LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

An der Zusammenstellung der Kultur- und Konzerthausprogramme wird mehrere Monate lang gearbeitet

Gratis liegen in Konzert- und Kulturhäusern, Theatern und Musikklubs die neuen Programmhefte aus, um dem luxemburgischen Kulturpublikum Anreize zu liefern, seinen Feierabend außerhalb der eigenen vier Wände zu verbringen. Wenn Sie und ich durch die Broschüren blättern, wird am Ablauf der neuen Spielzeiten nicht mehr gerüttelt; bei vielen Kulturhäusern haben im Frühjahr 2015 bereits die ersten Vorbereitungen für die Saison 2016/17 begonnen. Die Planungsphase startet früh, weil insbesondere ausländische Künstler und Truppen langfristig planen und ihre Terminkalender gerne schnell füllen. Im Kasemattentheater in Bonneweg ist der 15. August der letzte Stichtag, um Änderungen an der Spielzeit vorzunehmen. Der größte Teil des Programms stünde aber bereits in den Monaten Februar und März, unterstreicht Schauspieler Marc Limpach vom Kasemattentheater. Die Theaterverantwortlichen setzen sich während der Spielzeit zusammen, um Stücke für die kommende Saison zu finden; die Dramaturgie des Kasematten sucht immer Themen, die sich nahe an der Aktualität bewegen.

Neue Acts

Künstlerische Leiter reisen häufig Monate vor der Zusammenstellung eines Programms ins Ausland, um Veranstaltungen von Künstlern zu besuchen, die zur Philosophie der jeweiligen Häuser passen und von denen man sich gerne ein genaueres Bild vor Ort machen möchte. Danielle Igniti und François Olivieri des Düdelinger opderschmelz sind immer auf der Suche nach neuen Jazzacts, die sie entweder auf ihrem „Like a Jazzmachine-Festival“ vorstellen oder für das normale Programm des Kulturhauses verpflichten möchten. Beide durchforsten Jazzmagazine und besuchen Auftritte im Ausland, um neue Musiker zu finden, die das breite Publikum nicht kennt. Rosch Mirkes, Musikalischer Leiter und Ideengeber der „Rencontres Musicales de la Vallée de l’Alzette“, verpflichtet nur Künstler für sein Festival der Alten Musik und Barockkompositionen, die er persönlich live gehört hat.

Kulturschaffende, die bei den Verantwortlichen und dem Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, kommen meistens in die Kulturhäuser zurück. Der Kontakt zwischen den Künstlerischen Leitern und den Künstlern, beziehungsweise den Agenten bleibt bestehen. Meistens bekommen die luxemburgischen Häuser die neuen Produktionen derjenigen nationalen oder internationalen Kunstschaffenden, mit denen sie bereits früher zusammengearbeitet haben, im Planungsstadium vorgestellt. Die Leiter der Konzert- und Kulturhäuser können dann früh entscheiden, ob die Produktion für ihr jeweiliges Haus infrage kommt oder nicht.