LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Steph Meyers vom CarréRotondes über Graffiti-Kunst im urbanen Umfeld

Seit fast einem Jahr prangen im Innenhof des CarréRotondes Graffiti-Werke an den Mauern des ehemaligen Industriegeländes. Die Kunstwerke sind allesamt im Rahmen des letztjährigen „All-Over“-Kunstprojektes entstanden. „ An und für sich haben wir der Szene nur Flächen zur Verfügung gestellt“, erklärt Steph Meyers des CarrréRotondes.

Wandflächen, die vermutlich der Abrissbirne zum Opfer fallen werden, wenn das Kunstareal ihre zwischenzeitliche Bleibe in Hollerich in Richtung „alte“ Heimat , die ehemaligen Bus-Rotunden in Bonneweg , verlässt. Aufträge im klassischen Sinne hat das Carré den Graffitikünstlern keine erteilt. Das wäre paradoxal, ja sogar kontradiktorisch, so Meyers. Graffitisprayer - die etablierten ausgeklammert - suchen sich in der Regel selbst die Flächen im Großstadtdickicht aus, auf denen sie ihre Motive sprayen. Aufträge nehmen diese keine entgegen.

„Mittelsmann“ aus der Szene

Den Kontakt zur nationalen Szene knüpfte der Künstler Stick, der während des Arbeitsprozesses auch als Mittler zwischen dem Kunsthaus und den Künstlern fungierte. Ihm oblag auch die Auswahl der Künstler. Obwohl alle Sprayer künstlerische Freiheit genossen, habe niemand über die Stränge geschlagen, sprich illegal gehandelt um zu provozieren oder zu schockieren. „Ich würde nicht unbedingt von ‚Dankbarkeit‘ der Sprayer uns gegenüber reden, ich denke aber, dass sie es schon zu schätzen wussten, dass ihnen jemand Flächen zur Verfügung stellte und sie gewähren ließ.“ Das CarréRotondes ist auf dem Gebiet der Hauptstadt die einzige öffentliche kulturelle Institution, die das Urban Art fördert, ihr eine Art Schaufenster anbot. Dies erklärt sich auch dadurch, dass das Carré nicht den Mainstream Kunst-Bereich abdeckt und eine Parallelschiene fährt.

Es liege halt nahe, weil sich das CarréRotondes inmitten einer urbanen Umgebung befindet, vom Stadtzentrum distanziert. Des Weiteren hat das CarréRotondes Unterschlupf in einem ehemaligen Industriegebäude gefunden.

Spannende Kunstform

Im Ausland würden sehr oft stillgelegte Industriekomplexe in Kulturhöfe umgewandelt werden, so Meyers. „Graffiti stellt für uns eine spannende Kunstform dar, besonders in ausländischen Großstädten sind Künstler wie Banksy auch einen breiten Kunstpublikum mittlerweile ein Begriff.“

Steph Meyers bedauert allerdings den Umstand, dass sich hier in Luxemburg die Szene nicht flächendeckend ausbreitet, also stets neue Orte erobert, an denen sie ihre Kunst auslebt. Das Gravitationszentrum der Szene ist nach wie vor der alte Schlachthof in Hollerich, der jedoch nicht als Präsentiervitrine nach draußen funktioniert. „Man nimmt ihn lediglich wahr, wenn man auf der Autobahn daran vorbeifährt“. Nach dem Umzug zurück nach Bonneweg in die Rotunden wird es vermutlich schwieriger, solche Projekte umzusetzen.“ Hier können er keine Flächen anbieten, die Künstler mit ihren Graffitis füllen können.