CLAUDE KARGER

Während die halbe westliche Welt sich im Sommerurlaub befand, braute sich vor zehn Jahren eine Katastrophe zusammen, deren Schockwellen bis heute nicht überwunden sind. Die Rede geht von der schlimmste Finanzkrise seit dem „Wall Street“-Börsencrash von 1929, der damals die USA in die Große Depression stürzte und dessen Ausläufer mit dazu beitrugen, dass die Welt ein paar Jahre später in den blutigsten Krieg seit Menschengedenken stürzte. Am 9. August 2007 fror die französische Bank BNP Paribas drei Fonds ein, weil deren an amerikanische Hypothekarkredite angelehnte Aktiva nicht mehr gehandelt werden konnten, weil ihr Wert nicht mehr ermittelt werden konnte.

Während bereits in den voran gegangenen Monaten Finanzinstitute schwere Verluste bei Derivaten der hochriskanten „Subprime“-Kredite verzeichneten - diese waren im Prinzip Darlehen, für die Null Garantie von amerikanischen Konsumenten verlangt wurde, wobei die Verbraucher, auch die am wenigsten kreditwürdigen durch staatliche Förderprogramme und niedrige Zinsen dazu ermutigt wurden, ein Eigenheim zu erwerben.

Findige Finanziers verpackten diese Kredite anschliessend in völlig unkontrollierte und überaus komplexe Finanzprodukte mit hoher Bonität, die sie dann gewinnbringend an andere Banken verkauften, die wiederum damit weltweit Anleger köderten, zum Teil mit enormen Renditeversprechen. Als der US-Immobilienmarkt dann nach 2004 völlig überhitzte und die amerikanische Zentralbank auch noch die Zinsen anhob, konnten Millionen Haushalte ihre Kredite nicht mehr bedienen. Das hochriskante System krachte zusammen. „Der König war nackt“, wie es ein Ex-BNP Paribas-Manager treffend formulierte. Und es war längst zu spät, einen Flächenbrand zu vermeiden.

In der Folge krachte es dramatisch im globalen Finanzsystem, in dem jegliches Vertrauen verpufft war. Banken, die bis dahin als „too big to fail“ angesehen wurden, mussten Konkurs anmelden. Auch in Europa, wo die Staaten dringend einspringen mussten, um systemische Finanzinstitute zu retten. In Luxemburg waren bekanntlich die BGL und die BIL betroffen, deren Mutterhäuser Fortis und Dexia ab Herbst 2008 mächtig ins Straucheln gerieten. Milliarden und Abermilliarden Steuergelder mussten in die Rekapitalisierung der Finanzinstitute, die soziale Abfederung der Krise und die Wiederankurbelung der Wirtschaft gesteckt werden. Die Finanzkrise wurde zur Schuldenkrise, an der eine Menge Euro-Länder, von denen einige eine zeitlang vor der Staatsinsolvenz standen, bis heute knabbern. Während die Zentralbanken weiterhin Billionen Euro in die Weltwirtschaft pumpen, steigt die Verschuldung unentwegt und müssen noch immer - wie in Italien - Banken gerettet werden. Ist die Krise also wirklich vorbei, wie manche Politiker unentwegt angesichts höherer Wirtschaftswachstumsraten und vor dem Hintergrund einer zugegebenermassen gigantischen Regulierungswelle - Regeln, die etwa Donald Trump schon wieder lockert? Wir sind uns da nicht so sicher. Und die öffentlichen Puffer zur Abfederung des nächsten Schocks sind ziemlich ausgereizt...