LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Tariferhöhungen im öffentlichen Transport sollen 6 Millionen Euro einspielen -

Ein stetig wachsender Fuhrpark, mehr als 1,5 Millionen motorisierte Fahrten täglich und dann noch steigende Preise im öffentlichen Verkehr - gefährdet die Tariferhöhung das Erreichen der Mobilitätsziele von 2020? Ist die Verteurung sozial gerecht?

Ziel der Mobilitätspolitik ist es, das Fortbewegungsangebot für alle Bürger zu verbessern. In sieben Jahren soll ein Viertel der motorisierten Fortbewegung über den öffentlichen Nahverkehr abgewickelt werden, ein Viertel aller Wege sogar zu Fuß oder per Rad zurückgelegt werden.

Zur Erhöhung der Preise für Bus und Bahn führte das Ministerium für nachhaltige Entwicklung viele Gründe an. Seit der letzten Tarifanpassung 2006 seien die Kosten für den öffentlichen Transport immer weiter gestiegen, sowohl was die Betriebskosten betrifft wie auch die Entwicklung der Treibstoffpreise.

Gleichzeitig sei das Zug- und Busangebot immer weiter verbessert worden. Ein Blick in die Statistik zeigt, wie sich die Passagierzahlen in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Die hauptstädtischen Busse (AVL) beförderten von 2006 bis 2008 jedes Jahr rund 800.000 Passagiere mehr, von 2008 bis 2010 stieg die Zahl der Fahrgäste von rund 28 sogar auf über 32 Millionen. Auch die RGTR und TICE-Busse verzeichneten in dieser Zeitspanne Anstiege.

Die Bilanz des Systems: Aktuell seien nur sechs Prozent der Betriebskosten durch Einnahmen gedeckt. Für 2013 sieht das Budget für den öffentlichen Transport insgesamt etwas mehr als 680 Millionen Euro vor. Diese Summe beinhaltet sowohl Ausgaben für das Drucken von Fahrplänen (45.000€), die privaten Busunternehmen (136,6 Mio.€), den öffentlichen Busbetrieb der CFL (184,6 Mio.€) und der Stadt Luxemburg (12,8 Mio.€) sowie verschiedene andere Subventionen: Allein für den öffentlichen Transport lassen sich für 2013 etwa 360 Millionen Euro veranschlagen.

Abonnements fördern

Die Entscheidung, die Fahrpreise anzuheben, ist letztlich aus der budgetären Lage heraus gefällt worden. Obwohl sie bereits im Oktober von Finanzminister Luc Frieden angekündigt worden war, gelangten die definitiven Tarifänderungen erst am 27. Dezember an die Öffentlichkeit. Mit der umstrittenen Tariferhöhung, die vor allem finanziell Schwächergestellte belaste, sollen laut „Land“ rund 6 Millionen Euro eingenommen werden. Die Änderungen zeigen, dass die Abonnements im Vergleich zu Einzelfahrschein weniger teurer wurden. Ob deshalb mehr Menschen auf Abonnements und Carnets zurückgreifen, ist zweifelhaft. Denn das reduzierte Preisangebot für ältere Mitbürger und „familles nombreuses“ , das ein Jahresabo für etwa die Hälfte des Preises ermöglichte, gibt es in diesem Jahr nicht mehr.

Ebenfalls weggefallen sind das „Weekend“-Ticket sowie die Möglichkeit, im Abo einen Passagier am Wochenende gratis mitzunehmen. Immerhin können Kinder bis 12 Jahre ohne Ticket mitfahren, ohne Einschränkung, was die Anzahl der Kinder angeht. Dafür müssen Schulgruppen mit mehr als sechs Kinder einen Antrag beim betroffenen Unternehmen einreichen.