LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Bankdirektorin Danielle Goedert berät ganze Familien in Sachen Geld – und hält nicht viel von Trends

Die „Banque de Luxembourg“ berät seit langem Privatkunden. Verantwortlich für Luxemburger Kunden ist Danielle Goedert, die auch den Bereich „Family Office Services“ leitet. Wir haben Sie gefragt, welche Ratschläge sie zum Thema Geldanlage hat.

Frau Goedert, welche Trends gibt es in der Geldanlage?

Danielle Goedert Unser Haus berät nicht gemäß irgendwelcher Trends. Bei uns ist es eher so, dass wir auf die Bedürfnisse und die spezifische Situation der Kunden eingehen. Nach dem Ende des Steuergeheimnisses hat sich das Profil unserer Kundschaft verändert. Wir haben jetzt weniger Kunden, aber diese sind vermögender. Das erhöht natürlich auch die Komplexität der Beratung, weil sie beispielsweise Immobilien im Ausland haben oder Kinder, die dort studieren. Für sie arbeiten wir Angebote im Rahmen unseres „Family Office“ aus.

Um was geht es dort?

Goedert Um weit mehr als nur Finanzvermögen. Das Angebot reicht von Vermögenskonsolidierung über Nachlassplanung bis hin zu Immobilienfinanzierung im Ausland. Wir geben dem Kunden eine Gesamtübersicht und sorgen auch für eine Risikoaufstellung. Dieser Service lohnt sich natürlich erst ab einem gewissen Mindestwert, der ungefähr bei fünf Millionen Euro liegt, wenn man alle Vermögenswerte mit einbezieht. Entscheidend für die Beratung sind immer die Bedürfnisse des Kunden. Für diese spielt das Thema Philanthropie auch eine immer größere Rolle. Auch die Erarbeitung einer Familiencharta oder die Übertragung des Unternehmens auf Kinder sind Themen, zu denen wir übrigens auch Seminare anbieten. Ein Ausbildungsprogramm zum Beispiel hilft der jungen Generation, sich bestens auf ihre Rolle im Familienunternehmen vorzubereiten.

Bislang scheinen Immobilien immer noch die liebste Geldanlage der Luxemburger zu sein…

Goedert Das liegt sicherlich an der Preissteigerung der vergangenen Jahre. Aber die Rendite ist bei Immobilien mit 2 bis 2,5 Prozent relativ gering. Interessant ist eher der Mehrwert, der die letzten Jahre um rund fünf Prozent pro Jahr gestiegen ist.

Was bieten Sie denn Kunden an, die keine Million besitzen, sondern eher 150.000 Euro?

Goedert Wir privilegieren Fonds, insbesondere die, die zu unserer Strategie passen. Dabei geht es uns um einen langfristigen Kapitalerhalt. Im Moment ist der Zins praktisch bei null, und viele Leute lassen das Geld einfach auf dem Konto liegen. Aber bei zwei Prozent Inflation jährlich haben sie nach zehn Jahren einen Verlust von 20 Prozent ihrer Kaufkraft. Das ist schon ganz schön viel. Das ist vielen Kunden nicht bewusst. Wichtig ist zu verstehen, welches Risikoprofil die Kunden haben und wie sie mit Volatilität umgehen.

Haben Sie denn mit Ihrer Strategie Erfolg?

Goedert Wir können mit einem ausgeglichenen Risikoprofil eine durchschnittliche jährliche Rendite von 4,9 Prozent über 15 Jahre nachweisen. Das ist das Ergebnis, das wir mit unseren Fonds erzielt haben - und zwar nach Abzug der Gebühren. Ich denke, das kann sich sehen lassen. Gleichzeitig versuchen wir, ein Maximum an Risiken auszuschließen.

Gibt es Produkte, in die Sie nie investieren würden?

Goedert Durch unseren Ansatz sind schon von vorneherein einige Produkte ausgeschlossen. Wir investieren nie in Bankpapiere und Versicherungswerte, weil die Bilanzen nicht alles zeigen, was da ist. Gerade bei Banken befinden sich viele Zahlen außerhalb der Bilanz, die wichtig sind. Auch kapitalintensive Sektoren wie Stahlwerte und zyklische Branchen wie die Automobilindustrie meiden wir. Gut finden wir hingegen Investments in die Bereiche Luxus, Pharma oder täglichen Konsum.