LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Wenn Luxemburg Erfolg haben will, braucht es den richtigen Geist, meint Gérard Lopez

Gérard Lopez gehört zu den wenigen Luxemburgern, die sich international einen Namen in der Venture Capital-Szene gemacht haben. Kein Wunder, dass er der Stargast der gestrigen Horizon-Konferenz von Deloitte war. Seine Botschaft war klar: Macht aus euren Kindern Unternehmer. Tragt den Geist schon in der Schule an sie heran.

Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg war 20 Jahre, Microsoft-Gründer Bill Gates 23 Jahre und Apple-Ikone Steve Jobs 21 Jahre bei der Gründung ihres Unternehmens. Was bedeutet das für Luxemburg?

„Wir müssen früh beginnen“, meint Gérard Lopez. „Wir müssen das Unternehmertum stärken, wenn die Kinder noch in der Schule sind. Der Venture Capital-Spezialist erinnert sich noch sehr gut an die verzweifelten Bemühungen von Skype. Als die beiden schwedischen Gründer auf der Suche nach Risikokapital bei Lopez anklopften, hatten sie schon elf andere Adressen hinter sich. Damals steckten sie in einem juristischen Streitfall. „Sobald die interessierten Investoren das hörten, winkten sie ab und wollten nicht mal mehr wissen, worum es ging“, berichtet Lopez. Er stieg beim 2003 gegründeten IP-Telefondienst ein. Es war ein gutes Geschäft. 2005 kaufte Ebay Skype für 3,1 Milliarden Dollar.

Israel als Vorbild

Der Mann, der da in Jeans, Hemd, Balzer und Stoffturnschuhen steht, will seine rund 350 Zuhörer überzeugen. Schließlich ist er Luxemburger und es liegt in etwas an diesem Land. Vor allem aber ist er Warner.

Lopez spricht von der steigenden Relevanz des Digitalen, von der Rolle, die Start-ups für eine Wirtschaft spielen können. Er erzählt die Geschichte von Israel und dem Yozma Programm. Das startete 1993 als Venture Fund mit 20 Millionen Dollar vom Staat Israel. Heute ist Yozma, das auf Hebräisch Initiative bedeutet, international anerkannt als der Grundstein für die israelische Venture Capital Industrie und verfügt über das sechsfache Volumen. Inkubatoren und Steueranreize von 15 bis 20 Prozent für private Investoren trugen dazu bei. „Dafür war kein komplizierter Mechanismus notwendig“, sagt Lopez. „Aber heute ist Israel eine Brutstätte für Investoren.“

Erfolg ist seiner Meinung nach nichts, dass sich sofort einstellt. „Eines der erfolgreichsten Unternehmen war fast zwei Mal pleite. Ich habe 8 Millionen Dollar investiert und jetzt ist das Unternehmen mit 28 Millionen Dollar am Nasdaq gelistet.“ Lopez spricht von Wix, dem Homepage-Generator. Das Unternehmen mit Sitz in Tel Aviv ging 2013 an die Nasdaq. Lopez ist über Mangrove Capital an Wix beteiligt. „Wir brauchen Mechanismen, die funktionieren“, unterstreicht der Risikokapital-Experte. Dann entwickelt er Ideen, wie das in Luxemburg klappen könnte, wo mit Oaktree, CVC, Bain Capital oder Carleyle zumindest schon einige Risikokapitalgeber vertreten sind.

Zwei Achsen sind die Lösung

„Wir brauchen zwei Achsen. Die eine stützt bestehende Strukturen durch Steueranreize, Staatshilfe und Ko-Investitionen sowie effiziente Regulierung“, führt Lopez aus. „Die andere Säule zieht auf den Aufbau von Fachwissen.“

Wenn das nicht geschieht, ist Lopez sich sicher, wird es seiner Heimat schlecht ergehen. „In zehn bis 15 Jahren wird Luxemburg unter Druck kommen. Die alternde Bevölkerung ist dann nur ein Grund dafür.“ Deshalb käme es darauf an, zukünftige Unternehmer heranzuziehen. „Wir sollten zukünftigen Generationen den Mut geben, an Ideen zu glauben.“

Denn schon jetzt riskiere Luxemburg, aus verschiedenen Geschäftsfeldern geworfen zu werden. Gerade deshalb seien Ideen so wichtig. „Das Beste, was wir haben, ist unser Hirn. Wir sollten es nutzen.“ Dafür setzt Lopez vor allem auf das Erziehungssystem. „Unternehmertum ist wie Fußballspielen. Man verliert auch mal“, gibt er seinen Zuhörern noch mit auf den Weg. Das gehöre einfach dazu und sei oft noch zu wenig akzeptiert.