MERTZIG
PATRICK WELTER

„Buchstellentag“ des „Service d’économie rurale“ - Rückblick auf 2017, Ausblick auf 2018

So ganz passten die Zahlen und die Gesichter im Saal nicht zusammen. Der „Service d’économie rurale (SER)“ stellte auf seinem 18. „Buchstellentag“ die wirtschaftlichen Ergebnisse der luxemburgischen Landwirtschaft für das Jahr 2017 vor -anhand der erhobenen Daten aus den 641 Referenzbetrieben kamen die Statistiker zu einem klaren Schluss: Es war ein Jahr der Rekordeinnahmen für die luxemburgischen Landwirte. Im Durchschnitt konnte jeder Landwirt ein Betriebsergebnis von 103.600 Euro erzielen, bereinigt, um Sondereinnahmen wie Grundstücksgeschäfte liegt das Durchschnittseinkommen - nach Abzug aller Kosten - der luxemburgischen landwirtschaftlichen Betriebe immer noch bei 60.300 Euro. Ein Ergebnis das 35 Prozent über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt liegt.

Das Landwirtschaftsministerium sieht die Gründe vor allem in einem Aufschwung der Erzeugerpreise in allen Sparten, auch des Milchpreises. Den Landwirten im bis auf den letzten Platz gefüllten Kulturzentrum von Mertzig war allerdings ein gewisser Unglauben anzumerken, gewöhnt stets mit dem Schlechtesten zu rechnen, überraschte sie die positive Rechnung ganz offensichtlich. Andererseits muss man auch sehen, dass die Erzeugerpreise und an erster Stelle der Milchpreis stark schwankend - im Betriebswirte-Deutsch „volatil“ - sind. Da Luxemburg, landwirtschaftlich gesehen, ein „Milchland“ ist, schlagen sich diese Schwankungen natürlich besonders stark nieder - positiv und negativ. Beim SER rechnet man aber auch für 2018 mit einem mittleren Betriebsergebnis von 60.000 Euro.

Der statistische Durchschnittshof hatte 2017eine Fläche von 91 Hektar, bewirtschaftete jeweils zur Hälfte Dauergrünland und Ackerland und hatte einen Viehbestand von 116 Tieren und machte einen betrieblichen Umsatz von rund 250.000 Euro. Die durchschnittlichen Subventionen lagen 2017 bei 69.900 Euro, eine Zahl, die wohl auch für 2018 stabil bleibt.

Spektakulär wird es, wenn man die prozentualen Gewinne 2017 der einzelnen landwirtschaftlichen Sparten nebeneinander stellt: Für den Ackerbau war es ein Nullsummenspiel, der Weinbau legte zehn Prozent zu, die Milchwirtschaft 99 Prozent, die Mastviehhalter nur vier und die landwirtschaftlichen Veredler spektakuläre 237 Prozent. Für 2018 wird aber anderes erwartet, die Winzer könnten 44 Prozent hinzugewinnen und die Veredler einen Gewinneinbruch von 50 Prozent, immer noch auf hohem Niveau bei einem erwarteten Durchschnittseinkommen von 136.000 Euro, erleben.

Landwirtschafts- und Weinbauminister Fernand Etgen strahlte angesichts der guten Zahlen. Wobei er ausdrücklich meinte, dass für die Bauern nicht ein Jahr alleine zählt, sondern die Gewinne und Verluste der verschiedenen Jahre miteinander verrechnet werden müssten. Angesprochen auf die durchschnittlichen Subventionen von 69.000 Euro pro Betrieb, meinte Etgen: „Die Bauern wollen eigentlich frei sein und nicht auf Subventionen angewiesen sein.“

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