Die Vereinigung der Sekundarschullehrer Apess sieht in der Reform des „stage pédagogique“ und der Schaffung des nationalen Ausbildungsinstituts Ifen eine Reihe von „latenten Gefahren“. Zum einen befürchtet die Apess, dass mit einem Institut für alle Lehrer „der Weg zum ,Enseignant unique‘ geebnet wird“. Wenn unter einem Dach sowohl angehende Sozialpädagogen, Grundschul- und Sekundlehrer ihr Referendariat absolvieren sollen, würden die Unterschiede zwischen den einzelnen Laufbahnen nivelliert, was wiederum die Frage aufwerfe, „inwiefern eine unterschiedliche Besoldung noch vertretbar sei“, heißt es im Gutachten.
In der Konsequenz fordert die Vereinigung „die Schaffung eines eigens auf die Bedürfnisse der Sekundarlehrer zugeschnittenen, von anderen Berufslaufbahnen abgesonderten und autonomen Instituts“. Darüber hinaus sieht die Apess in der Streichung der Wahlfreiheit - bisher konnten angehende Lehrer einer pädagogisch-didaktischen oder aber eine rein fachlich-wissenschaftliche Arbeit verfassen - einen „Kunstgriff“, der es in Zukunft erlaube „für eine besoldungs- und karrieretechnische Gleichschaltung aller Lehrerlaufbahnen im öffentlichen Dienst zu plädieren“. Darüber hinaus wirft sie die Frage auf, wie man auf diesem Weg junge Sekundarlehrer anziehen will, „wenn man bei weitaus weniger Risiko und gleicher Besoldung ebene so gut eine Gruppe von Erstklässlern unterrichten darf“.
In Richtung „wissenschaftliche Trockenlegung des ,Stage‘“
Dass das Ministerium künftig das Referendariat organisieren soll und die Konvention mit der Universität Luxemburg aufgekündigt wurde ist ein weiterer Punkt, der der Apess aufstößt, wenn dadurch „vornehmlich praxisferne Ministerialbeamte für die Inhalte und Ausbildungswege des Referendariats verantwortlich zeichnen sollen.
Weiterer Kritikpunkt ist die Bestimmungen eines „patron de stage“ für die Gesamtdauer des Referendariats. Das Problem: Referendare werden nicht länger in beiden Schularten - Secondaire und Secondaire Technique - absolvieren, sondern „unterstehen der väterlichen beziehungsweise mütterlichen Kontrolle eines einzigen Direktors“. Zum Beispiel könnte es zu Engpässen auf der Suche nach Lehrern in einem der beiden Modi kommen. Der geplante Kontakt mit dem jeweils anderen System in so genannten Hospitationen komme lediglich an „Trockenschwimmen“ heran.
Nicht zuletzt bemängelt die Apess, dass die Aufwandsentschädigungen der einzelnen Betreuer sowie anderer Akteure in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Arbeitsaufwand stehen“ sowie die Entstehung eines „Wasserkopfes nie dagewesenen Ausmaßes“. Das Referendariat sei darüber hinaus mit Kosten verbunden. Für die Apess ist klar, dass das Vorhaben insgesamt „alles andere als ,kostenneutral‘“ ausfallen wird.


