JUNGLINSTER
PATRICK WELTER

Claude Turmes stellt „Solaroffensive“ mit neuen Einspeisevergütungen vor

Es soll vorangehen mit der Energiewende und zwar „Pronto!“. Das war kurzgefasst die Botschaft der gestrigen Pressekonferenz von Energieminister Claude Turmes (déi gréng) bei der er zusammen mit Vertretern des Handwerks, der Architekten und der Energieagentur „myenergy“ das neue Förderprogramm für Photovoltaik-Installationen vorstellte. Gestern ging es um neue Einspeisevergütungen für Privatleute und genossenschaftliche Anlagen. Im Laufe des Jahres sollen noch zwei weitere Programme und Gesetzesänderungen unter den Stichworten „Großanlagen“ und „Solarautarkie“ folgen.

Der Ort der Pressekonferenz war mit Bedacht gewählt. Die neue Sporthalle von Junglinster hat gleich zwei Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach. Die eine gehört der Gemeinde, die andere einer Genossenschaft von Bürgern. Turmes sieht daher Junglinster als Vorreiter beim genossenschaftlichen Betrieb von Solaranlagen.

Turmes betrachtet die seit 12. April gültige großherzogliche Verordnung zur Förderung von Solarstrom als den Beginn einer „Solaroffensive“. Nicht zuletzt um die der EU übermittelten Ziele für Klimaschutz einzuhalten. Einerseits Energiesparen, wie durch effizientes Bauen , andererseits die Nutzung von Solar- und Windenergie drastisch ausbauen.

Die neue Verordnung sieht nicht nur mehr Geld für die Einspeisung von Solarstrom ins Netz vor - bei Einfamilienhäusern steigt sie um 36 Prozent - sondern auch eine neue differenzierte Staffelung der Anlagen von bis zu 500 kW Leistung. Ein weiterer Punkt ist eine Reduktion des bürokratischen Aufwands, zusammen mit einem Coaching für potenzielle Stromproduzenten, das von „myenergy“ angeboten wird. Für die Kommunen soll es ein spezielles Beratungs- und Hilfe-„Package“ geben.

Ein gutes Geschäft

Mit dem neuen Fördersystem will man den unterschiedlichsten Stromerzeugern gerecht werden. Seien sie klein, groß, privat, genossenschaftlich oder öffentlich organisiert. Bisher wurden nur Anlagen bis zu einer Leistung von 200 kW gefördert, diese Grenze steigt auf 500 kW. Der Energieminister hält die neue Einspeisevergütung für ein gutes Geschäft. So gibt es in Zukunft für eine kleine Anlage von weniger 10 kW Spitzenleistung, in der Regel auf einem Einfamilienhaus, eine Vergütung von 165 Euro je eingespeister Megawattstunde (MWh). Bei einer Großanlage auf einem Gewerbegebäude mit einer Spitzenleistung zwischen 200 und 500 kW sind es immer noch 125 Euro/MWh.

Turmes formulierte es knackig: „Wer in Solarenergie investiert, erhält eine bessere Rendite als auf jeder Bank!“ Die Höhe der Einspeisevergütungen wird für die Dauer von 15 Jahren garantiert. Die jetzt genannten Beträge gelten für Anlagen, die bis zum 31. Dezember 2019 eingerichtet werden. Im nächsten Jahr wird die Fördersumme wieder leicht sinken. Die Energieagentur „myenergy“ wird nicht nur für Beratung auf allen Ebenen sorgen, Musterverträge bereit halten und eine Auswahl von Betrieben für die Installation einer Solaranlage nennen können, sie startet jetzt auch - in Abstimmung mit dem Handwerk und dem Architektenverband OAI - eine multimediale Werbekampagne, um die Gewinnung von Solarenergie bei Eigentümern und Bauherren im möglichst großen Maß populär zu machen. Der Slogan, der sich an Einzelpersonen richtet, lautet: „Deng Energie fir eise Planéit“; potenzielle Energiegenossenschaften werden mit dem Ruf „Är Energie fir eise Planéit“ gelockt.

Das Handwerk ist gerüstet

Die verschiedenen Vertreter der Handwerkerschaft betonten, dass das luxemburgische Handwerk gut auf die Solaroffensive vorbereitet ist, insbesondere was die fachliche Ausbildung der Mitarbeiter betrifft. Die Architekten und Ingenieure des OAI wollen bei den Bauherren stärker darauf dringen, eine Photovoltaikanlage von vorneherein mit in die Planung einzubeziehen.

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