LUXEMBURG
MARCO MENG

Der neue Chef der Deutschen Bank Luxemburg im Gespräch

Früher schon war Boris Liedtke, der neue Chef der Deutschen Bank Luxemburg im Großherzogtum gewesen, damals in seiner Funktion als Chef der Deutsche Bank-Tochter DWS.

Jetzt hat der Nachfolger von Ernst Wilhelm Contzen sich sogar mit der Familie in Luxemburg niedergelassen. Zuvor war er lange Jahre bei der Deutschen Bank in Singapur gewesen und hat von dort auch seine Frau mitgebracht. Seine Kinder sind in Singapur, Hong Kong und den USA geboren. Eine multikulturelle Familie, und das mag Liedtke auch an Luxemburg. Liedke hat in London studiert und vor zwanzig Jahren bei der Deutschen Bank angefangen, die Hälfte seines bisherigen Arbeitslebens hat er indes in Asien zugebracht, wo er im Asset Management tätig war. Dass China nun Luxemburg als Renminbi-Hub für die EU ausgesucht hat, „passt“ seiner Meinung nach. Dass sich drei der größten Länder hier niedergelassen haben, sei bemerkenswert, und er ist sich sicher, dass einige Institute aus Schwellenländern nachfolgen werden. Für Liedtke ist Luxemburg sogar „das Singapur des Westens“ - und zwar im besten Sinne des Wortes: Die Korruption sei gering, Rechtsstaatlichkeit hingegen hoch. Während Singapur als Finanzplatz aber eher den Devisenmarkt im Auge hat, ist es in Luxemburg die Vermögensverwaltung. „Da hat Luxemburg gute und nachhaltige Aussichten“, so Liedtke.

Liedtke ist erst der dritte Geschäftsführer der Deutschen Bank, seit die ihre Pforten 1989 in Luxemburg öffnete und mittlerweile das Geldhaus mit der größten Bilanz im Land ist. Verwaltetes Kundenvermögen: 10 Mrd. Euro. Das spricht durchaus für Kontinuität. Und die will Liedtke auch fortsetzen und dabei Synergien zwischen den Tochtergesellschaften Sal. Oppenheim, Postbank, der DWS und seinem Haus suchen. Dabei gehe es ihm auch darum, den Finanzplatz Luxemburg insgesamt zu fördern, denn die Kontinuität in seinem Haus sei ein langfristiges Bekenntnis zum Großherzogtum.

Was den geplanten Bankdatenaustausch angehe, ist er ganz entspannt. Das sei kein Risiko, sondern zu begrüßen. Luxemburg sei ein anerkannter Standort gerade auch, weil hier ein Rechtsstaat sei. Angst vor dem Datenaustausch hat er nicht, auch wenn sich vielleicht die ein oder andere Bank überdenken müsse. Auch Singapur habe vor etwa 15 Jahren in der Schmuddelecke gestanden, sich aber durch eine Weißgeldstrategie davon lösen können - und dass es der Wirtschaft des Landes geschadet hatte. Der Datenaustausch wird, so Liedtke, für die Deutsche Bank Luxemburg keine Arbeitsplätze kosten. Von den 175 Stellen, deren Streichung letztes Jahr angekündigt worden war und die bis 2015 abgeschlossen sein soll, hat man bislang rund die Hälfte durch Versetzung in andere Unternehmensbereiche und Vorruhestand lösen können.

„Kein Geschäftsmodell, das irgendwie auf Betrug aufbaut, geht langfristig gut. Wir wollen machen, was erlaubt ist und was auch moralisch richtig ist“, definierte er die neue Kultur der Deutschen Bank. Dass die beiden Chefs der Deutschen Bank einen Kulturwandel angekündigt hatten zeugt schließlich davon, dass die Branche in eine falsche Richtung gedriftet ist? Liedtke verweist darauf, dass die Mitarbeiter der Luxemburger Niederlassung im Schnitt schon 10-15 Jahre im Haus sind, es herrsche also dort ein längerfristiges Denken vor.