DR. SIMONE STEIL

Weltweit sterben mehr Menschen an Virushepatitis als an AIDS oder Malaria. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich nun das ehrgeizige Ziel gesetzt, dass die Welt bis 2030 hepatitisfrei sein soll. Heute gibt es nicht nur Schutzimpfungen gegen Typ A und B, sondern auch eine erfolgreiche Hepatitis-C-Therapie, dennoch sterben 1,4 Millionen Menschen jährlich an der gefährlichen Leberentzündung. Denn 95 Prozent der Infizierten wissen nichts von ihrer Erkrankung und nur ein Prozent hat Zugang zu effektiver Behandlung. Mit einer Impfrate von 90 Prozent bei Babys gegen das Hepatitis B Virus, einem lückenlosen Screening aller Blutspenden, der Aufklärung über Ansteckungsrisken, der weltweiten Versorgung mit sicheren, sauberen Injektionsnadeln sowie einer Therapierung von 80 Prozent der Betroffenen könnten bis 2030 mehr als sieben Millionen Menschenleben gerettet werden. Auch in Luxemburg bleibt noch viel zu tun.

„Die Hepatitis ist eine Gruppe von viral bedingten Infektionskrankheiten, von der es die Typen A, B, C, D und E gibt. 400 Milionen Menschen sind weltweit betroffen und können so akute und chronische Leberschäden davontragen. Angesichts der Tragweite dieser Epidemie ist jeder von uns einem Risiko ausgesetzt. Auch wenn eine Hepatitis eigentlich mit einem Bluttest erkannt werden kann, sind sich die meisten ihrer Hepatitis B- und C-Erkrankung aber gar nicht bewusst, nicht zuletzt, weil nur geschätzte eine Person von fünf akute Symptome aufweist und diese oft mit Grippesymptomen verwechselt werden. Werden sie nicht behandelt, können die Typen B und C chronisch werden und eine Erkrankung, eine Zirrhose oder einen Krebs der Leber auslösen. 

Wir schätzen, dass in Luxemburg 3.000 Personen mit Hepatitis C infiziert sind, gegen die es ja keine Impfung gibt. Die Forscher des ‚Luxembourg Institute of Health‘ befassen sich in Zusammenarbeit mit dem CHL intensiv damit, die Krankheit einzudämmen und besser zu verstehen. Mittlerweile gibt es auch eine medikamentöse Behandlung über drei bis sechs Monate, die in den meisten Fällen zur Heilung führt. Weil sie aber bei zehn bis 15 Prozent der Patienten nicht wirkt, forscht das LIH derzeit intensiv an den Gründen dafür, die mit Resistenzen zu tun haben könnten. 

Das Gesundheitsministerium fordert jeden dazu auf, sich über Hepatitis zu informieren, sich testen zu lassen und im Infektionsfall die verschriebene Behandlung zu verfolgen, um die Hepatitis-Fälle und -Toten zu reduzieren. Dafür wird am heutigen Welt-Hepatitis-Tag ein Informationsstand am Bahnhof zwischen 13.00 und 16.00 ein vielfältiges Angebot machen: Informationsflyer und Präservative werden verteilt, Experten werden Rede und Antwort stehen und es werden kostenlose und anonyme Tests durchgeführt. Denn die Untersuchung ist das einzige Mittel, frühzeitig eine Infektion zu erkennen, um eine entsprechende medizinische und psycho-soziale Betreuung einzuleiten. Solche Gratis-Schnelltests werden übrigens das ganze Jahr über von der HIV-Beratung der Croix-Rouge in ihren Räumlichkeiten, im CIGAL und im Interventionsmobil DIMPS sowie auch im CHL angeboten.“

Erklärung von Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Etwa 5,5 Millionen Menschen leiden heute in der EU an Hepatitis C. Die traurige Wahrheit ist, dass diese Zahl in Wirklichkeit deutlich höher liegen könnte. Das liegt daran, dass die Symptome häufig erst spät zu erkennen sind und Hepatitis C hauptsächlich arme und besonders gefährdete Menschen betrifft, z. B. injizierende Drogenkonsumenten, und daher als „stille“ Epidemie bekannt ist. Auch die überaus kostspieligen Medikamente zur Behandlung dieser Krankheit verschärfen die Situation. Dabei ist Hepatitis vermeidbar - wenn wir uns stärker auf die Prävention konzentrieren würden, müssten nicht so viele Fälle behandelt werden. Wir wissen, was zu tun ist: mehr Tests, mehr Screening, mehr Aufklärung - insbesondere bei gefährdeten Gruppen -, rechtzeitige Diagnose, Früherkennung und angemessene Behandlung. Die Mitgliedstaaten haben sich dem Ziel für nachhaltige Entwicklung verpflichtet, bis 2030 HIV/AIDS und Tuberkulose zu eliminieren und Virushepatitis einzudämmen. Auf EU-Ebene sind wir in der Europäischen Kommission nach wie vor sehr engagiert in diesem Bereich, wie wir in unserer Mitteilung „Auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft Europas“ unterstrichen haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass die wirksame Prävention und Behandlung von Hepatitis in Europa zur gängigen Praxis werden sollte. Am diesjährigen Welt-Hepatitis-Tag sollten wir uns nicht nur daran erinnern, dass wir über die notwendigen Instrumente verfügen, sondern wirklich zusammenarbeiten, so dass wir diese „stille“ Epidemie endgültig ausmerzen können. Gemeinsam können wir Hepatitis in Europa eliminieren.“