LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Studie: Anteil der Männer, die Teilzeit arbeiten, stieg um zehn Prozent

Mitarbeiter sind die Achilles-Ferse der Unternehmen, mit ihnen steht und fällt der Erfolg. Wie aber lassen sich Talente anziehen und binden? „Ein entscheidender Faktor ist die Flexibilität der Arbeitszeit“, stellt Larissa Best fest. Deren vom Wirtschaftsministerium unterstützter Think Tank „Equilibre“ hatte erst im Dezember eine Umfrage dazu durchgeführt.

Best wollte nun einen Schritt weiter gehen und herausfinden, wie es um die Voll- und Teilzeit in Luxemburg bestellt ist. Das Ergebnis liegt dem „Journal“ vorab vor. „Um relevante Zahlen zu haben, haben wir nicht nur beim Statec nachgefragt, sondern auch bei Eurostat“, erklärt Best. Die Resultate lassen aufhorchen.

Mehr Männer in Teilzeit

Der größte Gewinner des Anstiegs der flexiblen Arbeitszeit sind Männer. Ihr Anteil nahm seit 2007 um mehr als zehn Prozent jährlich zu. Dennoch beträgt der Anteil Teilzeit arbeitender Männer derzeit nur 3,39 Prozent der im Land tätigen Arbeitskräfte. Dennoch: „Wenn der Anteil der Teilzeit arbeitenden Männer weiter in diesem Tempo steigt, haben wir in 15 Jahren die Parität erreicht“, rechnet Best vor. Sie hat sich auch die unterschiedlichen Berufsgruppen angesehen. Besonders stark war der Anstieg von männlichen Arbeitskräften mit reduzierter Arbeitszeit demnach in den Bereichen Wissenschaft, Information und Kommunikationstechnologie, Gesundheit, Verwaltung, juristische, soziale und kulturelle Aufgaben sowie beim Lehrpersonal.

Ausreißer Management

Eine große Ausnahme gibt es allerdings: Während bei den Lehrern der Anteil der Teilzeit arbeitenden Männer um durchschnittlich 18 Prozent pro Jahr anstieg, zeigten sich Manager quasi immun gegen diese Tendenz. Bei ihnen liegt der Anstieg bei null Prozent. Auch innerhalb der EU zeigt sich diese Entwicklung. „Es wäre sicher interessant, die Ursachen hierfür näher zu untersuchen“, meint die „Equilibre“-Chefin.

Im EU-Vergleich stellt Luxemburg 1,3 Prozent der teilzeitbeschäftigten Männer. Während die Progression dieser Gruppe in der EU bei 2,4 Prozent liegt, beträgt sie in Luxemburg mehr als zehn Prozent. „Darüber hinaus steigt der Anteil der Teilzeit arbeitenden sowohl in Luxemburg als auch in der EU schneller als der Anteil der Vollzeit arbeitenden“, stellt Best fest.

Insgesamt macht sie einen deutlichen Rückgang der Vollzeit arbeitenden Männer aus. „Pro Jahr sinkt dieser um 0,71 Prozent.“ Im Gegensatz
dazu würde der Anteil der Vollzeit arbeitenden Frauen leicht steigen.

Insgesamt sind rund 218.000 Menschen in Luxemburg berufstätig. Davon arbeiten 80 Prozent - also rund 176.000 Vollzeit und 20 Prozent - rund 42.000 - Teilzeit. Rund 100.000 berufstätige Frauen stehen etwa 118.000 arbeitenden Männern gegenüber. In absoluten Zahlen arbeiten rund 32.000 Frauen und 10.000 Männer Teilzeit. „Für die Studie konnten wir aufgrund des vorliegenden Zahlenmaterials nicht die Gesamtheit der Berufstätigen in Luxemburg von rund 418.000 für das Jahr 2016 berücksichtigen. Sie bildet also nur gut die Hälfte der Arbeitnehmer ab“, bedauert Best.

Dennoch hält sie es für bemerkenswert, dass sich in Luxemburg beim Thema Teilzeit mehr tut als in den anderen EU-Ländern. Ihr Ziel: In der nächsten Studie will sie sich mit jenen Bereichen beschäftigen, in denen der Anteil Teilzeit arbeitender Männer und Frauen besonders hoch ist.

www.equilibre.lu