LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Um die Population der Nilgänse zu verkleinern, setzt Ministerin Dieschbourg auf Sterilisation statt auf Jagd

Nilgänse sorgen verstärkt für Ärger, sogar so stark, dass sich  Gemeinden, die Opfer einer Gänse-Invasion wurden,  an die Öffentlichkeit gewandt haben, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Sie verweisen auf das Herumeiern der Naturverwaltung, wenn es um Nilgänse (Alopochen aegyptiacus) geht. Beliebt ist auch das „Schwarzer-Pete-Spiel“ zwischen verschiedenen Verwaltungen – zu Lasten der Kommunen. Es ist unbestritten, dass die Nilgänse eine invasive Spezies sind und in ihrer angstfreien Art schlicht lästig sind, vor allem sind sie aufgrund ihrer guten Verdauung auch ein großes hygienisches Problem.

Jetzt hat sich der liberale Süd-Abgeordnete Gusty Graas des Themas angenommen und versucht, die Gesamtproblematik in einer großen parlamentarischen Anfrage an Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) zu klären.

Sterilisation statt Jagd?

Zunächst wundert sich Graas, dass die Nilgans in Luxemburg nicht zu den jagdbaren Tieren gehört. Ganz im Gegensatz zu den Nachbarländern, wo die Bejagung erlaubt ist – im föderalen Deutschland  aber abhängig vom jeweiligen Bundesland. Er habe aber gehört, so Graas, dass das Umweltministerium die Ausbreitung der Nilgänse durch die Sterilisierung ihrer Eier eindämmen will.

Im Detail stellt Graas eine lange Liste von Fragen auf:  Wie und wie oft soll eine Sterilisation der Eier erfolgen? Zu welchen Kosten? Wer wäre für diese Aufgabe  verantwortlich? Wann wird ein spürbarer Effekt auf die Nilgänsepopulation sichtbar? Ist die Ministerin davon überzeugt, dass das die wirksamste Art ist, um die Zahl der Nilgänse einzudämmen?

Graas‘ Kernfrage lautet dann: Warum ist die Jagd auf Nilgänse in Luxemburg immer noch verboten? - Wäre die Ministerin bereit, die Jagd auf diese invasive Art zuzulassen, wenn die Sterilisation der Eier wirkungslos bleibt?

Gibt es genaue Kenntnisse über die Anzahl der in Luxemburg lebenden Nilgänse? Wie hat sich die Population in zehn Jahren entwickelt?

Erstes Nest 2007 gesichtet

In der Antwort von Ministerin Dieschbourg heißt es, dass hierzulande der erste Nistplatz von Nilgänsen 2007 dokumentiert wurde. Seither nehme die Zahl dieser nicht einheimischen Art kontinuierlich zu, an eine Ausrottung der Nilgänse in Luxemburg sei nicht mehr zu denken. Andererseits stehe die Nilgans seit 2017 auf die Liste der invasiven Arten (EU-Verordnung EU 1143/2014), die für die Europäische Union Anlass zur Besorgnis geben. Die Mitgliedstaaten seien dadurch zu einem Maßnahmenkatalog verpflichtet.  

In Luxemburg werde an einem Aktionsplan gegen die Nilgans gearbeitet. Der Entwurf des Aktionsplans sei im Frühjahr 2020 zur öffentlichen Konsultation vorgelegt worden und soll im Herbst fertiggestellt und veröffentlicht werden.

Dieschbourg erklärte, dass die Sterilisation der Eier etwa 10 bis 15 Tage nach Beginn der Befruchtung durchgeführt wird. Dabei können die Eier undurchlässig gemacht werden, etwa durch Paraffin, oder man die Eier durchsticht oder schüttelt. Die Eier bleiben im Nest, damit das Gänsepaar weiter nistet ohne sofort ein neues Gelege zu produzieren. Daher werden die Eier auch nicht eingesammelt.

Zunächst wird die Sterilisation von  Experten der Naturverwaltung durchgeführt. Danach können sich auch andere mit den erforderlichen Kenntnissen an der Aktion beteiligen. Über genaue Zahlen zu den Eiern verfügt man noch nicht, da die Nilgänse aber mehrmals im Jahr brüten, müsse die Sterilisation zwischen Februar und Oktober entsprechend wiederholt werden. Was natürlich Kosten mit sich bringt.
Zu viele im städtischen Raum

Eine Bejagung der Nilgänse sei derzeit nicht vorgesehen, da laut den vorliegenden Untersuchungen jedes Jahr mindestens 30 Prozent der bestehenden Population erlegt werden müssten, um wirksam zu sein.  Außerdem konzentrieren sich die ägyptischen Gänse oft an Orten, an denen die Ausübung der Jagd nicht erlaubt ist, öffentliche Parks, andere städtische Gebiete oder Naturschutzgebiete in Nachbarschaft  geschützter Arten, argumentiert die Ministerin.

Dieschbourg stellt klar: Es gibt derzeit keine Pläne, diese Art jagdbar zu machen.

Übrigens: Die letzte Zählung der Nilgänse fand bereits 2016 statt, damals wurden maximal 45 Brutpaare gezählt, eine neuerliche Erfassung wird es erst 2021 geben – mit völlig anderen Zahlen.