LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

„Fondation pour l’accès au logement“ feiert zehnten Geburtstag - Im „Abitatio“-Projekt sind bereits 45 Wohnungen für Haushalte mit geringem Einkommen geplant

Zehn Jahre nach ihrer Gründung geht die „Fondation pour l‘accès au logement“ (FAL) mit dem Projekt „Abitatio“ neue Wege. Damit will die Stiftung „selber Wohnungen bauen, für die Menschen, die nicht aus der AIS (Agence Immobilière Sociale, d. R. ) fortkommen“, sagte der Direktor der AIS, Gilles Hempel, gestern im Vorfeld einer Feier, zu der auch Wohnungsbauminister Henri Kox (déi gréng) und Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen (DP) sowie zahlreiche Personen aus der Politik und der Zivilgesellschaft erwartet wurden. „Unsere Ambition ist es, der dritte große Bauträger im Land neben dem Fonds du Logement und der SNHBM zu werden“, legte Hempel das Ziel fest. Der Start ist zumindest schon einmal gelungen. „Wir haben bereits 45 Wohnungen im Bau oder in der Planung“, führte Hempel aus. Mittels eines Invests von 21 Millionen Euro wird renoviert, gebaut oder gekauft. Beispielsweise in Niederkorn, wo auf einem von der Gemeinde per Erbpacht erworbenen Grundstückfünf Häuser renoviert und ein zweites Gebäude errichtet wird. Die dort wie auch in Heinerscheid oder Hosingen entstehenden Wohnungen sind in erster Linie für jene Menschen gedacht, die ihr soziales Projekt bei der AIS abgeschlossen haben, aber wie viele andere Menschen auf immer größere Schwierigkeiten stoßen, auf dem luxemburgischen Immobilienmarkt eine Wohnung zu finden. Die „Abitatio“-Wohnungen sollen langfristig an Haushalte mit geringem Einkommen vermietet werden.

2.000 Menschen leben in von der AIS verwalteten Wohnungen - lange Warteliste

Die Agentur für Sozialwohnungen, die ebenfalls zehn Jahre alt wird, ist eine Art sozialer Wohnungsvermittler mit Begleitung. Sie mietet leerstehende Wohnungen an und vermietet sie an Menschen, die in einer Wohnungsnotsituation sind. Dem Eigentümer, der seine Wohnung für mindestens drei Jahre bereitstellen muss, garantiert die AIS die Instandhaltung der Wohnung und die pünktliche Zahlung der Miete, wenngleich weniger als auf dem Wohnungsmarkt. Allerdings kommt der Staat den Eigentümern steuermäßig entgegen, was die Differenz abfedern soll.

„Unseren Klienten stellen wir diese Wohnung zur Verfügung mit dem Ziel, dass sie ein Projekt machen. Es geht wirklich darum, mit der Wohnung eine soziale Inklusion zu verwirklichen“, so Hempel. Die Wohnung dient als Mittel zum Zweck, gibt den Nutznießern Stabilität, um ihre Situation wieder in Griff zu bekommen, etwa, um Geld zur Seite zu legen oder Schulden zu tilgen. Derzeit wohnen knapp 2.000 Menschen auf diese Weise in von der AIS verwalteten Wohnungen, derzeit ein Bestand von 554 Wohnungen. Die Miete beträgt in etwa ein Drittel des verfügbaren Einkommens - das soll auch als Richtwert für die Vermietung der Wohnungen gelten, die die Stiftung selber baut und langfristig vermieten will. Bei der AIS wird die Situation indes nach drei Jahren neu bewertet.

Sind die Bewohner in der Lage, auf eigenen Füßen zu stehen, verlassen sie die Wohnungen. Das war bislang für knapp 300 Haushalte der Fall. Zehn Prozent davon hätten es sogar geschafft, selbst Eigentümer einer Wohnung zu werden. Doch die Nachfrage nach von der AIS vermittelten Wohnungen ist groß. Knapp 1.260 Haushalte sind auf der Warteliste. Auf „Journal“-Nachfrage erklärte Hempel, diese Zahl sei „seit einiger Zeit“ mehr oder weniger konstant, nachdem sie zuvor gestiegen sei.

Die wachsende Aktivität der Stiftung spiegelt sich ebenfalls personell wider. War die „Fondation pour l’accès au logement“ 2009 mit drei Mitarbeitern noch sehr überschaubar, sind es heute 42, davon alleine 31 bei der AIS und ihren seit 2016 entstandenen Antennen in Hosingen, Rodingen und in diesem Jahr auch in Wasserbillig.

Langer Anlauf

FAL-Präsident Marco Hoffmann erinnerte daran, dass die Stiftung gegründet wurde, um Menschen mit geringem Einkommen und möglicherweise auch sozialen Problemen Zugang zu Wohnraum zu verhelfen, um ihnen überhaupt die Möglichkeit zu geben, ihre anderen Probleme in den Griff zu bekommen. Allerdings vergingen dann doch einige Jahre von der Idee bis zur Umsetzung. Anfang der 2000er-Jahre organisierten mehrere Sozialarbeiter der Wunnengshëllef asbl Arbeitsgruppen und Plattformen, um das Konzept einer luxemburgischen „agence immobilière sociale“ zu diskutieren, die es in Belgien bereits gab. 2003 wurde die Idee der AIS im nationalen Aktionsplan für soziale Inklusion aufgenommen, wenngleich nur in Form einer Absichtserklärung des Staates. In der zweiten Fassung des Aktionsplans war es dann schon eine Priorität. 2009 war es dann endlich soweit. Am 28. September öffnete die AIS ihre Türen. Die Stiftung war zuvor am 3. Februar ins Leben gerufen worden.

Mit ihrer neuen Abteilung - neben der AIS und der sozialen Begleitung - geht die Stiftung nun also neue Wege. Bei der Suche nach Bauland - ob durch Kauf oder per Erbpacht - will sich die Stiftung übrigens auf eher kleinere Gemeinden konzentrieren sowie Grundstücke, die für die Wohnungsbauträger wie die SNHBM nicht von Interesse sind.

Ob die Grundstückssuche in Zukunft Schwierigkeiten bereiten werde? Auf diese Frage gibt sich Hoffmann mit Verweis auf die ersten beschlossenen Projekte zuversichtlich. Er ist der Ansicht, dass das Bewusstsein der Gemeinden, auf dem Wohnungsmarkt aktiv zu werden, wachse. Der Prozentsatz der Gemeinden, der bislang nicht baulich aktiv geworden ist, „ist glaube ich dabei, zurückzugehen“.

Alle Aktivitäten der Stiftung sind auf einer Webseite zu finden, die über drei Links erreicht werden kann: fondation-logement.lu - ais.lu - abitatio.lu