LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Eröffnung der temporären Galerie Bradtke am 23. Mai in der Avenue de la Gare

Die verglaste Frontseite des Gebäudes ist mit weißen Papierstreifen zugeklebt; auf den ersten Blick deutet wenig darauf hin, dass hinter der Fassade des Gebäudes in der hauptstädtischen „Avenue de la Gare“ ab Freitag 16 Künstler ihre Arbeiten zeigen. Über der eingerollten Markise, auf der noch der rote Name einer Bar prangt, die bis vor einigen Monaten noch Gäste bewirtschaftete, wurde aus sieben farbigen Lettern der Name „Bradtke“ konstruiert. Bis die Räumlichkeiten wieder vermietet werden, dient das Haus, das sich seit mehreren Generationen im Besitz einer luxemburgischen Unternehmerfamilie befindet und bis 1991 eine Galerie beheimatete, später eine Tanzschule, als kultureller Ausstellungs- und Begegnungsort. Zu diesem Zwecke gründete Michel Bradtke mit seinem Bruder eine Vereinigung ohne Gewinnzweck (Asbl), die Kunstschaffenden Räume zum Ausstellen zur Verfügung stellt. Die 16 Teilnehmer der ersten Expo „Le dernier Tango de la Gare“ zahlen lediglich einen Beitrag von 100 Euro, mit denen Bradtke die anfallenden Unkosten finanziert. Der Eintritt ist gratis, Bradtke und sein Bruder sind auch nicht am Verkauf der Werke beteiligt. Durch die Gründung der Asbl erhält die temporäre Galerie allerdings einen legalen Rahmen. Kritikern, die die Galeristen voreilig in einen Topf mit Hausbesetzern schmeißen möchten, nimmt man somit schnell den Wind aus den Segeln.

16 für die Premiere

Als Michel Bradtke sich das erste Mal mit dem luxemburgischen Maler Rafael Springer über das Projekt austauschte, war von einer Handvoll Künstler die Rede, die in der „Avenue“ mitmachen sollte. Dass es jetzt 16 geworden sind, hat Bradtke ausschließlich Springer zu verdanken, der in seinem Bekannten- und Kollegenkreis massiv die Werbetrommel für die Galerie rührte. „Das Publikum lechzt förmlich nach solchen Projekten“, erklärt Springer, der seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Kunstszene ist und aus Erfahrung weiß, dass sich solche unkonventionellen Galerieformate auch beim luxemburgischen Publikum ungebremster Beliebtheit erfreuen. Nicht wenige Künstler berichten, dass auch anno 2014 bei vielen Kunst-Interessierten nach wie vor die Hemmschwelle hoch ist, wenn es darum geht, eine „klassische“ Galerie zu besuchen.

Verlängerung ins Auge gefasst

Während Rafael Springer oder Dani Neumann ihre bereits fertig gestellten Arbeiten ins Bahnhofsviertel mitbringen, ist Eric Mangen einer der wenigen Kreativen, die vor Ort arbeiten. Der Luxemburger gestaltet einen ganzen Raum und erschafft somit ein begehbares Kunstwerk, das den Betrachter zu einer Reflektion über den Platz des Gemäldes im Raum, bzw. den Platz des Raumes auf dem Gemälde animieren soll. Es sei jedem einzelnen Künstler frei überlassen, ob er in der Galerie vor Ort arbeite oder einen Flur, bzw. ein Zimmer nur nutze, um bestehende Werke auszustellen, erklärt Michel Bradtke.Der „letzte Tango“ wird nur an zwei Wochenenden getanzt; man spiele aber bereits mit dem Gedanken, die Expo zu verlängern, verrät Bradtke. Die Asbl möchte ihre Aktivität nicht nur auf das Haus in der „Al Avenue“ beschränken. Er könne sich vorstellen, ähnliche Projekte in anderen, leer stehenden Gebäuden zu realisieren, so Michel Bradtke.


Die Vernissage findet am 23. Mai satt. Geöffnet ist die Galerie am 24 und 25 Mai, bzw. am 31. Mai und 1. Juni jeweils von 10.00 bis 20.00 oder nach Vereinbarung. Kontakt: 621 290 750 oder www.bradtke.lu. Galerie Bradtke; 5, Avenue de la Gare; L-1611 Luxemburg