LUXEMBURGGERHARD KLUTH

Die Violinistin Hilary Hahn gastierte in der Philharmonie

Mit einem Weltstar der klassischen Musik ist die Philharmonie auf dem Kirchberg in das neue Jahr gestartet. Niemand geringeres als Hilary Hahn gastierte zusammen mit dem Pianisten Cory Smythe am vorgestrigen Mittwoch im Grand Auditorium.

Die 1979 geborene Amerikanerin mit deutschen Wurzeln hatte ein geradezu opulentes Programm mitgebracht, das den Zuhörern einiges abverlangte. Insgesamt waren es elf verschiedene Werke von elf Komponisten, die erklangen. Johann Sebastian Bachs berühmte „Ciaconna“ aus der zweiten Partita für Violine solo, BWV 1004, war ebenso vertreten wie die Sonate für Violine und Basso continuo, Opus 5,4, von Arcangelo Corelli und Gabriel Faurés Sonate für Violine und Klavier, Opus 13, in A-Dur. Dazu gab es acht Miniaturen, die der Serie „In 27 Pieces: the Hilary Hahn Encores“ entstammten. Es waren also vor allem Zugaben, mit denen Hahn und Symthe den Abend gestalteten.

Zugaben aus der Feder zeitgenössischer Komponisten

Die Kompositionsserie nahm ihren Ursprung in Hahns Idee, sich von zeitgenössischen Komponisten Werke schreiben zu lassen, die sie als Zugaben in ihren Konzerten spielen kann. 26 Komponisten aus 17 Ländern hat Hahn in diesen Zyklus aufgenommen. Für die 27. Komposition veranstaltete sie einen Wettbewerb, an dem mehr als 400 Komponisten teilnahmen. Der Gewinner war der amerikanische Komponist Jeff Myers, dessen Opus „The angry Birds of Kauai“ Hahn ihrem Luxemburger Publikum allerdings vorenthielt. Stattdessen erklangen Werke wie „Storm of the Eye“ von Elliott Sharp, Richard Barretts „Shade“ (als Uraufführung) oder auch „First Sigh“ von Antón Garcia Abril.

Länge hat bekanntlich nichts mit Größe zu tun, weshalb die Tatsache, dass all diese Zugabekompositionen nur eine Länge von drei bis fünf Minuten hatten, nichts über deren Qualität aussagte. Manches war recht atonal und nicht unbedingt eingängig, bewegte sich in hohen und höchsten Lagen der Violine, wie etwa Du Yuns „When the Tiger Meets a Rosa Rugosa“. David Del Tredicis „Farewell“ hingegen war durch und durch romantisch und man mochte kaum glauben, dass es sich um eine Komposition des Jahres 2010 handelte. Eines zeichnete aber alle Werke aus, sie waren musikalisch wie auch technisch sehr anspruchsvoll und es war eine Freude, Hahn und Smythe zu folgen. Gleiches galt für Faurés Sonate, die von dem Duo in Perfektion lebendig und empathisch interpretiert wurde.

Nicht ganz so war es bei den beiden Barockkompositionen, wenngleich auch sie auf der technischen Seite tadellos daher kamen. Die musikalische Seite litt unter einer Darstellungsweise, die mit dem Klang der Musik des 18. Jahrhunderts nicht viel zu tun hatte. Der breite Strich von Hahn, die Dauerbenutzung des Pedals durch Smythe, die Tatsache, dass Hahn jeden Ton, der länger als eine Sekunde dauerte, gleich mit einem Vibrato versah, all das war der Musik nicht zuträglich. Trotzdem aber war es ein großer Abend, mit dem die Philharmonie das neue Jahr eröffnet hat.