LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der Honorarkonsul der Bahamas in Luxemburg über die Auswirkungen des Hurrikans Dorian

Seit 2015 ist Bernhard Dedenbach Honorarkonsul für die Bahamas in Luxemburg. Nachdem Hurrikan „Dorian“ gewütet hat, arbeitet er gemeinsam mit anderen Konsuln und den Regierungen in Nassau und Luxemburg daran, den Menschen des Inselstaates zu helfen. Uns hat er erklärt, was läuft.

Herr Dedenbach, wie sieht es derzeit vor Ort aus?

Bernhard Dedenbach Die Bahamas sind eine Gruppe von rund 700 Inseln 40 Meilen vor der Küste von Florida, von denen etwa 30 bewohnt sind. Jede Insel hat ihre ganz eigene Geographie und Organisation. Auf einigen leben Fischer und Bauern, auf anderen haben auch sehr vermögende Menschen wie Ophra Winfrey oder der Basketballer Michael Jordan ein Haus. Insgesamt leben etwa 380.000 Menschen auf den Bahamas, davon 220.000 in der Hauptstadt Nassau. Derzeit ist der Zugang zu vielen Inseln nicht gewährleistet. Denn auch nach dem Sturm gibt es noch heftige Winde und Fluten, die das Anlanden an zerstörten Häfen erschweren oder unmöglich machen. Auch der Flugverkehr ist vielerorts eingeschränkt bis unmöglich. Gleichzeitig sind Informationen nur schwer erhältlich, weil der Mobilfunk nicht funktioniert. Laut offiziellen Angaben brauchen etwa 70.000 Menschen Hilfe, rund 13.000 Häuser sind zerstört. Bislang hat man 20 Tote gefunden, doch diese Zahl kann noch steigen. Der Hurrikan der Kategorie fünf hat vor allem die Inseln Abaco und Grand Bahama im Norden der Inselgruppe getroffen. Infrastrukturen wie Straßen, Schulen oder Krankenhäuser, aber auch Industriebetriebe und Häfen sind zerstört. Das ist deswegen gravierend, weil das Geld für den Wiederaufbau fehlt. Die Bahamas verlangen keine Vermögenssteuer, diese Einnahmen fehlen jetzt. Viele Menschen haben sich noch nicht vom Hurrican Matthew erholt, der 2016 über die Bahamas fegte.

Was machen Sie?

Dedenbach Gemeinsam mit den anderen Konsuln weltweit wollen wir die Hilfe koordinieren, damit sie auch direkt ankommt und arbeiten daher mit den Regierungen vor Ort und in Nassau zusammen. Das meiste läuft über das Internationale Rote Kreuz, das die Arbeiten koordiniert. Hier in Luxemburg haben wir das Glück, dass SES derzeit mit einem Team auf Barbados ist und eine Notstation für Telekommunikation aufbauen kann. Dafür sind wir dankbar. Das ist sehr wichtig sowohl für die Hilfsteams als auch für die Suche der Angehörigen.

Was brauchen Sie?

Dedenbach Wir benötigen Notunterkünfte, Trinkwasser, und viel Geld. Der Aufbau wird noch Jahre dauern. Derzeit ist die Spendenbereitschaft sehr groß, doch schon wenn die nächste Katastrophe das Thema aus den Schlagzeilen verdrängt, kann sich das ändern. Langfristig wäre eine nachhaltige Bauweise wichtig, weiter weg vom Wasser und stabiler. Doch das ist teuer. Auch psychologische Hilfe wird benötigt. Ansonsten fehlt es an allem: Decken, Generatoren, Babynahrung, Moskitonetze.

Die beste Hilfe ist - so verrückt das klingen mag - ein Urlaub auf den Bahamas zwischen Weihnachten und Ostern. Das hilft den Menschen vor Ort, denn sie leben davon. Der Tourismus beschäftigt 60 Prozent der Bevölkerung. Die Bahamas sind ein Paradies mit 22 Nationalparks. Nicht umsonst sind die Wappentiere der Flamingo und der Marlin, ein Speerfisch. Taucher, Fischer, Segler und Sonnenfreunde kommen hier auf ihre Kosten.


Spenden unter: www.bahamas.com/relief