LUXEMBURG
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Wer zum Henker ist dieser Yves Kinnen? Und was bezweckt der mit seinen provokativen Facebook-Posts und Plakaten mit Slogans wie „Kee Wahlrecht fir Autofuerer!“, „Kee Wahlrecht fir Alternativ-Veganer!“ oder „Kee Wahlrecht fir Leit ouni Hond!“? Diese Fragen stellten sich in den letzten Wochen zahlreiche Bürger und seine Kampagne brachte Kinnen, der sich als „Coach und Blogger“ ausgab, eine Menge pikierter Reaktionen ein. Manche glaubten mit jemandem zu tun zu haben, der „nicht die hellste Leuchte am Lüster“ ist, andere vermuteten eine Aktion des oftmals durch Provokationen auffallenden Kunstkollektivs Richtung 22 hinter der Kampagne.

Gestern Morgen dann lüftete Yves Kinnen sein Geheimnis während der Braderie auf dem „Place d’Armes“: er ist eine reine Kunstfigur, die vom deutschen Schauspieler Walter Schmuck gespielt wird und Teil der Kampagne für die Ausstellung „100 Jahre Allgemeines Wahlrecht in Luxemburg“, die ab dem 27. September quasi ein Jahr lang im nationalen kunsthistorischen Museum zu sehen sein wird.

Man habe mit dieser „überspitzten“ Kampagne eine Diskussion darüber anregen wollen, was passieren würde, wenn man bestimmte Wählergruppen ausschließen würde und im Umkehrschluss eine Reflexion über den Wert des allgemeinen Wahlrechts ankurbeln wollen, heißt es von der „Chamber“-Spitze, welche die Aktion gemeinsam mit dem Kulturministerium, dem MNHA und mit Unterstützung von Cargolux und CFL eingefädelt hat.

„Demokratie ist etwas sehr Lebendiges und wir sollten mehr darüber diskutieren, deshalb diese etwas atypische Art und Weise, um die Debatte anzuspornen“, sagte Parlamentspräsident Fernand Etgen, während Kulturministerin Sam Tanson unterstrich, dass das allgemeine Wahlrecht alles andere als eine selbstverständliche Errungenschaft ist.

Zum Start der Ausstellung am Samstag, dem 28. September – dem 100 Jahrestag übrigens des doppelten Referendums von 1919 – gibt es einen Tag der Offenen Tür im MNHA und in der „Chamber“, sowie das Wandertheater „Krich, Honger an Demokratie“, das vom „Knuedler“ bis  zum Fischmarkt zieht, mit Zwischenstationen auf Krautmarkt und in der Rue du Rost beim großherzoglichen „Palais”. Im Rahmen der Expo finden eine ganze Reihe von Konferenzen über Politikerinnen wie Marguerite Thomas-Clement und Meisy Mongenast-Servais, sowie über Parteien und Wahlkämpfe statt.

Bald mehr auf www.wielewatmirsinn.lu