PATRICK VERSALL

Eric Mangen hat sein künstlerisches Tätigkeitsfeld im Laufe der Jahre erweitert

Es gibt Menschen, die müssen joggen, weil sie sonst krank werden. Wenn ich mich nicht künstlerisch ausdrücken kann, geht es mir einfach schlecht. Ich muss mich einfach artikulieren, auch wenn niemand meine Arbeiten zu Gesicht bekäme. Es ist so notwendig wie eine Therapie.“ Eric Mangen greift nach einer glänzend silbernen Spraydose und verpasst seinem „Journal“-Graffiti von Seite 1 den letzten Feinschliff. Graffitis sprayt er nur noch selten, seitdem er vor einigen Jahren aus Spanien nach Luxemburg zurückgekehrt ist.

Volle Dröhnung Graffiti
„Während meiner Zeit in Spanien habe ich andere Aspekte der Graffitikunst kennen gelernt, die weit über die Schriftkunst hinausgehen“, erzählt Eric, während er seine Arbeit kritisch beäugt. In Barcelona hat er die ‚volle Dröhnung‘ Graffiti verpasst bekommen, war jeden zweiten Tag mit Kumpels auf Achse, auf der Suche nach kahlen Mauern, die die Künstler in ein buntes Gewand einhüllten. Zurück in der Heimat wollte Eric Mangen, der, wie die meisten Graffiti-Künstler sein Metier als Schüler auf der Straße erlernt hat, etwas Neues ausprobieren, sein künstlerisches Tätigkeitsfeld erweitern.
Lange vor seinem Trip nach Spanien hatte er sich  als Gymnasialschüler die Graffititechnik bei einem Sprayer abgeguckt und besprühte, wie in der Szene üblich, öffentliche Wände, bis er eines Tages mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Was mitunter ein weiterer Grund gewesen ist, nach seiner Rückkehr nach Luxemburg nur mehr noch -wenn überhaupt- Aufträge von Privatleuten oder Firmen entgegen zu nehmen, die sich von Eric Mangen Mauern und Wände ganz legal verschönern ließen. „Dies erlaubte es mir, nicht immer nur auf die gleichen Mauern zu sprühen; parallel dazu fing ich an, mich auf die Malerei zu konzentrieren“. Graffiti interessiert ihn heute nach wie vor, die Szene hat er fest im Blick. „Mich interessieren heute Dimensionen, visuelle Wirkungen“. Am Fernsehprojekt Generation Art beteiligte er sich, weil ihn das Unbekannte reizte. Die Exponate des Finalisten sind noch bis Ende Januar im CarréRotondes ausgestellt. „Ich benutzte Collagen, arbeitete mit Abdrucken, kurzum, habe versucht, neue Wege zu finden, um Dinge zu übermitteln.“

Wieder motiviert
In seinen rezenten Arbeiten thematisiert Eric die unerfreulicheren Momente des Lebens, „Es ist ja keineswegs so, dass unser Leben eine nimmer endende Party ist“. Eric wirkt nachdenklich, entfernt sich ein paar Schritte von seinem „Journal“-Kunstwerk, verschafft sich aus einiger Entfernung einen Gesamtüberblick über die Lettern, deren Farbe noch nicht ganz getrocknet ist. „Es gibt Lebensphasen, in denen du einfach nicht mehr weißt, wie es weitergehen soll, du dich auch selbst in Frage stellst“. Bei „Generation Art“ hat Eric Mangen versucht, diese Themen nicht nur zu malen, sondern sich mit anderen Techniken an sie heran zu wagen. „Zu diesem Zeitpunkt musste ich Dinge loswerden.“ Eric kramt eine weitere Spraydose aus seiner Utensilien-Box, verpasst seinem Werk einen finalen, orangefarbenen  elliptischen Bogen.
„Nach drei Monaten ‚Generation Art‘ war ich ausgepumpt; die Ausstellung im CarréRotondes habe ich im Endeffekt binnen drei Wochen auf die Beine gestellt. Ich bin jetzt wirklich wieder für die kommenden Aufgaben motiviert.“
Am 2. Februar feiert seine neue Ausstellung „Evidence of Absence“ – ein Gemeinschaftsprojekt mit Mike Zenari – im ‚KJUB‘ Premiere. „Hier bewege ich mich wieder im Bereich des ‚Street Art‘ “.
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