CORDELIA CHATON

8.000 Parkplätze hat Volkswagen gerade auf dem Berliner Flughafen Schönefeld gemietet. Sie sind der Asphalt gewordene Beweis für den Dieselschlingerkurs der Wolfsburger. Denn der Grund für die Anmietung der Parkplätze sind fehlende Zulassungen für Neuwagen, wenn das neue Abgastestverfahren WLTP am 1. September 2018 verbindlich eingeführt wird. Deshalb gerät VW absehbar in Parkplatznot. Noch ist unklar, wie lange die Autos in Schönefeld bleiben sollen. Der Flughafen Berlin Brandenburg soll im Oktober 2020 mit neun Jahren Verspätung in Betrieb gehen.

Gleichzeitig tobt ein Gerangel um Ex-VW-Chef Martin Winterkorn, dessen Anwalt jetzt die Staatsanwaltschaft verklagen will, weil diese angeblich den Medien Informationen über offene Verfahren zur Steuerhinterziehung weitergeleitet hat, die es nicht gibt. Das klingt ganz mächtig nach Opfer-Kurs. Was bei Neymar die Bodenrolle ist, ist bei Winterkorn der juristische Fallrückzieher.

Aber bei VW gibt es nicht nur Winterkorn. Der hat es zwar fertig gebracht, sich gegen Altstar Ferdinand Karl Piëch durchzusetzen. Aber er ist nicht der einzige, der über die Dieselaffäre gestolpert ist. Über 70 Leute sind mittlerweile angeklagt. Und die Befragung einiger anderer wäre sehr aufschlussreich.

Da ist beispielsweise Aufsichtsratschef Dieter Pötsch, der als Winterkorns Finanzvorstand die Geldströme des Unternehmens kannte und ebenfalls ein enger Vertrauter von Piëch ist. Oder Stephan Weil, derzeit Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und ein möglicher Kanzlerkandidat. Der hätte vielleicht den Mumm, wirklich für Aufklärung zu sorgen, was Kanzlerin Angela Merkel bislang leider nicht geschafft hat, obwohl ihre damalige Umweltministerin Barbara Hendricks bei Krisenaufdeckung 2015 mehr als genug Starthilfe gegeben hat. Doch Merkel macht daraus Rohrkrepierer. Und die hohen Herren von VW husten vornehm.

Dabei steckt der Konzern in der größten Krise seiner Geschichte. Seit Bekanntgabe der Manipulation des Abgastests durch die US-Behörde EPA 2015 - der immerhin vier Jahre vorausgingen, in denen VW alles tat, um das Problem zu vergrößern statt zu lösen - hat niemand Verantwortung übernommen.

Die hoch bezahlten Herren von Piëch über Winterkorn und Müller bis zum von BMW geholten und blass gebliebenen Derzeit-Chef Diess hüllen sich in Unschuld, die bitter nach Feinstaub schmeckt.

Längst ist es in den USA zu ersten Verurteilungen gekommen, 25 Milliarden Euro Strafe wurden fällig. Hier in Europa fängt die Aufarbeitung gerade erst an. Ein leitender Porsche-Manager saß drei Monate in Untersuchungshaft. Audi-Chef Rupert Stadler - ebenfalls ein enger Vertrauter von Piëch - sitzt seit über einem Monat hinter Gittern. Das sind Spitzenmanager führender weltweiter Luxusmarken im Automobilbereich. Das setzt Zeichen, und zwar ganz üble. Stadler sitzt auch im Aufsichtsrat von VW. Das ist der größte Autokonzern weltweit, ein Vorzeigeunternehmen des Industrielandes Deutschland. Und jetzt immer mehr eine Schande. Denn die, die die Zeche zahlen, sind Millionen Menschen. Das Volk, das im Namen des Konzerns vorkommt, der sich im Vertuschen und Verschleppen übt. Sie wie es aussieht, wird er noch viele Parkplätze brauchen.