LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Luxemburg verzeichnet die zweitbeste Migrationsbilanz in der EU

Es ist nicht neu, dass Luxemburg ein Einwanderungsland. Schon im 19. Jahrhundert wanderten Arbeiter für die junge Schwerindustrie zu. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg waren es dann vor allem Italiener, die als Immigranten ins Land kamen. Die Portugiesen machen heute die größte Gemeinschaft der Zuwanderer in Luxemburg aus, werden aber aktuell von den Franzosen bei den Einwanderungszahlen überholt.

80 Prozent seines Bevölkerungswachstums der letzten zehn Jahre hat Luxemburg der Immigration zu verdanken. Ein weiteres Faktum ist, dass es sich bei den Einwanderern, egal welcher Nationalität, vor allem um junge arbeitende Menschen handelt, die selbst und dann auch durch ihre Kinder die Bevölkerungsstatistik für das Großherzogtum verjüngen.

Die Schlüsselzahl für die Einwanderung ist die Migrationsbilanz, die sich aus der Kombination der Ziffern von Immigration und Emigration ergibt. Luxemburg lag 2018 mit einer Quote von 16,3 Promille weit vor dem Durchschnitt der EU-27 mit 2,6 Promille. Um es einfacher auszudrücken: Es wanderten 1,63 Prozent mehr Leute nach Luxemburg ein als auswanderten. Hört sich nicht nach viel an, „läppert“ sich aber über die Jahre hinweg.

Arbeit und Familiennachzug

Einwanderungsgrund ist vor allem der Faktor Arbeit. Die dauerhaft gute wirtschaftliche Lage Luxemburgs macht das Land attraktiv, besonders bei denen, die aus benachteiligten Ländern kommen. Andere Faktoren die für Luxemburg sprechen, sind die Nähe zu den Nachbarländern und familiäre Bindungen. Der Familiennachzug von Immigranten, die sich in Luxemburg gut etabliert haben, ist ein wichtiger Faktor.

Die Migrationsbilanz war und ist immer abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung. Während aber bei früheren Krisen eine Abschwächung der Zuwanderung zu beobachten war, hat der dauerhafte Anstieg der Migrationsbilanz seit 2003, auch während der globalen Finanzkrise 2009 keinen Einbruch erlebt. 2011 lag die Zuwanderungsbilanz sogar bei 21,2 Promille. Im letzten Jahr (2019) waren es 16,6 Promille.

Gegensätze bei den Nachbarn

Die Entwicklung bei den Nachbarn ist sehr unterschiedlich. Deutschland kam nur 2015, im Jahr der „Flüchtlingskrise“, mit 14,3 Promille auf eine ähnliche Bilanz wie Luxemburg. Im Jahr davor waren es 7,2 Promille, 2018 lag die Bilanz bei 4,8 Promille. Wenn auch abgeschwächt, hält die Zuwanderung an.

Ganz anders sieht es in Frankreich aus. Das Land verliert Einwohner, die Abwanderung ist seit 2015 höher als die Einwanderung. Für 2018 ergab sich so eine negative Migrationsbilanz von -0,8 Promille. Das schlägt sich auch in Luxemburg zahlenmäßig nieder. Seit 2014 wandern jährlich mehr Franzosen als Portugiesen zu. In absoluten Zahlen lag 2019 die Migrationsbilanz französischer Staatsbürger in Luxemburg bei +1.637 Personen.

Spitzenstellung

Gesamteuropäische Zahlen liegen nur für das Jahr 2018 vor. In diesem Jahr lagen Malta mit einem Migrationsbilanz von 35,3 Promille, Luxemburg mit 16,3 Promille und Zypern mit 9,3 Promille EU-weit an der Spitze. Eine negative Zuwanderungsbilanz hatten Lettland mit -2,5 Promille, Rumänien mit 2,8 Promille und das Schlusslicht Kroatien mit 3,3 Promille.


Alle Details zur Zuwanderung in Luxemburg und zum europäischen Umfeld lassen sich in den „Regards“ 05/2020 des statistischen
Amtes STATEC finden: tinyurl.com/regards2020