LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Luxembourg Laughing Out Loud“ oder Stand-up-Comedy auf Englisch

Stand-up-Comedy in Luxemburg? Ja, gibt es. Und zwar immer mehr. Seit vergangenem Mai steht Salomon C. Leija regelmäßig als Stand-up-Comedian auf der Bühne, anfangs in einem Café, in dem „Luxembourg Comedy“ solche Shows organisiert, dann in seinem eigenen englischsprachigen Comedy-Club „Luxembourg Laughing Out Loud“, kurz LLOL. An jedem ersten Sonntag im Monat wird seither Stand-up-Comedy im „The Base“ (früher Plain Vanilla) auf Kockelscheuer geboten. Nach einer Pause im Februar findet die nächste Ausgabe am 1. März statt.

„Mein Ziel ist es, die Comedy-Szene in Luxemburg zu pushen. Sie soll wachsen können, und dazu braucht sie mehr als nur einen Ort zur Entfaltung. LLOL organisiert ,Open Mic‘-Shows. Es handelt sich also um eine offene Bühne, die jedem zur Verfügung steht, der Stand-up-Comedy macht oder sich einfach mal darin versuchen will. Man muss kein Profi sein“, stellt der 39-Jährige klar. Ein Casting muss also niemand durchlaufen. Eine Anmeldung über Facebook oder via E-Mail reicht.

Internationale Besetzung - keine Richtlinien

Die Nachfrage besteht. „Es gibt genügend Komiker in Luxemburg, die sich über weitere Auftrittsmöglichkeiten und auch über ein anderes Publikum freuen. Es ist wichtig, dass man als Stand-up-Comedian seine Witze testen kann, und das geht nur vor Zuschauern“, weiß Salomon C. Leija. Vor allem Expats zählt er zu den Leuten, die mehr oder weniger regelmäßig bei LLOL auftreten: „Sie stammen aus allen möglichen Ländern. Indien, Syrien, Russland, USA, Ungarn, Belgien, Marokko, Luxemburg, Iran... Das ist wirklich ganz international, und es sind auch alle Altersgruppen vertreten“.

Richtlinien gibt es nicht, genauso wenig wie Tabuthemen. Nicht einmal politisch korrekt muss die Nummer sein. „Das wäre das Gegenteil von Stand-up-Comedy, wo ja eben keine Grenzen gesetzt sind. Es können also Sachen gesagt werden, die im normalen Kontext vielleicht tatsächlich unangebracht sind. Das kann politisch oder sexuell sein, das kann richtig krass sein. Über alles kann man sich lustig machen, vorausgesetzt, man dreht es so, dass es auch wirklich witzig ist. Ob es das dann tatsächlich ist, weiß man erst, wenn die Leute lachen“, gibt er zu bedenken. Und wenn sie nicht lachen? „Das kommt vor, natürlich habe ich das selbst auch schon erlebt. Das ist nicht schlimm, daraus lernt man“, schmunzelt er, „kommt ein Witz nicht an, lässt man ihn fallen. Lachen die Leute, kann man weiter darauf aufbauen“.

Persönlich, natürlich, mit Unterton

Wie studiert man eine solche Nummer denn ein? „Die Witze müssen im Vorfeld geschrieben werden. Es gibt selten Talente, die einfach aufkreuzen, spontan loslegen und dann auch wirklich witzig sind. Ein gewisses Training gehört unbedingt dazu. Die Nummer zuhause immer wieder üben, macht eigentlich 90 Prozent der Vorbereitung aus. Ziel ist es im Endeffekt, dass das Ganze auf der Bühne spontan wirkt, also so klingt, als wäre es einem gerade erst eingefallen. Elementar ist der Austausch mit dem Publikum, es soll eine Art Konversation sein. Stand-up-Comedy ist nämlich in dem Sinn kein Spektakel und auch kein Improvisationstheater, also absolut nicht theatralisch“, erklärt der Freizeit-Komiker, der übrigens hauptberuflich im Sekretariat einer Schule tätig ist.

„Stand-up-Comedy ist für mich ein toller Ausgleich zu dieser Arbeit. Persönliche Ansichten gehören nicht ins Büro. Wenn ich auftrete, sage ich hingegen meine Meinung. Comedy kann man nur machen, wenn man über sich selbst spricht, beziehungsweise über seine Ansichten. Ich rede natürlich nie über die Arbeit und auch nicht über Leute, die ich kenne, sondern vielmehr über meine Sicht der Welt, über Sachen, die ich lächerlich finde, ich übe Kritik an der Politik, an Luxemburg, an der Welt. Ich lasse alles in meine Nummer einfließen, was mir gerade so unter den Fingernägeln brennt“, erzählt er. Vor allem versuche er stets, sozialkritisch zu sein. „Die Witze müssen einen gewissen Unterton haben. Subtext ist in der Stand-up-Comedy besonders wichtig. Ein guter Witz muss also meiner Meinung nach auch eine Botschaft enthalten, die aber nicht direkt ausgesprochen wird. Da gibt es verschiedene Techniken, die man anwenden kann“, fügt er hinzu.

Den Comedy-Club will er nun noch etwas professioneller aufziehen, also nicht nur „Open Mics“ organisieren, sondern auch Shows, zu denen professionelle Komiker eingeladen werden. „Ich selbst mache das Ganze aber weiterhin nur aus Spaß an der Sache und um die Stand-up-Comedy-Szene in Luxemburg zu fördern“, unterstreicht Salomon C. Leija, der bislang rund 30 Auftritte hatte und sich deshalb noch zu den Anfängern zählt. „Um das richtige Feeling zu bekommen, was geht und was nicht geht, sind noch mindestens 100 weitere Auftritte nötig“, meint er. Hilfreich sei das Lesen von Büchern über Comedy und die Techniken. „Man muss ja lernen, wie man Witze schreibt. Sie müssen originell sein. Das lernt man nicht mal eben so, indem man sich andere Stand-up-Comedy-Shows anschaut. Man kann die Komiker ja nicht einfach imitieren. Witze klauen, ist selbstverständlich ein absolutes No-Go!“, betont er.

Aus dem Leben gegriffen

Inspiration findet der Hobby-Komiker im Alltag. „Man muss ständig die Augen offenhalten und aufmerksam sein. Überall könnte sich eine komische Situation bieten, die man dann in seine Nummer einbauen kann. Man sollte deshalb immer einen Notizblock dabei haben, um einen witzigen Einfall gleich aufzuschreiben“, rät er. Beobachtungshumor sei extrem wichtig, und aktualitätsgebunden müsse das Ganze auch unbedingt sein.

Zwischen fünf und elf Komiker treten im Rahmen der LLOL-Abende auf. Fünf bis acht Minuten dauern die Nummern. „Bisher englischsprachig, das muss aber nicht so bleiben. Ich selbst bin in Amerika geboren, deshalb ist mein Englisch so gut. Perfektes Englisch ist aber keine Voraussetzung, das Gegenteil kann ja auch witzig sein. Ich arbeite übrigens auch mit Alex Monteiro von MDR Luxembourg zusammen und coorganisiere seine nächste ,Open Mic Show‘ auf Französisch am 29. Januar im ,The Base‘. Am 31. Januar findet in Petingen im Centre Wax zum ersten Mal ein Event auf Luxemburgisch statt. Meine nächsten beiden ,Open Mic Shows‘ sind am 20. und 27. Januar im ‚Oscar’s Bar and Kitchen‘ im Grund. Noch ist Stand-up-Comedy hierzulande nicht im Mainstream angekommen, aber es tut sich etwas in der Szene. Genau das ist das Ziel: diesen Teil der Kultur fördern, gemeinsam, ohne Konkurrenz, unabhängig von der Sprache, schließlich ist Luxemburg ja multi-kulti“, sagt Salomon C. Leija.

Wie sieht’s denn bei ihm mit Lampenfieber aus? „Ich bin eigentlich vorher nie aufgeregt, aber während der Auftritte bekomme ich immer einen richtigen Adrenalinschub. Das ist dann wie ein richtiges High. Es ist ein unbeschreiblich aufregendes Gefühl, wenn man die Leute zum Lachen bringt“, antwortet er. Und lacht.

Mehr Infos auf Facebook: LLOL - Luxembourg Laughing Out Loud