LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

18 und zehn Jahre im Limpertsberger Vergewaltigungsprozess gefordert

Am Dienstag ist vor der Kriminalkammer Luxemburg der Prozess gegen zwei Männer, die wegen Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, Diebstahl und Missbrauch von Schwäche angeklagt sind, zu Ende gegangen.

Für das Opfer, eine heute 23-jährige Frau, begann das Martyrium am 10. Februar 2017. Gegen 22.20 verlor sich ihre Spur. An diesem Tag lernte sie Thomas H. kennen. H. nahm die „zeitweilige Obdachlose“, wie er sagt, sowie ihren Freund Serge W. mit zu sich nach Hause nach Limpertsberg. Die zwei Männer beschließen dort in der kleinen Wohnung, mit der Frau zusammenzuleben. Sie ist zunächst dankbar, wenigstens ein Dach über dem Kopf zu haben und nahm dafür auch in Kauf, dass W. sie schlug und misshandelte, dass er ihr den Ausweis und das Handy abnahm und sie in der Wohnung einschloss. Laut Staatsanwaltschaft durfte die Frau von nun an keinen freien Willen mehr besitzen. Er forderte von ihr, sich ihm vollkommen zu unterwerfen. Der Psychologe Robert Schiltz hatte die Frau untersucht und beschrieb im Prozess das immense Leiden, das die Frau bis heute in sich trägt.

Zweimal hatten sie Sex

Am Dienstag ging es um den Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung der jungen Frau durch den Angeklagten Serge W. im Februar 2017. Der Angeklagte und sie seien ein Paar gewesen, sagt W.. Zweimal hätten sie Sex gehabt. Er habe nie den Eindruck gehabt, sie wolle keinen Sex, der Sex sei einvernehmlich gewesen, sagte er. In der Verhandlung betonte er mehrfach, dass er seiner Freundin „nur einmal eine Ohrfeige gegeben hätte“, Schlaftabletten hätte er der Frau nie verabreicht. Die Anwältin der jungen Frau beantragte 5.000 Euro Schmerzensgeld. Der Angeklagte sei ihrer Mandantin körperlich und psychisch weit überlegen. Deshalb habe es nicht viel Gewaltanwendung erfordert, sagte die Anwältin. Maître Daniel Baulisch plädierte auf Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung. Die anderen Anklagen akzeptierte er nicht. Sein Mandant Serge W. schildere die Ereignisse detailliert und inhaltlich konsistent, sagte Maître Baulisch. Der Anwalt erklärte, dass das sogenannte Opfer alles erfunden hätte. Er halte sich an das Sprichwort „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er die Wahrheit spricht.“

Das Lügen sei für Paula R. eine Selbstverständlichkeit. Baulisch wollte nicht, dass die Lüge noch mehr Leben zerstört. Die kindliche Art verrate, dass die Frau geübt darin sei, Geschichten zu erzählen. Der Verteidiger des zweiten Angeklagten H. will einen Freispruch erreichen, wie er am Dienstag vor der Kriminalkammer sagte. Der Anwalt hielt an der Unschuld seines Mandanten fest, man könne seinem Mandanten weder Freiheitsberaubung noch unterlassene Hilfestellung vorwerfen, so dass er deshalb nicht verurteilt werden könne. Auch für alle anderen Strafpunkte wie Diebstahl, Verabreichung von Medikamenten und Missbrauch von Schwäche beantragte der Anwalt einen Freispruch. Wenn das Gericht den Angeklagten verurteilen sollte, könnte das Urteil nach Artikel 621 des Strafgesetzbuches ausgesetzt werden. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft ließ die Geschichte noch einmal Revue passieren und plädierte für eine Strafe für Serge W. von 18 Jahren ohne Bewährung. Das Opfer habe dem Angeklagten vertraut und sei darum tief verletzt. Ihre Aussagen seien ohne Widerspruch und glaubwürdig. Der Staatsanwalt meinte auch, dass alle anderen Strafpunkte bei Serge W. erfüllt seien.

Dem Angeklagten H. wirft der Vertreter der Staatsanwaltschaft „participation par absence“ vor. Da das Gesetz hier keinen Unterschied zwischen aktivem und unterlassenem Handeln macht, soll H. wegen Vergewaltigung, unterlassener Hilfestellung, Freiheitsberaubung, Todesdrohungen und Diebstahl verurteilt werden. Man müsse sich vor Augen halten, dass es sich hier um eine schutzbedürftige Person gehandelt hat, sagte der Vertreter der Anklage. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren eventuell mit ein paar Jahren auf Bewährung.

Das Urteil soll am 13 März fallen.