LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Von gut bis schlecht: luxemburgische Kurzfilme auf VOD.lu

Wie es Samsa Film und „Les Films Fauves“ bereits vormachten, indem sie „Tune into the Future“ und „Jumbo“ für die Video-Plattform VOD.lu freigegeben haben, hat sich das „Luxembourg City Film Festival“ mit diesem Anbieter geeinigt und weitere Filme ausgewählt, wie „Norie“ von Yuki Kawamura, „Dreamland“ von Bruce McDonald und „Cuentos del Rio“ von Julie Schroell. Um diese Filme sehen zu können, muss man allerdings 2,99 Euro bezahlen. Dagegen sind einige Kurzfilme, die auch während des Festivals zu sehen waren, gratis, bis auf den Film „Halligalli“ von Govinda Van Maele. Generell muss man allerdings feststellen, dass kein Film wirklich hervorsticht und einige sogar für Kopfschütteln sorgen.

Der Beste vorab

Auch wenn „Lupus“ von Laurent Prim Lichtjahre von einem Meisterwerk entfernt ist, hebt sich der von Skill Lab produzierte Kurzfilm von den anderen ab. Der alte Bauer Marcel (Pol Greisch) sieht seine verstorbene Frau Sarah (Claire Johnston) in seinen Träumen. Sein Sohn (Luc Schiltz), ein Polizist, ist besonders besorgt, als sein Vater glaubt, ein Wolf würde seine Hühner reißen. Filmisch ist der Film sauber gedreht, von Greisch ganz ordentlich interpretiert, und er erzählt zumindest eine Geschichte.

Stilistisch kann auch „Faleminderit“ von Nicolas Neuhold teilweise gefallen. Nur hier wird vergessen, die Geschichte, die, wie im Vorspann zu lesen, auf historischen Halbwahrheiten basiert, genauer zu situieren und Namen zu nennen, wie den des Hauptprotagonisten, einem Kartographen (Maximilien Jadin), der Albanien vermisst und eine neue Karte zeichnet. Laut Angaben des Produzenten Calach Films heißt er Charles Schaeffer. Diese neue Karte diente 1921 bei der Konferenz der Botschafter in Paris, die Grenzen neu zu bestimmen. Der Filmtitel bedeutet auf Albanisch „Danke“.

Die weniger Guten

Als bedingt annehmbar kann man den Animationsfilm „Abigail“ von Nicolas Debray bezeichnen, der in den Studios von Melusine Productions entstand. Zwei ältere Männer, Daniel und David, sitzen auf einer Bank und unterhalten sich. David ist allein und beneidet Daniel, der mit Abigail verheiratet ist. Durch das Streicheln einer Katze wird Daniel jünger. Zu Hause muss er feststellen, dass die Katze seine Frau nicht jünger macht. Charles Suberville (Daniel), Anita Rutili (Abigail) und Norbert Rutili (David) leihen den Figuren ihre Stimmen.

Zu Beginn von „Westwand“ von Philip Krieps rudert ein Mann, Alikhan (Alikhan Malsagov), mit seinem Kanu durch einen Fluss. Er ist aus Russland nach Luxemburg immigriert und wartet seit Jahren auf seine Aufenthaltsgenehmigung. Ein Briefträger (Daniel Omes) verirrt sich jedoch im Wald auf der Suche nach der Alikhans Behausung. Hier muss man sich alles Wichtige aus den Fingern saugen.

Ebenfalls rätselhaft ist der animierte Kurzfilm „Glow“ von Fred Neuen und Mik Muhlen. In einer kargen Landschaft werden drei Männchen von einer Maschine „aufgetankt“. Eines begegnet einem Origami-Falter, der es in eine mysteriöse Welt geleitet mit weiteren glühenden Faltern und einem Fisch. Doch seine Kumpane zerstören alles, was ihnen unbekannt ist.

Larisa Fabers „Daca Ne De?teptam“ (If We Smarten Up) spielt in Rumänien. Es dauert eine Zeitlang, ehe man begreift, dass Maria (Coca Bloos) die Hausfrau eines verstorbenen Mannes ist, dessen Wohnung von der Familie verkauft wird. Maria zieht sich in einen Abstellraum zurück. Dem Film fehlt jeglicher Hintergrund, mit dem der Zuschauer etwas anfangen könnte.

Komplett am Zweck vorbei bewegt sich auch „Absence“ von Florian Beros, der vom CNA und dem SNJ produziert wurde. Zwei lesbische Frauen (Claire Tison-Massenet und Xénia Katina) leben zusammen. Auch hier fehlt der Name jener Frau, die sich von der blonden Noémie trennen will, da sie sich in Henry (Stéphane Belhandouz) verliebt hat. Diese wirre Geschichte hat 2019 beim Crème-fraîche-Wettbewerb gewonnen.

Leider haben die meisten jungen Regisseure und Regisseurinnen vergessen, dass auch in einem Kurzfilm eine Geschichte wichtig ist. Es genügt nicht nur, sich stilistisch zu beweisen. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal.