SIMONE MOLITOR

Das kulturelle Leben liegt lahm, außer Gefecht gesetzt durch das Coronavirus. Noch bevor die Restaurants, Cafés und Geschäfte ihren Betrieb einstellen mussten, wurde im Kultursektor die Zwangspause angeordnet. Ganze Existenzen stehen seither auf dem Spiel. Besonders hart trifft es die freie Kulturszene.

„Kultur und Kunst sind kein Luxus. Wer Banken rettet, muss auch jetzt helfen“, äußerte sich der deutsche Satiriker Jan Böhmermann vor kurzem per Twitter. Natürlich hat die Gesundheitsversorgung jetzt Priorität, die weitere Corona-Ausbreitung muss verhindert und mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffs gearbeitet werden. Wenn jedoch der Ruf nach Hilfen für das Gastgewerbe laut werden darf, dann sollte auch die Kulturbranche nicht in Vergessenheit geraten. Jeder leere Stuhl in einem Theater oder Konzerthaus bedeutet eine kleine finanzielle Einbuße, nur leere Stühle haben schmerzliche, ja sogar katastrophale Folgen, von denen sich manche Betriebe oder Veranstalter und vor allem viele involvierte Einzelpersonen ohne Hilfe nicht wieder erholen können. Wer also rettet die Kultur?

Solidarität ist auch in diesem Kontext gefragt. Musiker kann man durch den Kauf von Alben, durch Streaming oder Download unterstützen. Die hiesigen Radiostationen könnten gerade jetzt mehr Musik von Luxemburgern in ihre Programme aufnehmen. Autoren, die durch den Ausfall von Lesungen auf ihren Büchern sitzen bleiben, kann man ebenfalls durch den Kauf ihrer Werke helfen. Dennoch bleiben viele andere freischaffende Künstler, vor allem jene, die auf der Bühne stehen, oder Kulturschaffende, die hinter den Kulissen arbeiten, für nicht absehbare Zeit ohne Einnahmen und damit regelrecht auf der Strecke. Hier müssen andere Instanzen Verantwortung übernehmen.

Das Kulturministerium ist sich der finanziellen Auswirkungen für die Künstler, Interpreten und Organisatoren kultureller Events bewusst und hat gestern mit einem ganzen Maßnahmenpaket reagiert. Betroffene Kulturschaffende und -betriebe können somit auf zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten zählen. Dieses schnelle Handeln muss man ausdrücklich loben, denn bereits bei normalem Kulturbetrieb fällt es vielen selbstständigen Künstlern und „Intermittents du spectacle“ nicht leicht, über die Runden zu kommen, wie spätestens bei den „Assises culturelles“ überaus deutlich wurde. Ohne Hilfe würde sie alle eine existenzbedrohende Situation erwarten.

Ein Wermutstropfen ist indes die aktuelle Schaffung neuer Kulturformate im Web, damit in Zeiten des Lebens ohne Sozialkontakt gemeinsame Momente gewährleistet bleiben. Ablenkung zuhause versprechen etwa Online-Initiativen wie „Live aus der Stuff“ oder „Party from the Couch“. Auch virtuelle Museumstouren können unternommen werden. Vieles wird momentan ins Netz verlegt, wodurch letztlich verhindert wird, dass wir zu einem Land ohne Kultur werden.

War auch das Kulturleben eines der ersten Opfer der Coronakrise, so sollte es nicht das letzte Opfer sein, dem geholfen wird. Ansonsten droht die Gefahr, dass besonders die freie Szene nachhaltig Schaden erleidet. Ja, auch die Kultur muss gerettet werden! Die Regierung hat den Handlungsbedarf erkannt. Bravo!