BRÜSSEL
PATRICK VERSALL

Die Kunsthistorikerin Muriel De Groef spricht über die Entstehung ihres Werks „Jugendstil au Grand-Duché de Luxembourg“

Die belgische Kunsthistorikerin Muriel De Groef veröffentlichte im Jahre 2006 mit „Jugendstil au Grand-Duché de Luxembourg“, eine der ersten Publikationen, die sich dem Jugendstil im Großherzogtum widmete. Die Veröffentlichung ist ein kleines Zufallsprodukt einer Reise in ihr Nachbarland Luxemburg: Als De Groef irgendwann mit ihrer besten Freundin, die in Luxemburg lebt, durch die luxemburgische Hauptstadt spazierte, stieß sie auf mehrere Jugendstilfassaden. „Ich liebe den Jugendstil und habe mich dann daraufhin ein bisschen schlau gemacht, ob es schon Publikationen zum Thema ‚Jugendstil in Luxemburg‘ geben würde“, erinnert sich die Belgierin. Das Ergebnis ihrer Suche war eher ernüchternd: Bis auf einige vereinzelte Artikel, in denen das Thema behandelt oder nur angeschnitten wurde, fand sie nichts. „Das war irgendwie schade“.

Erste Recherchen in den Neunzigern

De Groef startete ihre Nachforschungen Ende der Neunziger vor Ort; dabei lernte sie die Besitzer der Maison Link in Luxemburg-Stadt kennen. Diese luden sie ein, zwei Wohnungen im besagten Haus zu besuchen, die damals leer standen. Es habe sich um die beiden herrlichsten Jugendstil-Wohnungen des Hauses gehandelt, präzisiert De Groef. Die Nachforschungen an sich zogen sich über eine vergleichsweise lange Zeit hin, da die Kunsthistorikerin nicht in Luxemburg lebte und immer aus dem Nachbarland anreisen musste, um, meistens nur einige Tage, Ausschau nach interessanten Gebäuden zu halten. „Ich habe beispielsweise an einem Wochenende Esch/Alzette besucht, an einem anderen Mondorf. Die Recherchen haben ziemlich lange gedauert, aus diesem Grunde ist mein Buch auch erst im Jahre 2006 erschienen.“

„Keine Jugendstilbibel“

Ihre Publikation habe aber nicht den Anspruch, eine Jugendstilbibel für das Großherzogtum zu sein, unterstreicht sie. Zum einen hatte De Groef nicht die Gelegenheit, eine tiefe Recherche über den Jugendstil in Luxemburg anzustellen, weil sie nicht die Zeit hatte, das ganze Land zu besuchen, um zum Beispiel alle Jugendstilhäuser zu katalogisieren. Zum anderen musste sie sich an die Vorgaben ihres Verlegers halten, der ein visuell anspruchsvolles Produkt wünschte mit zahlreichen qualitativ hochwertigen Fotos. „Das Buch sollte nur Bilder von Gebäuden enthalten, die in einem guten Zustand waren“, erklärt die Kunsthistorikerin. Einige, aus kunsthistorischer Sicht äußerst interessante Objekte fielen den Vorgaben des Verlegers zum Opfer, weil die Fassaden sich in einem schlechten Zustand befanden. „Ich erinnere mich da an ein wunderbares Gebäude in Grevenmacher“, erklärt De Groef. Da auf Wunsch des Verlagshauses nur farbige Abbildungen ins Buch kommen sollten, fanden ebenfalls historische schwarz-weiß Dokumente keinen Einlass ins Werk. Der Jugendstil sei in Luxemburg sehr gut vertreten und man solle alles daran setzen, ihn zu erhalten, lautet die Meinung der belgischen Kunsthistorikerin, die darauf hinweist, dass man die Hauptstadt natürlich nicht mit Städten wie etwa Nancy, Brüssel, Wien oder Barcelona vergleichen kann.

Nach der Veröffentlichung von „Jugendstil au Grand-Duché du Luxembourg“ wurde die Autorin von einem Luxemburger kontaktiert, der ihr sein gesamtes Privatarchiv für Recherchen öffnete. Mittlerweile hat sich so viel Material angehäuft, dass De Groef in der Lage wäre, einen zweiten Band zu publizieren.