LUXEMBURG
INES KURSCHAT

„Der Journalismus steht unter Druck“

Ines Kurschat, Journalistin beim „D’Lëtzebuerger Land“ und amtierende Vorsitzende des Presserats, wurde diese Woche auf der jährlichen Generalversammlung zur Präsidentin der „Association Luxembourgeoise des Journalistes Professionnels“ gewählt. Wie sie Lage und Perspektiven des Journalismus in Luxemburg einschätzt.

„Der Journalismus steht unter Druck. Wirtschaftlich, weil Anzeigen ins Internet abwandern und zu wenige, neue tragfähige Geschäftsmodelle existieren, die die dadurch entstandenen Verluste komplett auffangen.

Durch ein verändertes Lese- und Konsumverhalten vor allem bei der Jugend, aber nicht nur. Mit Informationen, die im Internet allzeit gratis verfügbar sind, sind die immer weniger Menschen bereit, für hochwertige journalistische Inhalte zu bezahlen. Manche erkennen nicht einmal mehr den Unterschied.

In den sozialen Medien können Nutzende Informationen nach Gutdünken teilen, kommentieren oder selbst produzieren. Leider ermöglicht die Anonymität zugleich, dass Menschen andere ohne Klarnamen angreifen und so den Diskurs peu à peu vergiften. Es trifft Politiker und Aktivistinnen; auch Journalistinnen werden angefeindet. Eine bekam 2019 einen Drohbrief heim geschickt.

Auch Politiker attackieren Journalisten. Auf die Hasswelle, die durch die Internetforen schwappt, springen Trittbrettfahrer auf, von der extremen Rechten, wie von Linksaußen, um Andersdenkende und besonders Frauen zu diskreditieren und mundtot zu machen, und so den demokratischen Konsens zu zerstören.

Korrumpierte Medien tragen zum Werteverfall bei; durch Konkurrenz und hohen Termindruck gelangen Nachrichten ungeprüft ins Netz.

Leider haben manche Medienmacher zu lange vom hohen Ross aus und aus elitären Blasen berichtet, statt zu tun, was ihre Aufgabe ist: über gesellschaftliche Ereignisse zu informieren, dubiose Machenschaften in Politik und Wirtschaft unerschrocken zu hinterfragen, zu prüfen, ob demokratische Institutionen funktionieren. Decken sie Fehlverhalten auf, werden Journalisten als vaterlandslose Gesellen angegriffen oder beschimpft.

Die Antwort auf dieses Klima kann nur mehr Solidarität sein. Journalisten müssen sich hinterfragen. Dazu brauchen sie konstruktiv-kritisches Feedback von Kollegen und anderen DemokratiefreundInnen, denen unabhängiger Profijournalismus wichtig ist. Um mit der gebotenen Sorgfalt berichten zu können, brauchen sie Ressourcen.

Die Regierung will die Pressehilfe reformieren. Dabei geht es nicht nur darum, wie viel Geld Redaktionen künftig zur Verfügung haben, sondern welche Stimme wann wie gehört, welche Geschichten erzählt (weil finanziert) werden. Und implizit, welche Arbeitsbedingungen Journalisten in Zukunft vorfinden werden. Für die Medien sind die Umbrüche, die mit Digitalisierung und Automatisierung einhergehen, eine Riesenherausforderung: Redaktionen müssen sich für Input öffnen, JournalistInnen sich weiterbilden, um sich digital besser aufzustellen, sich gegebenenfalls für größere Recherchen vernetzen. Sie müssen mit technologischen Neuerungen wie automatisch generierten Informationen durch AI und Robotik umgehen lernen. Damit ihre Interessen in dem Wandel gehört werden, brauchen Journalisten starke Berufsverbände. Und VerbaucherInnen, die verstehen, wozu es gut gemachten unabhängigen Journalismus braucht.“