Draußen in der Welt ist der Kenntnisstand über das einzige Großherzogtum der Welt nicht sonderlich ausgeprägt. Nehmen wir nur die Berichte aus der deutschen Presse über die angebliche Immobilienblase in Trier, weil die Luxemburger aus dem „reichen Großherzogtum“ Eigentumswohnungen zu, für deutsche Verhältnisse, hohen Preisen kaufen, die aufgrund der Mieten keine Renditen mehr abwerfen können. Den Kollegen von „Spiegel“ und „Welt“ ist schlicht entgangen, dass die Luxemburger diese Wohnungen kaufen, die nach Luxemburger Standard immer noch preiswert sind, um selbst ein Dach über dem Kopf zu haben.
Das Wissen über „unser“ Land, die Begriffswahl erlaube ich mir, weil ich seit mehr als zwei Jahrzehnten im Land arbeite, ist im Ausland wirklich saumäßig. Letzteres dann, wenn die üblichen Vorurteile über Steuerparadies und Schwarzgeld fröhlich in die Welt geblasen werden. Ein ewiger Moment des Erstaunens ist für die Gastgeber, wenn bei einer Pressereise zwei Drittel der luxemburgischen Journalisten keine Luxemburger sind. Deutsche, Belgier, Franzosen, die sich dennoch, wenn sie ihren Job ernst nehmen, als luxemburgische Journalisten fühlen. Außerhalb des Saar-Lor-Lux-Raums weiß kaum jemand etwas über den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt der Region und die Arbeitssituation im Großherzogtum.
Wie oft haben meine Kollegen und ich bei informellen Pressegesprächen an wohl gedeckten Tischen irgendwo in Europa, dem Gesprächspartner gut gelaunt erklärt, dass er sich den Arbeitsmarkt in Luxemburg wie in Kuwait vorstellen muss. Einhellige Aussage aller „Luxemburger“ am Tisch, egal ob mit oder ohne Pass: Die Ausländer machen die Arbeit - das Gros der Luxemburger sitzt in der Verwaltung. Die differenzierte Version lautet: Portugiesen machen die körperlich schwere Arbeit, Belgier und Franzosen stehen hinter der Ladentheke, Deutsche und andere Expats sind Fachleute für alles Mögliche und der Öffentliche Dienst ist fest in Luxemburger Hand. Sie finden das Böse? Es ist schlimmstenfalls überspitzt.
Wenn man aber die Panik sieht, die auf Seiten von adr und CSV angesichts einer möglichen Einführung des Einwohnerwahlrechtes ausgebrochen ist, wenn man den Schund von wegen Überfremdung lesen muss, der in den sozialen Netzwerken verbreitet wird, dem muss klar werden, dass der Spruch von Kuwait nicht böse ist. Ein Teil der luxemburgischen Gesellschaft, ein Teil derjenigen mit dem „richtigen“ Pass, findet das Kuwait-Szenario gerade richtig. Alles soll so bleiben wie es ist.
In Luxemburg sind inländische und ausländische Wirtschaft, echte und unechte Luxemburger, Grenzgänger, Handel hüben und drüben eine unauflösliche Symbiose eingegangen. Wir alle gehören zu einem wirtschaftlichen und sozialen Organismus, der viel mehr ausmacht als nur das letzte Großherzogtum der Welt. Luxemburgs Situation ist unvergleichlich.
Wo ist das Drama, das Weltuntergangsszenario, wenn Menschen, die schon lange in Luxemburg, einem der schönsten Plätze Europas leben, arbeiten und zum Erfolg des Landes beitragen, an der politischen Willensbildung mit beteiligt werden? Luxemburg sollte es besser als Kuwait machen.



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