LUXEMBURGPIERRE WELTER

Guy Stebens weiter unter Druck - Fragen über Geiben-Beschattung weiterhin unbeantwortet

Die vielen Fragen um die Beschattung des ehemaligen BMG-Chefs Ben Geiben am 19. Oktober 1985 sind noch immer nicht alle beantwortet - und ständig tauchen neue auf. Wer wusste wann was darüber? Wer war verantwortlich? Wer hat sich den gravierenden Schnitzer erlaubt, den zuständigen Untersuchungsrichter nicht über die Überwachung der damals „besten Spur“ im „Bommeleeër“-Dossier zu unterrichten?

Guy Stebens, der sich gestern bereits zum vierten Mal den geharnischten Fragen von Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung stellen musste, gibt kleinlaut Fehler zu, tut sich aber schwer damit zu erklären, weshalb er als verantwortlicher Offizier des „Groupe d‘Observation et de Recherche“ offensichtlich völlig desinteressiert an der Beschattung war. Auch die gestrige Konfrontation zwischen Stebens und dem Polizisten Georges Zenners, der Mitglied des Beschattungs-Teams war, brachte wenig Erhellendes zu den wichtigsten Fragen.

„Die Spur Geiben war nicht mehr „à la Une““

Zenners sagte gestern aus, dass er erst am 21. Oktober im GOR mitbekommen haben, dass die am Nachmittag des 19. Oktober abgebrochene Observierung auf Geiben am darauf folgenden Morgen offensichtlich auf Betreiben von BMG-Chef Pierre Reuland von Geheimdienstleuten wieder aufgenommen worden war. Die beiden GOR-Polizisten waren nicht an der Aktion beteiligt.

Zenners sagte gestern, er habe nicht mit Stebens über seine Erkenntnisse gesprochen. Stebens aber behauptet, Zenners habe ihn darüber unterrichtet, allerdings kann er sich nicht mehr an Details über das Gespräch erinnern. Die Spur Geiben war nicht mehr „à la Une“ erklärte Stebens gestern wiederum den Umstand, dass die Piste plötzlich fallen gelassen wurde. Möglich sei auch, dass das Gespräch mit Zenners später stattgefunden habe. Wegen dem Mord an Gendarm Patrice Conrady durch die Waldbilliger Bande kurze Zeit später sei der Fall „Bommeleeër“ nämlich in den Hintergrund geraten.

Explosives auf höchstem Gendarmerie-Niveau

Zenners erklärte gestern, der Ermittler Jean Disewiscourt habe ihm zu einem Moment mitgeteilt, dass die Beschattung Geibens sinnlos sei. Die Frage warum habe Disewiscourt allerdings nicht beantwortet. Zenners hat später auch beim damaligen Kripo-Chef Armand Schockweiler über die Gründe für den Abbruch der Beschattung nachgebohrt, allerdings ohne Erfolg. Die Schlussfolgerung der Verteidigung am Ende der gestrigen Verhandlung war, dass auf hohem Gendarmerie-Niveau Attentate organisiert wurden, um Profit daraus zu schlagen. Dem widersprach Guy Stebens: Er könne sich nicht vorstellen, dass die Hierarchie das getan hätte. Es könne aber kein Zufall sein, dass so viele Fehler geschehen seien, widersprach Richterin Conter. „La réalité est plus riche que les inventions“, bemerkte Vogel.

„Überzeugt, dass die Angeklagten nicht die Bombenleger sind“

„Ich habe gesagt, was ich zu sagen habe und es nicht aus falscher Loyalität aus der heraus ich jemanden decken würde“, so Guy Stebens zum Schluss, „ich weiß nicht, wer der Bommeleeër ist und ich decke niemanden“. Der ehemalige Generalsekretär der Polizei fügte bei, dass er überzeugt sei , dass die Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes auf keinen Fall die Bombenleger sind.