomitschnitte der Fotosessions dar, von denen einige in der Ausstellung gesehen werden können. Sie sind Zeitzeugen der damaligen künstlerischen Energie, die Norman Seeff verkörpert und zugleich einfängt.

Kunst als Zeitzeuge

Das letzte Museum in dieser Vorstellung ist das Museum Ludwig, das direkt beim Hauptbahnhofs der Stadt am Rhein zu finden ist. Ohne in sämtliche Tiefen des beachtlichen Bestands des Museums eingehen zu wollen, war es vor allem die Ausstellung rund um jene Werke, die während der Nazi-Diktatur verboten und von Sammlern versteckt wurden, die beeindruckende Zeitzeugen des Faschismus bildeten. Die Sammlung Haubrich, benannt nach Josef Haubrich, zeigt Werke deutscher Expressionisten und Künstler der klassischen Moderne. Samt passender historischer Kontextualisierung ist allein dieser Teil der Sammlung bereits einen Besuch wert.

Dazu gesellt sich eine bemerkenswerte Picasso-Ausstellung, die sich nahtlos an die bereits genannte anfügt. Wer sich mit Picassos Werk nicht auskennt, könnte keine bessere Einführung verlangen, als hier. Sämtliche Schaffensphasen sind hier zu finden und werden mit Hintergründen beleuchtet. Wer sich nicht für Picasso begeistern kann, sollte das Museum einzig wegen seiner ausführlichen Pop-Art-Ausstellung besichtigen. Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg und Andy Warhol sind hier unter anderem zu nennen. Zusätzlich werden die wichtigsten Strömungen und Medien des 20. Jahrhunderts gezeigt und erläutert. Die Sammlung ist so umfangreich, dass sie nur schwer innerhalb eines Morgens oder Nachmittags zu meistern ist. Bei diesem Museum ist es ratsam, sich schlicht einen Tag dafür zu reservieren. Anzumerken sei nur noch, dass aktuelle Umbauarbeiten leider dazu führen, dass nicht alle Werke, die ausgestellt werden könnten, zu sehen sind. In Anbetracht des Umfangs vielleicht nicht der schlechteste Umstand.

ZU DEN MUSEEN

Praktische Infos

Skulpturenpark Köln
Elsa-Brändström-Straße 9
Die ganze Woche von 10.30
bis 17.00 geöffnet

Museum für
Angewandte Kunst
An der Rechtschule
Dienstags bis Sonntags
von 10.00 - 18.00 geöffnet. Montags geschlossen.

Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
Dienstags bis Sonntags
von 10.00 - 18.00 geöffnet. Montags geschlossen.