LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

15. Jugendkonvent bot viele Anregungen und teils lebhafte Diskussionen

Unter dem Titel „Deng Zukunft, deng Ziler“ wurden gestern knapp hundert Jugendliche im Parlament zu einer neuen Ausgabe des Jugendkonvents erwartet. Am Nachmittag präsentierten die Jugendlichen die Hauptschlussfolgerungen und Empfehlungen aus den Arbeitsgruppen, die am Morgen zu fünf verschiedenen Themen stattdessen. Und regten damit teils lebhafte Diskussionen zwischen den Schülern selbst, Regierungsmitgliedern und Abgeordneten an.

Für den 15. Jugendkonvent hatten sich die Jugendlichen fünf sehr aktuelle Themen herausgesucht. Zum Thema Nachhaltigkeit wurde sich beispielsweise ein spezifisches und obligatorisches Fach gewünscht, während Bildungsminister Claude Meisch (DP) der Ansicht ist, dass Nachhaltigkeit zwar mehr Gewicht in der Bildung erhalten solle, dies aber nicht unbedingt über ein eigenes Fach erreicht werden könne.

Beim Thema „Gleichberechtigung aller Geschlechter“ kritisierte Alec Hansen, dass Mädchen in der Schule oft gesagt bekommen, sie dürften keinen Minirock tragen. Dass Frauen sich anzupassen hätten, weil sich die Männer dann nicht konzentrieren könnten, findet er nicht richtig.

Angeregt wurde ebenfalls, dritte, gemischte Toiletten neben den bestehenden einzuführen und gleichzeitig über die kostenlose Zurverfügungstellung von Tampons oder Binden nachzudenken. Letzteres wird offenbar unterschiedlich von den Schulen gehandhabt.

Die große Wohnungssorge

Die Arbeitsgruppe „mentale Gesundheit und Wohlbefinden“ brachte unter anderem die großen Sorgen der Jugend zum Ausdruck, in Zukunft eine erschwingliche Wohnung zu finden, selbst nur zur Miete. Justizministerin - und ehemalige Wohnungsbauministerin - Sam Tanson (déi gréng), zeigte großes Verständnis. „Wir hätten gerne, dass es einen richtig starken Parallelmarkt gibt“, auf dem ein Wohnen zu erschwinglichen Preisen möglich sei, sagte sie.

Beim Thema „ein hochwertiger Arbeitsplatz für jeden“ äußerten die Sprecher der Arbeitsgruppe Bedenken zum Sprachenunterricht in den „Classes d’accueil“ (ACCU) für neu in Luxemburg angekommene Jugendliche sowie die „classes d’insertion pour jeunes adultes“ (CLIJA). Da sowohl Luxemburgisch wie auch Französisch in der Arbeitswelt von gleicher Bedeutung seien, müsste ihnen auch gleichviel Platz im Stundenplan eingeräumt werden - anstatt heute 16 Stunden Französisch pro Woche und vier fürs Luxemburgische.

Meisch räumte zwar Verbesserungsmöglichkeiten für diese Klassen ein, gleichzeitig sei es wichtig, diesen Schülern überhaupt eine sprachliche Grundlage für beispielsweise eine Anschlussausbildung zu geben. Darüber hinaus sollen ab kommendem Jahr Sprachkurse über die Sommerferien angeboten werden - eine Nachfrage der Schüler selbst - damit sie ihre Luxemburgischkenntnisse weiter trainieren können. Arbeits- und Beschäftigungsminister Dan Kersch (LSAP) bemerkte indes, dass die Bedeutung des Luxemburgischen auf dem Arbeitsmarkt zurückgeht und stattdessen das Englische an Bedeutung gewinnt.

An anderer Stelle bemerkte eine Schülerin, das klassische Lyzeum erlaube Schülern nicht, ihre Stärken auszubauen. Stattdessen müssten sie ständig versuchen, Schwächen in anderen Fächern auszugleichen.

Angeregt wurde ebenfalls, ob Eltern Kinderbetreuungsgutscheine nicht auch nutzen könnten, um sich zuhause um ihre Kinder zu kümmern und verlorene Arbeitszeit auf diese Weise zu reduzieren. Dieser Vorschlag stößt bei der Regierung aber auf wenig Gegenliebe, würde das doch vor allem Frauen dazu anregen, zuhause zu bleiben. Stattdessen wolle die Regierung einen gleichberechtigten Zugang zum Arbeitsmarkt.

Klimaschutz: Regierung bittet um Geduld

Lebhafter wurde die Diskussion beim Thema Klimawandel. Aus den Reihen der Jugendlichen kam die Bemerkung, mit Blick auf „die Statistiken“ hätte man den Eindruck, dass „die Regierung nicht viel gemacht hat.“ Minister Kersch ließ das so nicht stehen. „Wir gehen weit über das hinaus, zu dem wir uns international verpflichtet haben“, sagte der LSAP-Minister und plädierte für etwas Geduld, bis das Klimaschutzgesetz und der Klimaplan stehen.

Damit die Arbeit der Jugendlichen nach der gestrigen Debatte nicht einfach verpufft, sollen ihre Forderungen und Anregungen nun in schriftlicher Form an die jeweiligen parlamentarischen Ausschüsse sowie Regierungsmitglieder gehen.