LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Capital Group legt weltweit Fonds auf - jetzt will sie US-Strategien hier anbieten

Fonds gibt es viele in Luxemburg. Nun will einer verstärkt an die Öffentlichkeit. Die Capital Group gibt es zwar schon seit 1931 in den USA, und ihr erstes europäisches Standbein in der Schweiz stammt von 1953. Aber bislang war das Unternehmen mit Sitz in Los Angeles sehr zurückhaltend bei Medienkontakten. Benelux-Direktor Marnix van den Berge und der Marketing-Chef für Benelux und Skandinavien, Martin Hofman, erklären den Gesinnungswandel.

Wer steht hinter der Capital Group?

Marnix van den Berge Das sind 400 Partner. Die Capital Group beschäftigt insgesamt weltweit rund 7.000 Mitarbeiter, von denen 400 Partner sind. Im Unterschied zu anderen Unternehmen sind diese aber alle aktiv im Geschäft. Darüber hinaus hält niemand mehr als drei Prozent am Unternehmen. Wir sind also breit aufgestellt.

Was macht die Capital Group anders als andere Fonds?

Van den Berge Wir schauen uns die Unternehmen, in die wir investieren, genau an. Unsere Analysten arbeiten in Teams, in der Regel sind es acht Analysten und ein Researcher. Auf Research legen wir großen Wert, ebenso auf die Teamarbeit. Wir haben keine großen Stars unter den Analysten. Alle Analysten sind gleich gestellt. Das ist ein ganz anderes Modell als bei unseren Konkurrenten. Interessant ist auch, dass die Mitarbeiter nach drei, fünf und acht Jahren Gehaltssprünge machen. Damit wollen wir verhindern, dass sie kurzfristig Aktionen fahren, um einen Boni zu erhalten. Ich denke nicht, dass ein Fall wie Kerviel bei uns möglich wäre. Wir haben auch kein Investmentbanking oder ähnliche Bereiche, sondern konzentrieren uns ganz auf das Kerngeschäft. Die Mitarbeiter der Capital Group sind lange dabei, manche schon seit über zwanzig Jahren. Langfristigkeit ist uns wichtig.

Worauf liegt der Schwerpunkt Ihres Geschäfts?

Van den Berge Wir sind global aktiv. Unsere Fonds richten sich nach Regionen oder Sektoren. Der älteste, US Equities, ist bereits seit 82 Jahren auf dem Markt. Wir haben 235 Milliarden Dollar in Unternehmen, hinzu kommen noch die Regionen. In den USA haben wir 34 Fonds. In Luxemburg, wo wir seit 2013 am Markt sind, haben wir 19 UCITS-Fonds aufgelegt. Interessant ist, dass wir zwar viele Fonds aufgelegt haben, aber nie einen geschlossen. In den USA erwerben uns beispielsweise junge Leute, die die Anteile ihr ganzes Leben lang behalten. Hier in Luxemburg haben wir vor allem institutionelle Kunden wie Banken und Versicherungen. Zurzeit arbeiten acht Mitarbeiter in unserem Büro auf dem Kirchberg.

Auf welche Länder setzen Sie bei Ihren Emerging Markets?

Martin Hofman Wir haben in Brasilien, Indien und Mexiko investiert. Wichtig ist, dass wir die Volatilität gering halten. Wir sind keine Assets-Sammler, die schnell in alles investieren. Das interessiert uns nicht. Aber die Gewinne mitnehmen und die Verluste durch Volatilität nicht mitmachen - das haben wir bislang gut geschafft.

Warum wollen Sie jetzt raus aus Ihrer stillen Nische?

Van den Berge Die Kunden wollten, dass wir mit den Produkten, mit denen wir in den USA schon lange erfolgreich am Markt sind, auch nach Europa kommen. Es war eine eindeutig kundengetriebenen Nachfrage. Wir wollen unsere erfolgreichsten Strategien für europäische und asiatische Investoren öffnen. Wir managen 1,4 Billionen Dollar Vermögen in den USA.

Wo sehen Sie interessante Wachstumsmöglichkeiten?

Van den Berge Die Capital Group geht davon aus, dass nach der Krise in Europa die Wirtschaft wieder Zeit braucht, um in Schwung zu kommen. Die US-Wirtschaft ist dagegen wesentlich dynamischer, dort wird aufgrund des Konsumentenverhaltens ein moderates Wachstum erwartet. In Japan gibt es Möglichkeiten im Tourismus und im Einzelhandel. Allerdings sind die finanziellen Bedingungen weltweit immer noch schwierig. Das liegt vor allem an China und anderen Schwellenländern.


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