LUXEMBURG
SIMON LAROSCHE

Als überzeugter „Metal-Head“ erklärt Diogo Bastos, 26, seine Liebe zu dieser düster klingenden Musik - und räumt mit Vorurteilen auf

Für die meisten Menschen ist das Hören einer Heavy Metal-Musik ein durchaus verstörendes Erlebnis, tiefe grollende Stimmen begleiten laute, schnelle Gitarren, während das Schlagzeug mit einer infernalischen Geschwindigkeit den Rhythmus liefert. Für Diogo Bastos alias „Yogi“ hingegen, ist dies die schönste Musik, die es gibt. Der gebürtige Portugiese ist fasziniert von dieser lautesten Variante der Rockmusik und spielt seit zehn Jahren Gitarre in der Luxemburger Thrash/Black-Metal-Band „Scarred“, sowie nebenbei noch bei „Abstract Rapture“. Im „Journal“-Interview erklärt Bastos, der hauptberuflich als Erzieher arbeitet, was es mit dem Metal-Lifestyle und der dazu gehörenden Musik auf sich hat.

Ist Heavy Metal bloß eine Unterkategorie des Rocks oder bereits ein ganze eigenes Musikrichtung?

DIOGO BASTOS Es gibt schon viele Unterschiede zwischen diesen beiden Musikstilen. Heavy Metal ist eine aggressivere Ausdrucksform des Rock’n’Roll und trotzdem finde ich, dass beide Stile Hand in Hand gehen. Der Rock’n’Roll fand seinen Ursprung in der Blues-Musik, der Heavy Metal seinen im Rock’n’Roll und gleichzeitig in der klassischen Musik. Ich würde Metal demnach nicht als Unterkategorie des Rocks bezeichnen.

Kinder hören normalerweise keine Heavy Metal- oder Electro-Musik. Wie bist Du „Metal Head“ geworden?

BASTOS Mein Vater hörte zuhause viel Rock’n’Roll und Blues, etwa Queen, die Rolling Stones, Pink Floyd, Bruce Springsteen oder noch BB King. Da ich mit dieser Gitarren-lastigen Musik aufwuchs, vereinfachte das natürlich den Zugang zum Heavy Metal. Im fünften Schuljahr hatte ich einen Freund, dessen älterer Bruder viele Metal-Alben besaß, besonders Black Metal. Im Alter von zehn oder elf Jahren fing ich also an Musik von Bands wie Dimmu Borgir oder Cradle of Filth anzuhören. Auch wenn diese Musik oft als brutal bezeichnet wird, habe ich mich davon sofort angesprochen gefühlt. Ich war auf Anhieb von den epischen Klängen und dieser Nähe zur Klassik-Musik fasziniert. Der Heavy Metal bescherte mir ein seltsames Gefühl, was andere Musikrichtungen bei mir nicht zu Stande brachten. Es ist schwer dieses Gefühl in Wörter zu fassen. Ich habe mich in Metal verliebt, es ist mein Leben.

Was gehört zum Metal-Lifestyle dazu?

BASTOS Drei Komponente, die den Metal-Lifestyle ausmachen sind: viel Musik, viel Bier und viele Partys. Dabei darf man nicht vergessen, dass viele Metal-Heads im Alltag eigentlich ein recht gewöhnliches Leben führen, mit Job und Kindern. In der Metal-Szene halten die Leute untereinander viel mehr zusammen, mehr als zum Beispiel in der Electro-Szene, glaube ich mal.

Warst Du in Luxemburg schon mal mit Vorurteilen gegenüber deinem Lifestyle konfrontiert?

BASTOS Ja, selbstverständlich. Viele Leute denken, dass nur weil man lange Haare und tätowiert ist, automatisch Drogen konsumiert oder übermäßig säuft. Dabei führen die meisten Metal Heads in Luxemburg, die nicht mehr zu Schule gehen, wie gesagt, ein geregeltes Leben.

Warum sind Anhänger der Metal-Musik fast immer ganz schwarz angezogen?

BASTOS (lacht) Das ist eine gute Frage. Der Heavy Metal entstand damals als allgemeiner Widerstand gegen das Diktat der Fashion und alles Weitere, was jeder zu diesem Zeitpunkt machte. Die schwarze Kleidung sehe ich als Protest gegen die kunterbunte Gesellschaft, es ist eine Art Statement.

Auf welche Bands schwörst Du heutzutage?

BASTOS In der Metal-Musik höre ich eigentlich jede Band, außer diese gehen zu viel in Richtung Gothic oder New Wave. Wenn ich Bands herausheben müsste, wären dies Gojira, In Flames oder Morbid Angel.

Gibt es eine Art des Heavy Metals, die sogar für Dich zu aggressiv ist?

BASTOS Die lauteste Form des Metals ist der Grindcore, ich finde diese zwar nicht zu krass, höre mir sie aber auch nicht jeden Tag an.

Warum grummeln viele Sänger im Heavy Metal ihre Texte, anstatt sie zu singen?

BASTOS Auf diese Weise können Gefühle besser ausgedrückt werden. Metal-Musiker drücken oft ihre negativen Gefühle aus, Trauer, Wut oder Widerstand. Ich finde diese Art des Gesangs passt am besten zur Musik.

Ist es überhaupt möglich, Heavy Metal-Texte zu verstehen oder braucht man hierfür das Booklet des Albums?

BASTOS Das hängt davon ab, wer singt und wie diese Person singt, das „Gegrummel“ beherrschen jedenfalls einige besser als andere. Wenn man zum Beispiel eine CD aufnimmt, reicht es nicht einfach, drauf los zu schreien, auch die Aussprache muss stimmen. Mit meinen Bands haben wir jedenfalls Tage im Aufnahmestudio damit verbracht, auf eine Art zu singen, bei der die Wörter klar zu verstehen sind. Generell gesehen ist es natürlich einfacher, wenn man das CD-Booklet mit den Texten hat.

Hörst Du auch Musik, die ganz anders als Heavy Metal klingt?

BASTOS Ja, ich ziehe mir auch gerne Bossa Nova oder südamerikanische Latino-Musik rein. Ab und zu etwas Dubstep schadet auch nicht