LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Kurzfilm-Abend im „Utopolis“ im Rahmen des Luxembourg City Film Festivals

Traditionsgemäß findet im Rahmen des Luxembourg City Film Festivals ein Kurzfilm-Abend statt, bei dem junge und ältere Filmemacher die Gelegenheit bekommen, ihre Filmchen zu zeigen. Am Montagabend standen sechs Filme, die fast alle vom Film Fund unterstützt wurden, im „Utopolis“ auf dem Programm. Generell muss man bemerken, dass alle Filme technisch in Ordnung waren, nur suchte man bei den meisten vergebens nach einer kohärenten und interessanten Geschichte.

Krieg und Koma

Jérôme Weber hat Biologie studiert, ehe er begann, Kurzfilme zu drehen. Für sein erstes größeres Projekt, „The Past We Live In“, konnte er den Produzenten Nick Rollinger von Equinox Productions überzeugen. Felix (Gilbert Johnston) feiert Geburtstag. Er zieht sich auf den Dachboden zurück, wo Erinnerungen in ihm hochkommen an die Zeit im Schützengraben während des Zweiten Weltkriegs. In einem kleinen Jungen (Wayne Fernandes Sousa) sieht er den farbigen Soldaten (Issaka Sawadogo), dem er das Leben rettete. Schließlich kann sich der Soldat an ihm (Timo Wagner spielt den jüngeren Felix) revanchieren. Mit Jako Raybaut konnte Weber einen renommierten Kamerachef verpflichten, so dass der Film visuell gepflegt ist, und er erzählt auch eine Geschichte.

Cyrus Neshvad hat mit ein paar Kurzfilmen, wie „Antoine“, auf sich aufmerksam gemacht. Sein neues Filmchen „Fils“ erzählt wie Sébastiens (Hervé Sogne) Sohn Thibault durch einen Unfall im Koma liegt. Die Mutter (Brigitte Urhausen) will ihren Sohn erlösen, was Sébastien nicht toleriert. In einer Nervenklinik für Jugendliche, in der er Nachtdienst hat, wird er vom Geist seines Sohnes verfolgt. Als Thriller mit einem überzeugenden Hervé Sogne inszeniert, lässt der konfuse Schluss leider zu viele Deutungen zu.

Zuerst gab es einen Preis

Claude Lahr („Heim ins Reich“) realisierte „818“ nach einem Drehbuch von Mathieu Caboche, das letztes Jahr den Wettbewerb „Crème Fraîche“ gewann. Ein junger Informatiker (Max Thommes) soll zusammen mit einem Colonel (Steve Karier) in der Basis „818“ ein neues Computerprogramm überwachen, das die Menschheit retten soll. Sinn und Zweck der Geschichte bleiben ein Rätsel, auch wenn der Film mit interessanten Spezialeffekten ausstaffiert ist.

Franco Dipietro gewann 2016 den European Short Pitch in Luxemburg für sein Projekt „Chernobyl“. Anna (Desirée Noferini) und Cristiano (Paolo Bernardini) haben Probleme, ein Kind zu bekommen. Daher nehmen sie Viktor (Cristian Shavayuk), ein Kind aus Tschernobyl, für eine kurze Zeit zu sich. Der Aufenthalt von Viktor endet in einem Streit des Paares. Auch hier sucht man nach etwas mehr Inhalt, als nur Cristianos Versuch, dem Jungen mit Autofahren etwas Spaß zu bieten.

Totenwache und Zirkusartisten

Kevin Dresse arbeitet meist als Elektriker in der Filmbranche in Luxemburg. Mit „Ce qui reste de toi“ hat er einen ersten Film realisiert. Michel (Julien Béramis) kommt nach ein paar Tagen Abwesenheit nach Hause und findet seine Freundin Sophie (Marie Kauffmann) tot im Bett. Statt sich um ihre Beisetzung zu kümmern oder zu versuchen, die Umstände ihres Ablebens zu klären, lässt er sie im Bett liegen und lebt in der Wohnung weiter, was eigentlich nur zu Kopfschütteln beim Betrachter führt.

Viele Erwartungen steckten hinter „Sur le fil“ von Thierry Besseling und Loïc Tanson, die mit „Eldorado“ einen ganz ordentlichen Dokumentarfilm realisierten. Leider enttäuscht dieses Filmchen wiederum durch das Fehlen einer interessanten Geschichte. In einem Zirkus arbeiten Vandillo (Franck Sasonoff) und sein Sohn Chal (Pierre Marx) als Dompteur und Seiltänzer. Da Sara, eine Löwin, sich als bösartig erweist, will der Zirkusdirektor (Denis Jousselin) sie töten lassen. Schließlich kommt es zu einem Streit zwischen Vater und Sohn, dessen Ursachen nicht wirklich geklärt sind. Schade, denn das Umfeld war zur Abwechslung mal originell.